Rezension: Mehrsprachigkeit. Sprachevolution, kognitive Sprachverarbeitung und schulischer Fremdsprachenerwerb
Rezension: Mehrsprachigkeit. Sprachevolution, kognitive Sprachverarbeitung und schulischer Fremdsprachenerwerb
Das im Diesterweg- Verlag erschienene Buch von Ralf Weskamp diskutiert die menschliche Fähigkeit zur Mehrsprachigkeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus und fragt danach, wie sich diese Fähigkeit im schulischen Fremdsprachenunterricht am effektivsten nutzen lässt. Kernstück der Argumentation ist dabei die Hypothese, dass der Erwerb der Muttersprache und weiterer Sprachen sehr ähnlich ablaufen bzw. sogar ein Kontinuum darstellen, d. h. der Autor ist ein Verfechter der – durchaus umstrittenen – L1 = L2-Hypothese der Psycholinguistik, auf deren Basis er in seinem Buch argumentiert. Dabei begreift der Autor die Formel L1 = L2 nicht auf der Basis gleicher Erwerbssequenzen, die nachweislich auch nicht gegeben sind. Vielmehr kommt er zu dem Schluss, dass zwar die verschiedenen am Spracherwerb beteiligten Faktoren beim L1- und L2-Erwerb grundsätzlich dieselben sind, dass sie aber altersbedingt unterschiedlich akzentuiert werden. Dieses Ergebnis deckt sich mit den Erkenntnissen verschiedener neuerer Forschungsprojekte (vgl. u.a. das Teilprojekt E2 Simultaner und sukzessiver Erwerb von Mehrsprachigkeit am SFB 538 der Universität Hamburg), in denen nachgewiesen wurde, dass im L2-Erwerb im Gegensatz zum L1-Erwerb offenbar nur eingeschränkt auf die Universalgrammatik (UG) zugegriffen werden kann. Alter und kognitive Entwicklung der Lerner spielen also offenbar eine ganz entscheidende Rolle bei der Konzeption des Fremdsprachenunterrichts.

