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‘Blackout Blues’: A Socio-cultural History of Vulnerable Electricity Networks and Resilient Users in Dar es Salaam, 1920–2020

Mchome, Emanuel Lukio (2022):
‘Blackout Blues’: A Socio-cultural History of Vulnerable Electricity Networks and Resilient Users in Dar es Salaam, 1920–2020. (Publisher's Version)
Darmstadt, Technische Universität Darmstadt,
DOI: 10.26083/tuprints-00021803,
[Ph.D. Thesis]

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Item Type: Ph.D. Thesis
Status: Publisher's Version
Title: ‘Blackout Blues’: A Socio-cultural History of Vulnerable Electricity Networks and Resilient Users in Dar es Salaam, 1920–2020
Language: English
Abstract:

Blackouts in African cities have received little attention from historians. Using archival and other written primary sources collected from Tanzania, Britain, and Sweden, as well as oral-history interviews, this study examines the socio-cultural history of blackouts in colonial and postcolonial Tanzania while employing critical infrastructure concepts of vulnerability and resilience in the Global South context. In five substantive chapters, the dissertation discusses the socio-economic, political, and technological factors which shaped the expansion of Tanzania’s power networks between 1920 and the mid-1990s and how such expansion set the stage for persistent blackouts witnessed in the country from the 1980s onward. It also analyses the growth of household electricity usage and consumers’ attempts to circumvent and adapt to frequent failure of power grid in Dar es Salaam from the 1980s to 2020. This study found that the power crises and blackouts which emerged in Tanzania from the 1980s cannot be understood without reference to the historical legacy in the planning and construction of power systems in the colonial and postcolonial periods. While the British colonial government had left electricity enterprises to be run by private companies, the postcolonial Tanzanian government nationalised it because it considered electricity as an important tool for its development and self-reliance policies. It built large, centralised hydropower infrastructure and integrated them to form a national grid using foreign multilateral and bilateral financial and technological assistance. Although foreign technologies and funds enabled the government of Tanzania to build large power networks to modernise and develop the country, the foreign development assistance provided in forms of fund, technologies and expertise was never smooth and without difficulties. The process was influenced by the Cold War, high modernism, and decolonisation politics. Both donors and recipients desired for political and economic gains something which led to overlooking of some vital technology transfer issues and underperformance of power networks. Donors’ assistance also created long-term economic and technological dependency on western technologies and expertise in the everyday operations of electric networks such as meeting growing power demand, repair, and maintenance of infrastructure. Despite that Tanzania’s power networks became more interconnected and interdependent from the 1970s, the technical system vulnerabilities witnessed in form of blackouts since the 1980s were largely due to technological and financial dependency on donors than due to technical interconnectedness and interdependence. Tanzania’s national grid began to face critical failures in the 1980s and 1990s when electricity had become a household and urban technology. Frequent power outages crippled people’s socio-economic and cultural lives. It ruined electrical appliances, created discomforts in homes and reduced people’s productivity. However, such failures and associated impacts on people’s livelihoods influenced electricity consumers to develop distinct socio-technical adaptation measures to reduce the socio-economic consequences of power disruptions in homes. The study shows that households and urban spaces were socio-technical, contested environments in which electricity users innovatively tinkered electric technologies to enhance their resilience to power blackouts. Therefore, even though power networks continued to be vulnerable, electricity users in Dar es Salam were not simply passive and vulnerable consumers but they were active agents who adopted new artefacts and modified working schedules to cope with vulnerable power networks.

Alternative Abstract:
Alternative AbstractLanguage

Die Ausfälle der Infrastruktur zur Stromversorgung in afrikanischen Städten sind bisher aus historischer Perspektive kaum erforscht worden. Basierend auf Archiv- und anderen schriftlichen Primärquellen aus Tansania, Großbritannien und Schweden, sowie auf Oral History Interviews, untersucht diese historische Studie die sozio-kulturellen Dimension von Stromausfällen und Spannungsabfällen („Brownouts“) im kolonialen und postkolonialen Tansania. Die Studie wendet dabei Konzepte aus dem aufstrebenden Feld der Studien kritischer Infrastrukturen wie Vulnerabilität und Resilienz auf die Fallstudie an. In fünf inhaltlichen Kapiteln zeichnet die Arbeit nach, wie das Netz in den 1920er bis 1990er Jahren ausgebaut wurde und identifiziert die sozioökonomischen, politischen und technologischen Faktoren, die dieser Expansion zugrunde lagen – und gleichzeitig den wiederkehrenden Stromausfällen in Tansania ab den 1980er Jahren den Boden bereiteten. Die Studie untersucht weiterhin das Wachstum des Stromverbrauchs von Haushalten sowie die Reaktionen und Anpassungsstrategien, mit denen Verbraucher in Dar es Salaam diesen Stromausfällen zwischen den 1980er und 2010er Jahren begegneten. Die Versorgungskrisen der letzten drei bis vier Jahrzehnte lassen sich nur vor dem Hintergrund des kolonialen und postkolonialen Erbes bei der Strominfrastruktur verstehen. Während die britische Kolonialregierung die Stromversorgung privaten Unternehmen überlassen hatte, verstaatlichte die Regierung des unabhängigen Tansania die Stromversorger, weil sie Elektrizität als wichtiges Instrument für ihre angestrebte Politik der wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit und industriellen Entwicklung betrachtete. Mit internationaler technischer und finanzieller Unterstützung baute die Regierung ein zentralisierte und integrierte nationale Strominfrastruktur auf, die von großen, neu gebauten Wasserkraftwerken gespeist wurde. Zwar ermöglichten ausländische Technologien und Gelder es den Führern der postkolonialen Regierung Tansanias große Stromnetze aufzubauen, um die sozio-ökonomische Entwicklung voranzutreiben; gleichzeigt zeigt diese Studie, dass der Transfer von Elektrotechnologien nach Tansania mit vielen Schwierigkeiten behaftet war. Einerseits war der Prozess stark vom Kalten Krieg, der Ideologie des High Modernism und der Dekolonisierungspolitik geprägt, andererseits verfolgten ausländische Geldgeber das Ziel, technische Maschinen und Fähigkeiten exportieren und somit im Globalen Süden neue Märkte für ihre heimische Industrie zu erschließen. Diese geopolitischen, ideologischen und wirtschaftlichen Motive erschwerten die Abschätzung und Diagnose technischer Probleme, was nicht nur zu einer unerwarteten Leistungsschwäche der Stromnetze führte, sondern auch zu unvorhergesehenen wirtschaftlichen und technologischen Abhängigkeiten im täglichen Betrieb elektrischer Infrastrukturen sowie bei deren Reparatur und Wartung. Die Ergebnisse dieser Studie legen die Schlussfolgerung nahe, dass die seit den 1980er Jahren im Land beobachteten Vulnerabilitäten (Stromausfälle) hauptsächlich auf technologische und finanzielle Abhängigkeiten zurückzuführen sind, die noch aus der Bauphase der Infrastrukturen in den 1960er bis 1980er Jahren stammen. Trotz fortschreitender Integration der Netze und Ausdifferenzierung der Erzeugung nahmen diese Vulnerabilitäten eher zu als ab. Auf diese Weise ermöglichen es die empirischen Ergebnisse dieser Studie, den weitgehend über die Vernetzung und Interdependenz technischer Systeme definierten Begriff der Infrastrukturschwachstellen auf finanzielle und technologische Abhängigkeiten zwischen Herstellern und Nutzern von Technologien auszudehnen. Tansanias nationales Stromnetz, das in den 1970er Jahren aufgebaut worden war, war ab den 1980er und 1990er Jahren zunehmend von kritischen Ausfällen betroffen – gerade zu jener Zeit in der Elektrizität zu einer lebenswichtigen Haushaltstechnologie und städtischen Infrastruktur wurde. Häufige Stromausfälle lähmten das sozioökonomische und kulturelle Leben der Menschen, indem sie produktive Tätigkeiten zum Erliegen brachten, Elektrogeräte ruinierten und Unannehmlichkeiten in den Häusern verursachten. Solche Ausfälle und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen der Menschen ermutigten die Nutzer, eigene sozio-technische Anpassungsstrategien zu entwickeln, um die sozioökonomischen Folgen von Stromausfällen in Haushalten zu reduzieren. Während das Wachstum des sozioökonomischen und kulturellen Bereichs Strom zu einer lebenswichtigen Versorgungsleitung machten, erzeugten häufige Stromunterbrechungen ein ständig umkämpftes Terrain zwischen Bewohnern und den maroden Stromsystemen. Die Nutzung verschiedener Energietechnologien im Alltag war ein stetiger Aushandlungsprozess, gleichzeitig griffen Nutzer auf die in der Stadt vorhandenen elektrotechnische Fähigkeiten und Kenntnisse und passten sich soziokulturell an, um die Auswirkungen von Stromausfällen zu umgehen. Haushalte und städtische Räume waren umkämpfte sozio-technische Arenen, in denen Stromnutzer innovativ tüftelten, um ihre Widerstandsfähigkeit gegen Stromausfälle in Dar es Salaam zu steigern. Sie argumentiert, dass Stromnetze in Tansania zwar weiterhin vulnerabel sind, ihre Nutzer jedoch nicht einfach als vulnerabel bezeichnet werden können.

German
Place of Publication: Darmstadt
Collation: xiii, 295 Seiten
Classification DDC: 900 Geschichte und Geografie > 960 Geschichte Afrikas
Divisions: 02 Department of History and Social Science > Department of History
02 Department of History and Social Science > Department of History > History of Technology
Date Deposited: 29 Jul 2022 12:04
Last Modified: 29 Jul 2022 12:04
DOI: 10.26083/tuprints-00021803
URN: urn:nbn:de:tuda-tuprints-218039
Referees: Hård, Prof. Dr. Mikael ; Heßler, Prof. Dr. Martina
Date of oral examination: 24 February 2022
URI: https://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/id/eprint/21803
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