Geographische Namen als Quelle: Flur-, Gewässer- und Ortsnamen
Geographische Namen als Quelle: Flur-, Gewässer- und Ortsnamen
Orts-, Gewässer- und Flurnamen stellen einen wichtigen Quellenbestand für Forschungen unterschiedlicher historischer Disziplinen dar. Während sprachwissenschaftliche und sprachgeschichtliche Forschungen meist nach dem "Ursprung" des Namens suchen — also dem ältesten Beleg — und daher qualitative Methoden der Quellenkritik einzelner archivalischer Belege nutzen, sind in der Archäologie und Historischen Geographie historische Benennungen als Hinweise auf vergangene Besiedlungs-, Nutzungs- und Umweltverhältnisse von Bedeutung. Es interessieren mehr das Vorkommen und Verbreitungsmuster, die Aussagen über Räume und ihre Veränderungen zulassen. Während Orts- und Gewässernamen hier oft nur sehr weitmaschige Aussagen ermöglichen, können mit Hilfe größerer Sammlungen von Flurnamen räumlich differenziertere Aussagen gemacht werden. Hier wird also ein quantitativer Ansatz verfolgt, der auch in Kauf nimmt, nicht für jeden einzelnen Namen eine exakte Herkunft ermitteln zu können. Dies schränkt den Aussagewert für einzelne Flurnamen(typen) zwar deutlich ein, allerdings muss stets die zugrundeliegende Fragestellung berücksichtigt werden: Steht also bspw. die Frage nach der Landnutzung im Vordergrund, so können Flurnamen wie "Schaafleithe", "Hirtenweg" oder "Gemein(de)huth" genutzt werden, ohne dass deren qualitative Analyse zwingend erforderlich ist. Der Artikel versucht zum einen, die unterschiedlichen Vorgehensweisen qualitativer und quantitativer Analysen zu verdeutlichen, zum anderen die Nutzbarkeit von Orts-, Gewässer- und Flurnamen für die archäologisch-historische Forschung aufzuzeigen und hierfür entsprechende Beispiele zu bringen.

