Finnland: Die Talfahrt des DaF-Unterrichts in Finnland
Finnland: Die Talfahrt des DaF-Unterrichts in Finnland
Der frühe deutsche Einfluss auf Finnland ging von Luther und der Reformation aus und beflügelte mit der Philosophie Hegels ein Nationalbewusstsein, das 1917 mit der Unabhängigkeit Finnlands sein Ziel erreichte. Neben Theologie und Philosophie gewann Deutsch zudem als Sprache der Hanse, später auch als Sprache der erfolgreichen deutschen Naturwissenschaften zunehmend an Bedeutung. Die Erfolge in den deutschen Geistes- und Naturwissenschaften trugen entscheidend dazu bei, dass Deutsch in Finnland zur internationalen Wissenschaftssprache aufstieg und klassische Sprachen wie Latein oder Griechisch aus dem universitären Fächerkanon verdrängte. Neueste wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse wurden auf Deutsch publiziert, weshalb aktuelle Lehrbücher und Nachschlagewerke aus Deutschland bezogen wurden. Jahrhunderte lang galt in Finnland, dass, wer studieren und gesellschaftlich aufsteigen wollte, über profunde Deutschkenntnisse verfügen musste. Dies wiederum setzte voraus, dass man spätestens an den weiterführenden Schulen Finnlands wissenschaftspropädeutischen Deutschunterricht anbot. Noch bis in die 1980er Jahre hinein gab es Studierende, die in der Schule 9 Jahre Deutsch gelernt hatten. Gelernt wurde nach der tradierten Grammatik-Übersetzungs- Methode. Im Rückblick ist klar zu erkennen, dass sich der Aufstieg des Deutschen zur alle überragenden Fremdsprache seiner vielseitigen Nützlichkeit beim Aufbau der finnischen Wohlfahrtsgesellschaft verdankte.

