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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Aufsatz zum themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Ankommen in der Sekundarstufe I: Von der Vorbereitungs- zur Regelklasse</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Didaktik des Deutschen als Zweitsprache, Friedrich-Alexander-Universit&#228;t Erlangen-N&#252;rnberg</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-02-25">
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<abstract>
<p>Der Beitrag untersucht die Umsetzung eines F&#246;rderkonzepts an bayerischen Realschulen, das auf die Integration neu zugewanderter Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler abzielt (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Bayerisches Realschulnetz (BRN) 2023</xref>). Im Fokus stehen die Auswahlkriterien f&#252;r die Teilnahme an der F&#246;rderma&#223;nahme sowie die Ausgestaltung verschiedener Beschulungsmodelle. Anhand der qualitativen Auswertung von Gruppeninterviews mit Lehrkr&#228;ften und Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern wird aufgezeigt, dass das Konzept durch seine Flexibilit&#228;t und Offenheit eine erfolgreiche Integration von Neuzugewanderten f&#246;rdert. Dabei erweisen sich differenzierte Aufnahmekriterien und die Kombination aus Sprachf&#246;rderung und stufenweiser Eingliederung in Regelklassen als entscheidend f&#252;r den Lernerfolg.</p>
</abstract>
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<p><bold>Arriving at secondary school: from preparatory class to regular education classes</bold></p>
<p>This article analyses the implementation of the support concept at Bavarian secondary schools, which aims to integrate newly immigrated pupils (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Bayerisches Realschulnetz (BRN) 2023</xref>). The focus is on the selection criteria for participation and the design of various schooling models. The qualitative analysis of group interviews with teachers and pupils shows that the concept promotes the successful integration of new immigrants through its flexibility and openness. Differentiated admission criteria and the combination of language support and gradual integration into mainstream classes prove to be decisive for learning success.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>F&#246;rderung von neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler</kwd>
<kwd>F&#246;rderkonzept</kwd>
<kwd>Auswahlkriterien</kwd>
<kwd>Beschulungsmodelle</kwd>
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<kwd>Support for newly immigrated pupils</kwd>
<kwd>support concept</kwd>
<kwd>selection criteria</kwd>
<kwd>schooling models</kwd>
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<title>1 Einleitung</title>
<p>Werden neu zugewanderte Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in das Bildungssystem gut integriert, haben sie mehr Chancen, ihre Potenziale auszusch&#246;pfen. Ihre Motivation zum Lernen bleibt erhalten, wenn das Lernumfeld f&#252;r Neuzugewanderte herausfordernd genug ist und die Schulen ihnen eine Unterst&#252;tzung bereitstellen, die sie f&#252;r die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen ben&#246;tigen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Eurydice 2019: 150</xref>). Dies setzt aber die Schaffung differenzierter Bildungsangebote voraus, die der vielf&#228;ltigen Sch&#252;lerschaft mit ihren heterogenen Vorkenntnissen und Erfahrungen sowie ihren Bed&#252;rfnissen gerecht werden und potenzialorientiert ausgerichtet sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Nilsson/Axelsson 2013: 158</xref>). Hierf&#252;r sind Konzepte erforderlich, die &#252;ber die Deutschf&#246;rderung hinausgehen. Soll den neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern der Anschluss an das Lernen in allen F&#228;chern erm&#246;glicht werden, ist auch das fachliche Lernen ankn&#252;pfend an die Ressourcen der Lernenden zu ber&#252;cksichtigen bzw. das sprachliche Lernen in einer Vorbereitungsklasse mit dem fachlichen Lernen im Regelunterricht zu verzahnen. Das Ankommen im Zielland schlie&#223;t zudem die Einbindung in die bestehende Gemeinschaft, einen Austausch und Interaktion mit Peers ein (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">von Dewitz/Bredthauer 2020: 433</xref>). Diese Teilhabe an der Gesellschaft kann die Sprachaneignung entscheidend unterst&#252;tzen. So bedarf es Beschulungsmodelle, die das Anbahnen sozialer Kontakte und Freundschaften ber&#252;cksichtigen.</p>
<p>F&#252;r die Konzeption derartiger Sprach- und Lernbildungsangebote sowie f&#252;r die organisatorische und inhaltliche Gestaltung des &#220;bergangs in die Regelklasse ben&#246;tigen Schulen einen Orientierungsrahmen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">von Dewitz/Massumi 2017: 37</xref>), der an ihre organisatorischen und p&#228;dagogischen Ressourcen angepasst werden kann. F&#252;r deren Entwicklung sind auch wissenschaftliche Evaluationen notwendig, welche Gelingensbedingungen f&#252;r bedarfsgerechte Beschulungsmodelle ausarbeiten und aufzeigen, wie das Lernen im DaZ- und Regelunterricht sinnvoll aufeinander abgestimmt werden kann (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak/Lotter/Winter 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B35">Montanari 2017</xref>). Zugleich ist von gro&#223;em Interesse, wie die verschiedenen F&#246;rderangebote aus der Perspektive der betroffenen neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sowie der Lehrkr&#228;fte eingesch&#228;tzt bzw. welche bevorzugt werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Erichsen 2020</xref>).</p>
<p>An diese Thematik kn&#252;pft der vorliegende Beitrag an, der die Umsetzung eines F&#246;rderkonzeptes insbesondere bezogen auf die Auswahl der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sowie auf die etablierten Beschulungsmodelle fokussiert. Zun&#228;chst wird ein Blick auf die Unterst&#252;tzungsangebote und die Diagnose der Kompetenzen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler im internationalen Vergleich geworfen und die Fragestellung f&#252;r diesen Beitrag ausgearbeitet. Die zur folgenden Analyse herangezogenen Daten stammen aus dem umfangreichen Datenkorpus des Projektes ForEST (Formative Evaluation von SPRINT), in dem die Sprachf&#246;rderma&#223;nahme SPRINT (Sprache intensiv) in drei Schuljahren von 2016/17 bis 2018/19 an 17 bayerischen Realschulen formativ evaluiert wurde (zum Evaluationskonzept s. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak/Lotter/Winter 2023</xref>). Bei der Auswertung wird vor allem die Perspektive der neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sowie der Lehrkr&#228;fte herangezogen, indem exemplarisch Ergebnisse aus den qualitativ inhaltsanalytisch ausgewerteten Gruppeninterviews vorgestellt werden. Abschlie&#223;end werden die Evaluationsergebnisse in Hinblick auf die genannten Fragestellungen diskutiert.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Vielfalt der schulischen Bildungsangebote f&#252;r Neuzugewanderte</title>
<p>Die Bildungspolitik in den europ&#228;ischen L&#228;ndern reagiert auf die aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen, indem in vielen Bildungssystemen Sprach- und Lernunterst&#252;tzungsangebote f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler initiiert werden. Die hierf&#252;r geschaffenen Rahmenbedingungen und inhaltliche Ausrichtung der F&#246;rderma&#223;nahmen variieren jedoch stark (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Karakayal&#305;/zur Nieden/Gross/Kahveci/Heller/G&#252;lery&#252;z 2017: 24</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B28">Le Pichon-Vorstman 2020</xref>). Ebenso vielf&#228;ltig, aber leider nur selten umfassend, verl&#228;uft die Eingangsbeurteilung von neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern. Ihre Kompetenzen in der Zielsprache und ihre fr&#252;her erworbenen Kenntnisse werden nicht &#252;berall in Europa ber&#252;cksichtigt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Eurydice 2019: 14</xref>). In nur 18 von 40 untersuchten europ&#228;ischen Bildungssystemen gibt es daf&#252;r Kriterien, die der Einheitlichkeit der Kompetenzeinsch&#228;tzung f&#252;r diese Zielgruppe an allen Schulformen zugrunde gelegt werden. Nur Comunidad Aut&#243;noma de Catalu&#241;a (Spanien), Portugal, Schweden und Finnland geben die zus&#228;tzliche Einsch&#228;tzung des sozialen und emotionalen Wohlbefindens der Kinder und Jugendlichen vor (vgl. ebda.).</p>
<p>Verf&#252;gen neu zugewanderte Lernende &#252;ber ausreichende Sprachkenntnisse in der Zielsprache, um dem Regelunterricht zu folgen, werden sie in eine Regelklasse aufgenommen. W&#228;hrend in Tschechien, Lettland, der Slowakei, Schottland und Montenegro alle Neuzugewanderten in allen Bildungsetappen und in allen Unterrichtsf&#228;chern in Regelklassen beschult werden, ist dies in den anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern nicht immer der Fall (vgl. ebda.: 15). Besitzen die Kinder und Jugendlichen nur geringe oder gar keine Kenntnisse in der Zielsprache, werden sie meist zuerst in Vorbereitungsklassen beschult. Vergleicht man die Organisation und inhaltliche Ausgestaltung der F&#246;rderung von Personen mit geringen Sprachkenntnissen, lassen sich jedoch vier Tendenzen erkennen, die abh&#228;ngig von den regionalen Richtlinien und Ressourcen der jeweiligen Schule angepasst bzw. weiter ausdifferenziert werden und dadurch ihre Berechtigung &#8211; ohne Hinweise auf die Qualit&#228;t der F&#246;rderung &#8211; haben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">El-Mafaalani/Massumi 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B10">Erichsen 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B12">Eurydice 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B14">Fuchs 2022</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B15">Fuchs/Birnbaum/Ahrenholz 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak et al. 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B35">Montanari 2017</xref>):</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p><bold>Vollintegration</bold>: Die neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen werden direkt in die Regelklasse eingegliedert und nehmen am Unterricht in allen F&#228;chern teil, werden aber stellenweise in getrennten Gruppen (additive F&#246;rderung) unterrichtet.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Vorangeschaltete Vorbereitungsklasse</bold>: Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden in getrennten Gruppen in Vorbereitungsklassen aufgenommen, in denen sie in allen F&#228;chern unterrichtet und auf den Regelunterricht intensiv vorbereitet werden. Im Vordergrund der F&#246;rderung steht die Vermittlung der Zielsprache. Nach vorgegebener Zeit (meist nach max. zwei Jahren) gehen die Neuzugewanderten in die Regelklassen &#252;ber.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Teilintegration</bold>: Die Neuzugewanderten besuchen eine Vorbereitungsklasse, in der sie spezifische Sprachf&#246;rderung erhalten, und werden schrittweise in den Regelunterricht integriert. Bereits am Anfang nehmen sie aber am Unterricht in den als &#8218;spracharm&#8216; geltenden F&#228;chern, in der Regel Sport, Kunst und Musik, teil.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Parallelmodell</bold>: Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden in allen F&#228;chern in einer getrennten Gruppe unterrichtet. Ein &#220;bergang in eine Regelklasse erfolgt nicht.</p></list-item>
</list>
<p>Die Verweildauer in den Vorbereitungsklassen variiert. Meist &#8211; wie beispielsweise in Deutschland &#8211; ist sie maximal auf ein oder zwei Jahre begrenzt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Eurydice 2019: 15</xref>). In manchen L&#228;ndern, wie Griechenland, Frankreich, Luxemburg, Finnland und der Schweiz k&#246;nnen die neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bis zu sechs Jahren in Vorbereitungsklassen verbleiben, was in den jeweiligen Konzepten mit der Forderung begr&#252;ndet wird, in den Vorbereitungsklassen bereits eine relativ gro&#223;e Zahl von F&#228;chern zu unterrichten (vgl. ebda.).</p>
<p>Vorbereitungsklassen bilden eine Grundlage f&#252;r den &#220;bergang in das Regelschulsystem und sind in der Sprachlerneingangsphase unverzichtbar (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Montanari 2017: 3</xref>). Sie werden aber meist an Haupt-, Real- und Gesamtschulen und selten an Gymnasien eingerichtet. Dies tr&#228;gt dazu bei, dass neu zugewanderte Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler automatisch in niedrigeren Bildungsg&#228;ngen eingestuft werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Pl&#246;ger 2022: 25</xref>). Vorteilhaft ist sicher, dass den Lernenden und den Lehrkr&#228;ften in den Vorbereitungsklassen mehr Zeit und Raum als in den Regelklassen zur Verf&#252;gung stehen, um die Sprachaneignung m&#246;glichst individuell zu entfalten bzw. sie zu f&#246;rdern. Dies spielt insbesondere f&#252;r den Sekundarbereich eine wichtige Rolle, wenn die sprachlichen Anforderungen durch die Vielfalt der F&#228;cher zunehmend komplexer werden und Sprache daher eine gr&#246;&#223;ere H&#252;rde beim fachlichen Lernen in einer Zweitsprache darstellen kann (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Koehler 2017</xref>). Wird in den Vorbereitungsklassen die F&#246;rderung zu stark bzw. zu einseitig auf die Sprachaneignung ausgerichtet, werden die neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler nicht ausreichend gefordert. Dadurch k&#246;nnte etwa der Erwerb der fachlichen Kompetenzen orientiert am Regellehrplan verz&#246;gert werden. Wenn die Lernenden einen erheblichen Teil ihres Schultages in Vorbereitungsklassen verbringen und hier haupts&#228;chlich sprachlich unterst&#252;tzt werden, gestaltet es sich als herausfordernd, eine Balance zwischen dem Ausbau fachlicher und sprachlicher F&#228;higkeiten herzustellen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Eurydice 2019: 91</xref>). Zudem k&#246;nnen die getrennten Vorbereitungsklassen der sozialen Integration im Wege stehen, da in dieser Sprachlerneingangsphase der informelle Kontakt zu Gleichaltrigen, die Deutsch als Erstsprache sprechen &#8211; sofern dieser besteht &#8211;, meist au&#223;erhalb der Lernumgebung stattfindet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Montanari 2017: 18</xref>).</p>
<p>Werden Neuzugewanderte in den Regelunterricht aufgenommen, erhalten sie durch die Auseinandersetzung mit fachlichen Inhalten &#252;berwiegend einen komplexen sprachlichen Input. In der Fachliteratur (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B47">Tschirner/B&#228;renf&#228;nger/M&#246;hring 2016: 10</xref>) wird darauf hingewiesen, dass die bildungs- bzw. fachsprachlichen Anforderungen des Regelunterrichts mindestens B2-, meist C-Niveau voraussetzen. Wissenschaftlich ist aber nicht gesichert, ob ein bestimmtes sprachliches Mindestniveau in der Vorbereitungsklasse erreicht sein muss bzw. ab welchem sprachlichen Niveau ein erfolgreiches Mitarbeiten im Regelunterricht aller F&#228;cher m&#246;glich ist (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Roth/Lengyel/Heintze/Scheinhardt-Stettner/Reich 2009</xref> f&#252;r die Entwicklung komplexer sprachlicher Handlungen wie das Erkl&#228;ren). Bislang wurde unzureichend untersucht, welche Kompetenzbereiche bzw. Aspekte (z.B. Sprachkenntnisse, kognitive Entwicklung, Lernverhalten oder rechtliche Vorgaben) f&#252;r die Eingliederung in die Regelklasse tats&#228;chlich in der Praxis ausschlaggebend sind.</p>
<p>Die Aufnahme in den Regelunterricht kann Neuzugewanderte vor Herausforderungen stellen, wenn sie hier keine ausreichende Unterst&#252;tzung erfahren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Eurydice 2019: 151</xref>). Fehlen Strukturen und Ressourcen f&#252;r geeignete didaktische und soziale Angebote im Regelunterricht, birgt dies die Gefahr, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sich selbst zu &#252;berlassen. Nilsson und Axelsson (<xref ref-type="bibr" rid="B37">2013: 160</xref>) sprechen in diesem Kontext von einem &#8222;Defizit-Paradigma&#8220;, wenn die Verantwortung und die Schuld f&#252;r den schulischen Misserfolg den Lernenden zugeschoben werden. So pl&#228;dieren die Autorinnen daf&#252;r, dass die Schulen einen Ansatz des bewussten Umgangs mit Neuzugewanderten verfolgen, der auf den schulischen Erfolg jedes einzelnen Lernenden ausgerichtet ist. Dabei finden die Akteurinnen und Akteure der Transitionsprozesse bzw. ihre Sichtweisen eine besondere Ber&#252;cksichtigung.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Von der Vorbereitungsklasse zum Regelunterricht in Realschulen</title>
<p>Der dargestellte Problemaufriss bildet den Rahmen f&#252;r die folgenden Analysen, in denen untersucht wird, wie die F&#246;rderung von neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern durch die teilintegrative Ma&#223;nahme SPRINT in der Praxis umgesetzt wird und welche Aspekte aus der Sicht der beteiligten Personen wesentlich sind. Die Fragestellungen (FF), mit denen sich der vorliegende Beitrag auseinandersetzt, lauten:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>FF1: Welche Kriterien werden f&#252;r die Auswahl der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler f&#252;r eine F&#246;rderma&#223;nahme zugrunde gelegt?</p></list-item>
</list>
<p>Damit wird untersucht, wie die vorhandenen Ressourcen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in der Praxis erfasst werden und welche Kompetenzbereiche f&#252;r die Aufnahme in das F&#246;rderangebot entscheidend sind.</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>FF2: Wie wird das vorgegebene organisatorisch-didaktische Konzept der F&#246;rderma&#223;nahme in der Praxis umgesetzt?</p></list-item>
</list>
<p>Hierbei stehen die schulorganisatorischen Modelle im Fokus, die durch die Modifikation des vorgegebenen SPRINT-Konzeptes (s. Kap. 3.1) je nach individuellen Gegebenheiten einer Einzelschule entstanden sind. Zudem ist die Ausgestaltung des &#220;bergangs in den Regelunterricht von besonderem Erkenntnisinteresse.</p>
<p>Bei der Auswertung der beiden Forschungsfragen werden die organisatorisch-didaktischen Vorgaben, die Perspektiven der an der F&#246;rderma&#223;nahme teilnehmenden Lehrkr&#228;fte und Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sowie die Sichtweisen der ehemaligen Lernenden in den Blick genommen.</p>
<sec>
<title>3.1 Erhebungskontext und Forschungsgegenstand</title>
<p>Im Rahmen des zwischen 2015 und 2019 durchgef&#252;hrten Forschungsprojekts ForEST erfolgte eine formative Evaluation der SPRINT-Ma&#223;nahme, um gegebenenfalls Optimierungsbedarf festzustellen und Handlungsempfehlungen f&#252;r die Weiterentwicklung des F&#246;rderprogramms zu formulieren (zu formativen Evaluation siehe z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B44">Scriven 1972</xref>). Im Schuljahr 2015/2016 fand die Pilotierung an zwei Schulen statt. Die eigentliche Evaluation bezieht sich auf drei Schuljahre von 2016/2017 bis 2018/2019. Ziel dieser war es, auf Basis erzielter Zwischenergebnisse direkte Modifizierungsvorschl&#228;ge laufend auszuarbeiten und dadurch die F&#246;rderma&#223;nahme SPRINT weiterzuentwickeln, um den neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern eine bestm&#246;gliche F&#246;rderung an einer Realschule anzubieten und ihren &#220;bergang in den Regelunterricht zu unterst&#252;tzen (detailliertere Beschreibung des Evaluationskonzeptes siehe <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak et al. 2023</xref>). Die politischen Entscheidungstr&#228;gerinnen und Entscheidungstr&#228;ger wurden mithilfe von Zwischenberichten stetig &#252;ber die Ergebnisse dieser fortlaufenden Fremdevaluation informiert.</p>
<p>Zu dem Zeitpunkt der Evaluation wurden neu zugewanderte Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler der Sekundarstufe I in Bayern in der Regel in eine Vorbereitungsklasse (sog. Deutschklasse, ehemalige &#220;bergangsklasse) an einer Mittelschule<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> aufgenommen. W&#228;hrend die Mittelschule st&#228;rker auf praktische F&#228;higkeiten und Berufsvorbereitung ausgerichtet ist und flexiblere Bildungswege bietet, bereitet die Realschule auf anspruchsvollere berufliche Ausbildungen vor und vermittelt eine breite, theoretische Bildung<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref>. Um das Potenzial besonders leistungsstarker neu zugewanderter Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit unzureichenden Deutschkenntnissen der 6. und 7. Jahrgangsstufe gezielt zu f&#246;rdern und ihnen den Erwerb eines Realschulabschlusses zu erm&#246;glichen, wurde an 17 bayerischen Realschulen die F&#246;rderma&#223;nahme SPRINT implementiert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">BRN 2023</xref>). Dieses Sprachbildungsangebot zielt darauf ab, die sprachlichen Kompetenzen der Jugendlichen in Deutsch zu st&#228;rken und sie schrittweise auf den regul&#228;ren Schulalltag an einer Realschule vorzubereiten.</p>
<p>Das zugrunde liegende SPRINT-F&#246;rderkonzept sieht vor, dass ausgew&#228;hlte Kinder und Jugendliche, die zuvor bereits eine Deutschklasse an einer bayerischen Mittelschule besuchten, im ersten Halbjahr eine intensive F&#246;rderung im Bereich des Deutschen als Zweitsprache an einer Realschule erhalten. Von insgesamt 42 Unterrichtsstunden pro Woche entfallen 34 auf handlungsorientiert ausgerichtete Spracharbeit, die in kleineren SPRINT-Klassen (bis zu 15 Lernenden) angeboten wird (s. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1: A1</xref>). Hier werden die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zudem in den F&#228;chern Mathematik und Englisch unterrichtet. Den Unterricht in der SPRINT-Klasse &#252;bernehmen an einem Standort im Durchschnitt vier Lehrkr&#228;fte, die ihn je nach inhaltlichem und organisatorischem Konzept der jeweiligen Schule aufteilen. Um den Integrationsprozess zu unterst&#252;tzen, werden die Neuzugewanderten von Beginn an einer Stamm- bzw. Regelklasse zugeordnet. Gemeinsam mit dieser besuchen sie den Unterricht in praktisch ausgelegten F&#228;chern wie Kunst/Werken, Musik oder Sport (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">BRN 2023</xref>). Diese Phase dient dazu, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler gezielt auf die Anforderungen des Regelunterrichts vorzubereiten. Von der 13. bis zur 18. Woche sieht das SPRINT-Konzept einen sukzessiven &#220;bergang in die anderen F&#228;cher der Stammklasse vor. Diese Integration findet flexibel, ausgerichtet an den individuellen Potenzialen der Lernenden in Bezug auf ihre fachlichen und sprachlichen Kompetenzen statt. Die SPRINT-Lehrkr&#228;fte k&#246;nnen in dieser Phase unterst&#252;tzend im Regelunterricht eingesetzt werden. Am Nachmittag findet laut dem Konzept additive DaZ-F&#246;rderung im Einzel- oder Kleingruppenunterricht statt. Insgesamt verfolgt das F&#246;rderprogramm das Ziel, den schulischen Erfolg und die Integration der neu zugewanderten Jugendlichen in das deutsche Bildungssystem nachhaltig zu sichern.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Untersuchungsdesign</title>
<p>Die vorliegende sekund&#228;re Datenanalyse f&#252;r diesen Beitrag basiert auf moderierten Gruppendiskussionen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Krell/Lamnek 2024</xref>) von drei Fokusgruppen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">B&#228;r/Kasberg/Geers/Clar 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B29">M&#228;der 2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B39">Przyborski/Riegler 2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B40">Przyborski/Wohlrab-Sahr 2021</xref>), die im Rahmen des ForEST-Projekts erhoben wurden. In dem Projekt wurden auch andere Daten erfasst, unter anderem sprachlernbiografische Daten der Lernenden und ihre sprachlichen Kompetenzen im Deutschen (ausf&#252;hrlich zum Evaluationskonzept s. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak/Lotter/Winter 2023</xref>). Da diese jedoch f&#252;r die in diesem Beitrag fokussierten Fragestellungen nicht relevant sind, werden sie hier nicht thematisiert.</p>
<p>Das gew&#228;hlte Gruppenverfahren ist f&#252;r formative Evaluationen besonderes geeignet, da es die Bewertung einer Ma&#223;nahme aus der Perspektive verschiedener Beteiligter und somit die Identifikation von St&#228;rken und Schw&#228;chen im Programmverlauf erm&#246;glicht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Krell/Lamnek 2024: 394</xref>). Die Aussagen der Gruppenmitglieder werden als Gruppenmeinung erfasst (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B36">Morgan 2006</xref>). W&#228;hrend zu der ersten Fokusgruppe Lehrkr&#228;fte (insgesamt 73 Gruppeninterviews) geh&#246;ren, die aktiv an der SPRINT-F&#246;rderma&#223;nahme beteiligt waren, bilden die SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die zum Erhebungszeitpunkt an der F&#246;rderma&#223;nahme teilnahmen, die zweite Fokusgruppe (insgesamt 344 Gruppeninterviews). Die Diskussionen mit den beiden Fokusgruppen fanden w&#228;hrend des dreij&#228;hrigen Erhebungszeitraums an 17 bayerischen Realschulen zu zwei festgelegten Zeitpunkten statt: jeweils zum Schulhalbjahr und zum Schuljahresende. Alle Fokusgruppen umfassen durchschnittlich vier bis sechs Teilnehmende, wobei sich die Zusammensetzung der Fokusgruppen zu den beiden Erhebungszeitpunkten innerhalb eines jeden Schuljahres ver&#228;nderte. Die dritte Fokusgruppe besteht aus 24 ehemaligen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern (vier Gruppeninterviews), die im Schuljahr 2018/2019 zum Schulhalbjahr r&#252;ckblickend befragt wurden (s. <xref ref-type="table" rid="T1">Tab. 1</xref>). Die interviewten ehemaligen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben bereits die F&#246;rderma&#223;nahme SPRINT erfolgreich absolviert und besuchten die Realschulen.</p>
<table-wrap id="T1">
<caption>
<p>Tab. 1: Zusammenstellung der Fokusgruppen</p>
</caption>
<table>
<tr>
<th align="left" valign="top">Fokusgruppe</th>
<th align="left" valign="top">Fokusgruppe 1</th>
<th align="left" valign="top">Fokusgruppe 2</th>
<th align="left" valign="top">Fokusgruppe 3</th>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>interviewte Personen</bold></td>
<td align="left" valign="top">Lehrkr&#228;fte</td>
<td align="left" valign="top">SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler</td>
<td align="left" valign="top">ehemalige SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Erhebungszeitraum</bold></td>
<td align="left" valign="top">je zum Schulhalbjahr und zum Schuljahresende 2016/17, 2017/18, 2018/19</td>
<td align="left" valign="top">je zum Schulhalbjahr und zum Schuljahresende 2016/17, 2017/18, 2018/19</td>
<td align="left" valign="top">zu Schuljahresende 2018/19</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Anzahl der teilnehmenden Schulen</bold></td>
<td align="left" valign="top">17</td>
<td align="left" valign="top">17</td>
<td align="left" valign="top">4</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Gesamtzahl der Interviews</bold></td>
<td align="left" valign="top">73</td>
<td align="left" valign="top">344</td>
<td align="left" valign="top">4</td>
</tr>
</table>
</table-wrap>
<p>Die Fokusgruppendiskussionen wurden durch vorbereitete, offene Leitfragen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B27">Lamnek 2008</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B20">Hussy 2013</xref>) strukturiert, um sowohl die St&#228;rken als auch die Schw&#228;chen der SPRINT-Ma&#223;nahme zu identifizieren. Die Fragen umfassten Themen wie die Wahrnehmung des Lernverhaltens und der Lernpotenziale der SPRINT-Lernenden, die Unterrichtsgestaltung, organisatorische Rahmenbedingungen, den schulinternen und -externen Austausch sowie die Gesamteinsch&#228;tzung des Projekts. Erg&#228;nzend dazu wurden in der ersten Fokusgruppe auch eigene Verbesserungsvorschl&#228;ge der Lehrkr&#228;fte und die Elternarbeit thematisiert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Michalak et al. 2018</xref>). Der Moderationsstil war relativ direktiv, das Vorgehen lie&#223; aber gleichwohl ausreichend Raum und Zeit f&#252;r eigene Schwerpunktsetzungen der Teilnehmenden und Bez&#252;ge untereinander. Alle Befragungen erfolgten auf freiwilliger Basis.</p>
<p>Die Diskussionen, die zwischen 25 und 50 Minuten dauerten, wurden als digitale Audiodateien aufgezeichnet und anschlie&#223;end in Anlehnung an die Gespr&#228;chsanalytische Transkription (GAT) mittels eines Regelwerks anonymisiert transkribiert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B45">Selting et al. 2009</xref>). Die Kodierung der transkribierten Daten erfolgte mit der Software MAXQDA. F&#252;r die Auswertung wurde die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Kuckartz/R&#228;diker 2022</xref>) angewendet, wobei eine Auswertung inhaltlich und themenorientiert anhand der Herausbildung von Ober- und Unterthemen vorgenommen wurde (s. Kap. 4). Bezogen auf die Fragestellungen des vorliegenden Beitrags wurden zwei Oberkategorien festgelegt: Auswahl der Lernenden f&#252;r die F&#246;rderma&#223;nahme SPRINT sowie Modelle des &#220;bergangs in den Regelunterricht. In einem n&#228;chsten Schritt wurden innerhalb der ersten Oberkategorie g&#252;nstige Rahmenbedingungen f&#252;r die Aufnahme in die F&#246;rderma&#223;nahme identifiziert, zu denen Transparenz der Auswahlkriterien, Austausch unter den Lehrkr&#228;ften sowie die Wahrnehmung der Heterogenit&#228;t geh&#246;ren. F&#252;r die zweite Oberkategorie wurden auf der Grundlage der Lehrkr&#228;fteinterviews verschiedene Umsetzungsl&#246;sungen erarbeitet, die eine Zuordnung der Beschulungsmodelle an allen Standorten und damit eine Ausdifferenzierung der Unterkategorien erm&#246;glichen (s. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>). Auch hierbei wurden wesentliche Rahmenbedingungen bzw. Gelingensfaktoren f&#252;r die F&#246;rderung als Unterkategorien definiert: Anpassung des Konzeptes an die Ressourcen vor Ort, Absprachen zwischen den Lehrkr&#228;ften, Differenzierung, F&#246;rderung sozialer Aspekte, potenzialorientierte Ausgestaltung des &#220;bergangs in den Regelunterricht.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4 Ergebnisse</title>
<p>Bei der Darstellung der Ergebnisse wird zuerst auf das Ausgangskonzept der F&#246;rderma&#223;nahme SPRINT Bezug genommen, bevor anhand der Interviews ausgearbeitete Modifikationen dargestellt und ausgew&#228;hlte Aspekte mit exemplarischen Aussagen der Neuzugewanderten und der Lehrkr&#228;fte aus den Interviews belegt werden.</p>
<sec>
<title>4.1 Auswahl der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler f&#252;r die F&#246;rderung</title>
<p>Die Voraussetzung f&#252;r die Teilnahme an dem F&#246;rderangebot SPRINT an einer bayerischen Realschule ist der Besuch einer Deutschklasse an einer Mittelschule. Eine entscheidende Rolle bei der Auswahl der Lernenden spielen die in den Deutschklassen betreuenden Lehrkr&#228;fte der jeweiligen Mittelschule, indem sie die geeigneten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zur weiteren Beschulung an einer Realschule empfehlen. Die Bef&#252;rwortung der Teilnahme an der F&#246;rderma&#223;nahme SPRINT erfolgt auf der Grundlage einer kriteriengeleiteten Beobachtung. Hierf&#252;r erarbeitete die Dienststelle des Ministerialbeauftragten f&#252;r die Realschulen in Mittelfranken in Kooperation mit den Mittelschullehrkr&#228;ften einen Kriterienkatalog, der auf dem Erfahrungsschatz der Lehrkr&#228;fte fu&#223;t und eine Orientierung f&#252;r die Einsch&#228;tzung der Entwicklungspotenziale der Lernenden bietet (s. <xref ref-type="table" rid="T2">Tab. 2</xref>). Im Vordergrund stehen hierbei kognitive Kompetenzen, die u.a. die F&#228;higkeiten zum probleml&#246;senden Denken, zur Kategorisierung und Transferf&#228;higkeiten umfassen. Zudem beobachten die Lehrkr&#228;fte, wie schnell die Teilnehmenden einen Lernfortschritt erreichen. In die Betrachtung flie&#223;en auch die sozialen Kompetenzen wie beispielsweise die Mitwirkung an Gruppenarbeiten, die Hilfsbereitschaft oder das Befolgen von Vorgaben ein. Des Weiteren werden die Selbstkompetenz sowie das Lernverhalten der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler eingesch&#228;tzt. Evaluiert werden u.a. ihre Leistungsbereitschaft und das Durchhalteverm&#246;gen sowie ihre Reflexionsf&#228;higkeiten im Lernprozess. Ebenso stehen das Lernen miteinander, die Hilfsbereitschaft und die Empathief&#228;higkeit, die als soziale Kompetenz erfasst werden, im Fokus der Betrachtung.</p>
<p>F&#252;r die Auswahl der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die f&#252;r die Teilnahme an der F&#246;rderma&#223;nahme und f&#252;r den &#220;bergang an eine Realschule empfohlen werden, sieht das SPRINT-Konzept keinen Sprachtest bzw. den Einsatz keiner standardisierten Diagnoseverfahren vor. Auch eine Zuordnung der Deutschkenntnisse zu einem konkreten sprachlichen Niveau, beispielsweise in Anlehnung an den Gemeinsamen europ&#228;ischen Referenzrahmen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Europarat 2001</xref>), der zwar die DaZ-Spezifik nicht ber&#252;cksichtigt, an dem sich aber die meisten im DaZ-Kontext eingesetzten Lehrwerke orientieren, findet laut dem vorliegenden Konzept nicht statt. Die Einsch&#228;tzung der sprachlichen Kompetenzen im Deutschen, die mithilfe der im SPRINT erarbeiteten Kriterien erfolgt (s. <xref ref-type="table" rid="T2">Tab. 2</xref>), bezieht sich vielmehr auf das autonome sprachliche Handeln und schlie&#223;t die Anwendung von Kommunikations- und Erschlie&#223;ungsstrategien ein. F&#252;r die Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten, deren erfolgreiche Laufbahn an einer Realschule prognostiziert werden soll, ist die Einsch&#228;tzung ihrer Lernfortschritte sowie ihrer Ressourcen entscheidend, die ihnen eine z&#252;gige Entwicklung in der Aneignung der Zielsprache Deutsch erm&#246;glichen (s. <xref ref-type="table" rid="T2">Tab. 2</xref>).</p>
<table-wrap id="T2">
<caption>
<p>Tab. 2: Die im Rahmen des Konzeptes zusammengestellten Kriterien der Beobachtung f&#252;r die Auswahl der neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler f&#252;r die F&#246;rderma&#223;nahme SPRINT (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Michalak/Grimm/Lotter 2018: 127</xref>)</p>
</caption>
<table>
<tr>
<th align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></th>
<th align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></th>
<th align="center" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">trifft voll zu</th>
<th align="center" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></th>
<th align="center" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></th>
<th align="center" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">trifft nicht zu</th>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" rowspan="6"><bold>Kognitive Kompetenz</bold></td>
<td align="left" valign="top">1. Der Sch&#252;ler kann neue Inhalte rasch erfassen.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">2. Der Sch&#252;ler kann probleml&#246;send denken.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">3. Der Sch&#252;ler besitzt die F&#228;higkeit zur Mustererkennung.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">4. Der Sch&#252;ler besitzt die F&#228;higkeit zur Kategorisierung.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">5. Der Sch&#252;ler kann Transferleistung erbringen.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">6. Der Sch&#252;ler zeigt einen raschen Lernzuwachs.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" rowspan="6" style="background-color:#f2f2f2;"><bold>Selbst-kompetenz/Lernverhalten</bold></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">1. Der Sch&#252;ler hat die F&#228;higkeit zur Selbstorganisation.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">2. Der Sch&#252;ler zeigt ein angemessenes Auffassungsverm&#246;gen.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">3. Der Sch&#252;ler hat eine hohe Leistungsbereitschaft.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">4. Der Sch&#252;ler zeigt Durchhalteverm&#246;gen und Ausdauer beim Lernen.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">5. Der Sch&#252;ler zeigt eine hohe Frustrationsgrenze.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">6. Der Sch&#252;ler reflektiert selbstkritisch sein Verhalten im Lernprozess.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" rowspan="5"><bold>Sprachliche Kompetenz</bold></td>
<td align="left" valign="top">1. Der Sch&#252;ler kann im pers&#246;nlichen Dialog effektiv kommunizieren.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">2. Der Sch&#252;ler kann mit Hilfe kommunikativer Strategien fehlende Lexik &#252;berbr&#252;cken.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">3. Der Sch&#252;ler kann einfachere Inhalte aus Gespr&#228;chen und Texten entnehmen.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">4. Dem Sch&#252;ler gelingt eine gute Aussprache und Akzentuierung des Deutschen.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">5. Der Sch&#252;ler kann einfachere Inhalte so wiedergeben, dass der Inhalt verst&#228;ndlich wird.</td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
<td align="left" valign="top"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" rowspan="5" style="background-color:#f2f2f2;"><bold>Soziale Kompetenz</bold></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">1. Der Sch&#252;ler f&#252;gt sich problemlos in Gemeinschaften ein.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">2. Der Sch&#252;ler ist hilfsbereit und zeigt Empathie.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">3. Der Sch&#252;ler kann aktiv und selbstst&#228;ndig in Gruppenarbeiten mitwirken.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">4. Der Sch&#252;ler h&#228;lt Vereinbarungen/ Vorgaben ein.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;">5. Der Sch&#252;ler ist f&#228;hig mit Kritik umzugehen.</td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#f2f2f2;"></td>
</tr>
</table>
</table-wrap>
<p>Nach der Pilotierungsphase der F&#246;rderma&#223;nahmen im Schuljahr 2015/16 wurde der Kriterienkatalog um die Einsch&#228;tzung der fachlichen Vorkenntnisse der neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in den F&#228;chern Mathematik und Englisch erweitert. Diese Entscheidung lag darin begr&#252;ndet, dass die Fachleistungen der Kandidatinnen und Kandidaten in einigen F&#228;llen dem Anforderungsniveau an einer Realschule nicht entsprachen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Michalak et al. 2018: 126</xref>).</p>
<p>Aus der Analyse der Fokusgruppeninterviews geht hervor, dass die Realschullehrkr&#228;fte das Auswahlverfahren als bew&#228;hrt betrachten und sich auf die Einsch&#228;tzung der Mittelschullehrkr&#228;fte verlassen: &#8222;Dann muss man den Mittelschulen dann schon vertrauen, dass die des einsch&#228;tzen k&#246;nnen.&#8220; (2b11L_62461, Pos. 3). Entscheidend hierbei ist es zum einen, dass die Auswahlkriterien allen Lehrkr&#228;ften bekannt sind. Dies war gerade zu Beginn der F&#246;rderma&#223;nahme im ersten Evaluationsjahr nicht immer der Fall, wurde aber nach der ersten Evaluationsphase optimiert. Zum anderen zeigt sich, dass der enge Austausch zwischen den SPRINT- und Mittelschullehrkr&#228;ften sowie die Hospitationen der Realschullehrkr&#228;fte an den kooperierenden Mittelschulen in einer Deutschklasse die Vertrauensbasis f&#252;r die getroffenen Entscheidungen bilden:</p>
<disp-quote>
<p>Also wir ham ja unsere Sch&#252;ler praktisch auch in nem &#220;bergangsklassenumfeld gesehen und &#8211; also kann ich mich noch sehr gut dran erinnern. Des war auch klar, da ham die schon die richtige Wahl getroffen. Also die richtige Vorauswahl. Das hat sich auch an einem Tag schon gezeigt. (2b25 L_75752, Pos. 2)</p>
</disp-quote>
<p>Nach Kooperationen wird gezielt gesucht, um gemeinsam intensiv &#252;ber Bildungswege zu beraten. Leitend ist hierbei ein ganzheitlicher Blick auf die Potenziale der einzelnen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler: &#8222;Wir diskutieren ja oder haben diskutiert ob (&#8230;) [ein Sch&#252;ler] f&#252;rs Gymnasium sogar [geeignet ist] und dann sollte der nicht mal bei uns landen.&#8220; (3c13L_83945, Pos. 258&#8211;261).</p>
<p>Die festgelegten Auswahlkriterien werden von den interviewten Lehrkr&#228;ften im Laufe der F&#246;rderma&#223;nahme nicht in Frage gestellt. So erkennen sie selbst, dass das aktuelle Sprachniveau nicht unbedingt aussagekr&#228;ftig ist, um den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern die Teilnahme an dem F&#246;rderangebot zuzutrauen. Sie best&#228;tigen, dass das Arbeitsverhalten und der schnelle Lernzuwachs eine gute Orientierung bieten: &#8222;Ich habe jetzt [&#8230;] von den Noten her kein Bild. Aber ich habe zum Beispiel bei dem einen Sch&#252;ler [&#8230;] gedacht: Oh Gott, der kann ja noch fast gar nichts. Aber dann habe ich erfahren, dass der erst seit neun Monaten in Deutschland ist.&#8220; (GI 2: Pos. 253).</p>
<p>Die Lehrkr&#228;fte nehmen die gro&#223;e Heterogenit&#228;t der Sch&#252;lerschaft in jeder Hinsicht wahr. Die Vielfalt bezieht sich beispielsweise auf die fachlichen und sprachlichen Kompetenzen:</p>
<disp-quote>
<p>Des ist wieder von [&#8230;] Sprintsch&#252;ler zu Sprintsch&#252;ler unterschiedlich. Ich hab eine Sch&#252;lerin, &#228;hm die tr&#228;gt bei mir den Unterricht. Die ist schriftlich also auch, ich hab gestern ne Stegreifaufgabe geschrieben, da warn auch textlastige Aufgaben und da hat sie die Musterl&#246;sung dazu hingeschrieben. Und dann gibts andere, die=die denen sieht man schon w&#228;hrend dem L&#246;sen an, dass sie das grad nicht verstehen. Und also das ist ja, Heterogenit&#228;t. (3b27L_50897, Pos. 81)</p>
</disp-quote>
<p>Auch Unterschiede hinsichtlich des Arbeits- bzw. Lerntempos werden ber&#252;cksichtigt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Michalak/Ulrich 2024</xref>). So sprechen die Lehrkr&#228;fte &#8222;von [&#8230;] einer Sch&#252;lerin, die fast ne ganze DINA4-Seite beschrieben hat, von eben in derselben Zeit einem Sch&#252;ler, der vier, f&#252;nf Zeilen schafft&#8220; (1b17L_18892, Pos. 284&#8211;286). Von Anfang an nehmen die Lehrpersonen wahr, &#8222;welche Sch&#252;ler da mehr Potenzial einfach schon mitbringen und auch mehr Ehrgeiz und mehr; ja wo a bissl mehr Power auch dahinter is und wos Schw&#228;chen gibt.&#8220; (2b15L_16474, Pos. 15). Die Lehrkr&#228;fte weisen jedoch darauf hin, dass die Lernenden diese Heterogenit&#228;t bzw. die Leistungsunterschiede innerhalb der SPRINT-Klasse nicht immer als motivierend erleben:</p>
<disp-quote>
<p>Sie haben nat&#252;rlich jetzt speziell auch den Vergleich untereinander, dass die dann sehen: Oh, die kann das viel besser und ich bin so schlecht, ich trau mich das nicht. Ich glaub, dass sie das selber nicht so motiviert. Aber allgemein kann man sagen, dass sie alle versuchen und wollen. (1b18L_20607, Pos. 25)</p>
</disp-quote>
<p>Die Wahrnehmung der divergierenden Kompetenzen bei den Mitsch&#252;lerinnen und Mitsch&#252;lern best&#228;tigen auch die Jugendlichen selbst. In den Gruppeninterviews merken sie den Unterschied bei der Arbeit in einer SPRINT-Klasse in Leistung, Intensit&#228;t und Tempo im Vergleich zu einer Deutschklasse, in der &#8222;haben wir nicht so viel gelernt und wir haben nicht so wichtige Sachen, Sachen wie hier gelernt und hier lernen wir intensiver sozusagen&#8220; (1d13G_38462, Pos. 20). Es zeigt sich, dass gerade der starke Fokus auf Deutsch in einer Vorbereitungsklasse als intensiv empfunden, daf&#252;r aber das fachliche Lernen vermisst wird: &#8222;In meinem Fall. wir haben ziemlich intensiv Deutsch gelernt, aber andere F&#228;cher waren irgendwie gelassen.&#8220; (1d13G_38462, Pos. 21). Obwohl die SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler die Heterogenit&#228;t innerhalb ihrer Gruppe wahrnehmen, &#228;u&#223;ern sie sich in den Gruppeninterviews nicht zu dem Auswahlverfahren und zu den Auswahlkriterien f&#252;r das F&#246;rderprogramm.</p>
<p>Die ehemaligen SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler als dritte Fokusgruppe reflektieren r&#252;ckblickend, dass die erste Zeit in der F&#246;rderma&#223;nahme herausfordernd war: &#8222;Also am Anfang wars schon bisschen schwierig so mitzukomm, aber danach gings.&#8220; (E_98733, Pos. 1). Die Aufnahme in SPRINT und die dem Auswahlverfahren zugrunde gelegten Kriterien werden aber auch von dieser Fokusgruppe nicht diskutiert.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Ankommen im Regelunterricht</title>
<p>Nach einer intensiven Sprachf&#246;rderung in Deutsch als Zweitsprache erfolgt gem&#228;&#223; dem SPRINT-Konzept schrittweise der &#220;bergang in die Regelklasse der jeweiligen Realschule.</p>
<p>Das <bold>Basismodell SPRINT-&#220;bergang</bold> (s. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>), das dem teilintegrativen Modell entspricht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Fuchs et al. 2017</xref>, s. auch Kap. 2), bildet den Ausgangspunkt f&#252;r die strukturelle Ausdifferenzierung f&#252;r alle an dem Projekt teilnehmenden Schulen (s. Kap. 3.1). Nach einer intensiven F&#246;rderung in der SPRINT-Klasse im ersten Halbjahr wird die Teilnahme an dem Regelunterricht schrittweise auf alle F&#228;cher ausgedehnt. Dieser &#220;bergang, der an die Kompetenzen der Lernenden angepasst werden sollte, findet nicht zu einem festen Zeitpunkt statt, sondern kann nach einem offenen Konzept von den Beteiligten gestaltet werden. In der Praxis lassen sich demnach verschiedene &#220;bergangsmodelle unterscheiden (s. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>). Im zweiten Schulhalbjahr wird am Nachmittag zus&#228;tzlich eine differenzierte F&#246;rderung im SPRINT-Klassenverband angeboten, die Hausaufgabenbetreuung, fachliche und (fach-)sprachliche F&#246;rderung als Vor- und Nachbereitung des Regelunterrichts umfasst.</p>
<p>Bei der Auswertung der Lehrkr&#228;fteinterviews wurden insgesamt vier Grundtypen dieses teilintegrativen Modells identifiziert (s. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>):</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: &#220;bersicht Beschulungsmodelle (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak et al. 2023: 51</xref>)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4158_michalak-g1.png"/>
</fig>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Das <bold>Basismodell SPRINT-&#220;bergang (A)</bold> entspricht dem im Konzept vorgesehen Modell. Dieses wird in der Praxis an verschiedenen Standorten insofern modifiziert, dass das zweite Halbjahr unterschiedlich ausgestaltet wird. Hierbei wird die Verzahnung zwischen der sprachlichen F&#246;rderung in der SPRINT-Klasse (Vorbereitungsklasse) und der F&#246;rderung im Regelunterricht dadurch gew&#228;hrleistet, dass in den Beschulungsmodellen A2, A3 und A4 die Lernenden im Regelunterricht zus&#228;tzlich von einer zweiten Lehrkraft begleitet werden. W&#228;hrend eine Lehrkraft die Unterrichtsverantwortung &#252;bernimmt, werden die SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler von einer SPRINT-Lehrkraft, die sie im ersten Halbjahr bei der Sprachf&#246;rderung betreut hat und ihre Lernpotenziale bereits gut kennt, unterst&#252;tzt. In der Variante A3 wird das Prinzip der zwei Lehrkr&#228;fte auf die Nachmittagsf&#246;rderung ausgeweitet, indem die Lehrkr&#228;fte die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler differenzierend bei selbst&#228;ndigem Arbeiten begleiten. In dem Beschulungsmodell A4, das an den Schulen am h&#228;ufigsten eingef&#252;hrt wird, erhalten einzelne oder mehrere SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler eine differenzierte additive F&#246;rderung, wof&#252;r sie aus dem Regelunterricht punktuell herausgenommen werden.</p></list-item>
<list-item><p>Im <bold>Beschulungsmodell Sp&#228;terer SPRINT-&#220;bergang (B)</bold> nehmen die Neuzugewanderten im ersten Halbjahr nicht am Regelunterricht teil, sondern erhalten ihre F&#246;rderung ausschlie&#223;lich in der SPRINT-Klasse. Anschlie&#223;end erfolgt aber &#8211; wie im Basismodell &#8211; ein sukzessiver &#220;bergang in die Regelklasse, der sich an den individuellen Potenzialen und Bed&#252;rfnissen der Jugendlichen richtet. Werden die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in den Regelunterricht aufgenommen, erhalten sie hier im zweiten Schulhabjahr der F&#246;rderma&#223;nahme zus&#228;tzlich die Unterst&#252;tzung seitens einer SPRINT-Lehrkraft.</p></list-item>
<list-item><p>Beim <bold>Basismodell Schnellstart (C)</bold> werden die neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler im ersten Halbjahr innerhalb des SPRINT-Klassenverbandes intensiv in der Zielsprache Deutsch gef&#246;rdert, nehmen aber bereits an einzelnen Stunden des Fachunterrichts innerhalb der Regelklasse teil. Der &#220;bergang in die Regelklasse wird erst mit Beginn des zweiten Halbjahres f&#252;r alle Jugendlichen vollzogen. Die angebotene Unterst&#252;tzung variiert: Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden in der SPRINT- und in der Regelklasse im Teamteaching unterrichtet (Variante C2) oder erhalten im zweiten Halbjahr additiven F&#246;rderunterricht (Variante C3) oder die Lernenden nehmen von Anfang an am Regelunterricht in den einzelnen F&#228;chern mit der Regelklasse teil und werden zudem im SPRINT-Klassenverband sprachlich gef&#246;rdert (Variante C4).</p></list-item>
<list-item><p>Die <bold>Sonderform (D)</bold> weicht von dem urspr&#252;nglichen Konzept insofern ab, dass die Zielgruppe von Schuljahresanfang an in den Regelunterricht in den von den Schulen ausgew&#228;hlten F&#228;chern integriert ist, im ersten Halbjahr aber zugleich eine intensive Sprachf&#246;rderung im Deutschen innerhalb des SPRINT-Klassenverbandes erh&#228;lt. In dieser Phase besuchen die neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler am Nachmittag gemeinsam mit Lernenden der Regelklasse die von ihnen gew&#228;hlten Wahlf&#228;cher. Alle SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden zu dem gleichen Zeitpunkt zu Beginn des zweiten Halbjahres in die Regelklasse aufgenommen und nehmen am Regelunterricht in allen F&#228;chern teil. Zus&#228;tzlich wird ihnen F&#246;rderung im additiven DaZ-Unterricht angeboten, wof&#252;r sie punktuell aus dem Regelunterricht herausgenommen werden. Nachmittags k&#246;nnen die Lernenden das Angebot der Offenen Ganztagsschule in Anspruch nehmen.</p></list-item>
</list>
<p>Im ersten Schuljahr, in dem SPRINT eingef&#252;hrt wurde, zeigt sich, dass die Lehrkr&#228;fte das grundlegende Konzept an ihre Vorstellungen und p&#228;dagogische Ressourcen anpassen. Dies betrifft u.a. die inhaltliche Einteilung der Sprachf&#246;rderung unter den Lehrkr&#228;ften im ersten Halbjahr. Diese Einteilung erfolgt an jedem Standort anders, indem die Lehrkr&#228;fte z.B. die Schulung unterschiedlicher sprachlicher Fertigkeiten &#252;bernehmen oder die Inhalte nach Kapiteln in einem Lehrwerk verteilen oder in den jeweiligen Stunden flexibel unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Entscheidend ist, dass die beteiligten Lehrkr&#228;fte Zeit und Erfahrung ben&#246;tigen, um auf die Herausforderungen zu reagieren und das Konzept zu &#8222;ihrem eigenen&#8220; zu machen: &#8222;(&#8230;) aber am Anfang hatten wir alle s Gef&#252;hl, wir fahrn da ohne Licht mitm Auto im Nebel.&#8220; (1b11L_97079, Pos. 386). SPRINT unterliegt demnach immer einer gewissen Dynamik.</p>
<p>Die Basis f&#252;r die Arbeit in allen identifizierten Beschulungsmodellen sind die nahezu t&#228;glichen Absprachen unter den Lehrkr&#228;ften im SPRINT. In einer gemeinsamen Besprechungsstunde tauschen sich die Lehrkr&#228;fte u.a. hinsichtlich der Unterrichtsplanung und -durchf&#252;hrung, des Leistungsniveaus, des Sozialverhaltens, schulischer Entwicklungspotenziale oder der pers&#246;nlichen Lebensumst&#228;nde der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler aus. Die Lehrkr&#228;fte betonen ausdr&#252;cklich die Bedeutsamkeit der zeitlichen Ressourcen f&#252;r derartige Absprachen:</p>
<disp-quote>
<p>Wir ham eine gemeinsame Stunde, eine Besprechungsstunde und des is ganz hilfreich. Also wir besprechen immer, was nehmen wir gemeinsam wahr, wo differierts einfach, wo sag mer einfach naja da haperts noch, da h&#228;ngts noch, da machens Fortschritte, wie geh mer weiter mitm Material, wie geh mer mitm Stoff. (L_11263, Pos. 100)</p>
</disp-quote>
<p>Dieser Austausch darf allerdings nicht zuf&#228;llig erfolgen, sondern bedarf daf&#252;r vorgesehener Stunden, die regelm&#228;&#223;ig stattfinden:</p>
<disp-quote>
<p>Also wir haben im Stundenplan festgelegt eine Stunde die Woche, wo wir Besprechungs-Jour-Fixe haben und uns absprechen grob, welche Termine eben anstehen, welche Dinge zu organisieren sind in der Klasse bez&#252;glich der Sch&#252;ler oder eben auch, wer stofflich wie weit ist, welche Themen aufgeteilt werden damit nich jeder an der gleichen Grammatikbaustelle arbeitet. (1b19L_84477, Pos. 42&#8211;43)</p>
</disp-quote>
<p>Essenziell f&#252;r das Ankommen im Regelunterricht sind die Orientierung an den Potenzialen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler und die positive Einstellung der Lehrkr&#228;fte: &#8222;Ich sehe da Potenzial, Potenzial ist da. Also auch und also ich hab halt nur die F&#228;cher Mathematik, ich hab halt viel auch gemacht, um=um die in die Klasse zu integrieren. Und &#228;h es is zum gro&#223;en Teil gelungen, ne?&#8220; (3b23L_28742, Pos. 14). So verwundert es nicht, dass die Lehrkr&#228;fte die M&#246;glichkeit der flexiblen Entscheidungen &#252;ber den &#220;bergang der Lernenden in den Regelunterricht sehr positiv empfinden: &#8222;Ich finds au ganz gut, dass man dann individueller bisschen mehr schauen kann und wirklich auch gezielt dann sagen kann, den schicken wa mal in Regelunterricht, den holn ma aus dem Unterricht raus.&#8220; (2c15L_74061, Pos. 89).</p>
<p>Die Schulen nutzen beinahe in jedem Modell die Offenheit des Konzeptes diesbez&#252;glich und treffen individuelle Entscheidungen &#252;ber die Integration von einzelnen SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern in den Regelunterricht. Um den Lernenden, ihren Voraussetzungen und Bed&#252;rfnissen gerecht zu werden, w&#228;hlen die Lehrkr&#228;fte unterschiedliche Differenzierungswege (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Michalak/Ulrich 2024</xref>). Hierbei profitieren die SPRINT- und Regelklasselehrkr&#228;fte u.a. von gemeinsam durchgef&#252;hrtem Unterricht, der einen gro&#223;en Beitrag zur Verzahnung der F&#246;rderung in einer Vorbereitungsklasse (hier: SPRINT-Klasse) mit dem Regelunterricht leistet. So betonen die SPRINT-Lehrkr&#228;fte, dass durch <italic>Co-Teaching</italic> die SPRINT-Sch&#252;lerinnen und -Sch&#252;ler im Regelunterricht &#8222;aufgefangen&#8220; werden k&#246;nnen. Die Unterst&#252;tzung bezieht sich nicht ausschlie&#223;lich auf sprachliche Hilfen und eine kleinschrittige Vorgehensweise bzw. wiederholte Erkl&#228;rung einer Aufgabenstellung, sondern schlie&#223;t auch motivationale Aspekte ein. In diesen F&#228;llen passen die Lehrkr&#228;fte ihr p&#228;dagogisches Handeln ad hoc an:</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>L1: Wir teachen da nicht so, wir sitzen einfach nur drin.</p></list-item>
<list-item><p>L2: Und beobachten sie und versuchen dann halt Hilfestellungen zu geben, aber das kann man wirklich nicht Teamteaching nennen.</p></list-item>
<list-item><p>L3: Ne- also das ist, wenn man merkt, dass die gedanklich abdriften oder gerade nicht mitkommen, dann stupst man sie nochmal an oder ermuntert sie, vor allen Dingen auch, hey, das wei&#223;t du doch, jetzt meld dich doch mal so aber. (2c17L_88995, Pos. 31&#8211;33)</p></list-item>
</list>
<p>Fachlehrkr&#228;fte berichten, dass sie durch Co-Teaching sprachlich sensibilisiert und unterst&#252;tzt werden:</p>
<disp-quote>
<p>Also ich fands am Anfang auch ganz gut, jemanden drin zu haben aus dem Deutschen, der mir dann auch gesagt hat &#8222;Du bist zu schnell&#8220; oder &#8222;Den Wortschatz haben se nicht&#8220;. Ich hab dann auch Leistungsnachweise geschrieben und die dann wirklich der Kollegin vorgelegt und gesagt &#8222;K&#246;nnen die das?&#8220; &#8222;Schaffen die das zu erlesen, verstehen die die Frage?&#8220;, denn das ist ja wieder Leseverst&#228;ndnis. Und das war f&#252;r mich dann wieder auch hilfreich, wenn ich das Feedback hatte &#8222;Ja, das k&#246;nnen sie&#8220; oder &#8222;Den Satz, den musste vielleicht k&#252;rzen. Nicht so viel (&#8230;) ich bin so&#180;n Freund von langen S&#228;tzen.&#8220; (&#8230;) Das fand ich auch hilfreich, wenn da mit jemand drin war und gesagt hat &#8222;Sprache reduzieren&#8220;. (GI 2: Pos. 323)</p>
</disp-quote>
<p>Deutlich wird auch, dass sich die F&#246;rderung nicht ausschlie&#223;lich auf die sprachliche Unterst&#252;tzung konzentriert, sondern viel breiter angelegt ist und auch die sozialen Aspekte und die Einbindung in die Schulgemeinschaft inkludiert. Hervorgehoben wird hierbei die Bedeutung gemeinsamer Vorhaben wie Skilager, Theatergang oder Projekttage, an denen die neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit der Stammklasse partizipieren. Die Lehrkr&#228;fte erkennen hierbei die ausschlaggebende Rolle der Kontakte mit Peers:</p>
<disp-quote>
<p>Ich hab sie [SPRINT-Lernende] auch mal gefragt, wie sie es beurteilen, woran sie ihren Fortschritt festmachen. Und sie meinten schon, dass das Sprechen untereinander und der Kontakt zu den Gleichgesinnten am meisten hilft. Klar, w&#228;re aus ihrer Sicht unser Unterricht schon unterst&#252;tzend, aber das, was sie zum Leben brauchen, passiert drau&#223;en oder mit den Klassenkameraden. (2b26L_52477, Pos. 190)</p>
</disp-quote>
<p>Auf der anderen Seite merken die Lehrkr&#228;fte an, dass eine F&#246;rderung in einer SPRINT-Klasse unverzichtbar ist, weil die Neuzugewanderten dadurch gezielter an den Regelunterricht herangef&#252;hrt werden k&#246;nnen: &#8222;Die Kinder die kommen, die f&#252;hln sich ganz anders abgeholt als wenn se jetzt einfach in a Klasse kommen. (---) Sie k&#246;nnen sich viel besser einstellen auf die ganze Gschichte und ja, wern da praktisch hingf&#252;hrt.&#8220; (L_63846, Pos. 263).</p>
<p>Die Fokusgruppe der SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler hebt in den Interviews den &#220;bergang in den Regelunterricht als eine besondere Schwelle hervor, obwohl die Teilnahme am Unterricht in allen F&#228;chern als motivierend erachtet wird: &#8222;Am Anfang war auch nicht so leicht, aber und dann ham wir gewusst, wir sind jetzt im Regelunterricht (&#8230;).&#8220; (2d12G_18434, Pos. 9).</p>
<p>Das SPRINT-Konzept sieht eine Ganztagsbeschulung vor, die von allen evaluierten Schulen umgesetzt wird. In den Augen der SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ist der t&#228;gliche zeitliche Umfang der F&#246;rderung zwar herausfordernd, sie erkennen aber ihren eigenen Lernprozess bezogen auf das Arbeits- und Lernverhalten:</p>
<disp-quote>
<p>(&#8230;) eigentlich hatten wir ja auch SPRINT und auch Regelklasse und dann wars viel f&#252;r uns und wir m&#252;ssen bis siebzehn Uhr in der Schule bleiben. (-) Und dann waren wir auch noch m&#252;de, m&#252;ssen Hausaufgaben machen, aber jetzt ist viel besser, weil wir haben auch gelernt, wie wir das machen sollen und ja. (3d22G_18342, Pos. 48)</p>
</disp-quote>
<p>Den &#220;bergang in die Regelklasse erachtet auch die dritte Fokusgruppe, d.h. die ehemaligen SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, als pr&#228;gend in ihrer schulischen Laufbahn:</p>
<disp-quote>
<p>Also am Anfang war es also relativ bisschen schwer also neue F&#228;cher also ham auch neue F&#228;cher dazu bekommen (--) und also die sind gar nicht leicht, also wir mussten alles nochmal lernen. Wir kamen also halbes Jahr da, da mussten wir auch das lernen, was die schon vor uns gem=gelernt haben (--) ja, es war schon schwer aber dann (--) hat schon geklappt. (E_27364, Pos. 2&#8211;3)</p>
</disp-quote>
<p>Sie berichten &#252;ber ihre Unsicherheiten in dieser Phase aufgrund ihrer noch ausbauf&#228;higen Deutschkenntnisse: &#8222;Man hatte Angst, dass man vielleicht ausgelacht wird&#8220; (E_45779, Pos. 68&#8211;72). Auf der anderen Seite sind sie davon &#252;berzeugt, dass der fr&#252;here &#220;bergang in den Regelunterricht f&#252;r manche Lernenden von Vorteil w&#228;re:</p>
<disp-quote>
<p>(&#8230;) ich finde, es gab auch Sprint-Sch&#252;ler, die besser warn als wir und ich finde, man k&#246;nnte eigentlich das so machen, dass manche Leute schon fr&#252;her in der Regel=Regelklasse schickt, also nur zum schauen, wie die=die das so machen, wenn es gar nicht funktioniert nat&#252;rlich, dann kann man das (--) lassen, aber es w&#228;re f&#252;r manchen echt besser gewesen, wenn sie schon fr&#252;her reingeschickt gewesen w&#228;ren. (E_76674, Pos. 72)</p>
</disp-quote>
<p>Die ehemaligen SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sehen die entscheidende Rolle der SPRINT-F&#246;rderung in ihrem Lernprozess, da sie es &#8222;gar nicht ohne Sprint h&#228;tten (&#8230;) es=das gema=geschafft.&#8220; (E_93743, Pos. 20). Hier trauen sie sich auch mehr: &#8222;Also bei in SPRINT, wenn wir was nicht verstanden ham, dann ham wir gefragt und dann wurde uns das erz&#228;hlt. (--) Aber in der regul&#228;re Klasse hat man nicht immer gefragt.&#8220; (E_45779, Pos. 68&#8211;72).</p>
<p>R&#252;ckblickend weisen alle ehemaligen SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in den Interviews darauf hin, dass die angebotene F&#246;rderung sehr hilfreich war. Durch SPRINT konnten sie eine bessere Ausgangslage im Regelunterricht erlangen und zudem zahlreiche Freundschaften schlie&#223;en:</p>
<disp-quote>
<p>Also ich finde das Projekt hat uns wirklich geholfen mit der Sprache, also wir haben uns verbessert und wir haben es nicht bemerkt, weil wir einfach jeden Tag auf Deutsch gesprochen haben, aber wir haben uns auf jeden Fall verbessert und das haben wir erst am Ende gemerkt und ich glaube es war ein sehr sch&#246;nes Jahr, weil wir sehr viele Freunde auf der Schule gefunden haben in der SPRINT und auch in den anderen Klassen und ich glaube, wir sind wirklich zusammengewachsen, also wir haben immer noch Freunde aus diesem Jahr, aus unserem Jahr, aus SPRINT. (E_26374, Pos. 51)</p>
</disp-quote>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5 Diskussion und Ausblick</title>
<p>In diesem Beitrag sind wir der Frage nachgegangen, wie das F&#246;rderkonzept SPRINT bezogen auf die Auswahl der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler (s. Kap. 4.1) sowie auf die etablierten Beschulungsmodelle (s. Vorbereitungsklasse, additive sowie inklusive F&#246;rderung) umgesetzt wird. Ausgehend von der vorliegenden Analyse k&#246;nnen einige Tendenzen hinsichtlich der Ausgestaltung der Unterst&#252;tzungsma&#223;nahme aufgezeigt werden.</p>
<sec>
<title>5.1 Identifizierung der Lernpotenziale</title>
<p>W&#228;hrend in der Forschungsliteratur sprachliche Kompetenzen von Neuzugewanderten in der Zielsprache als entscheidender Faktor f&#252;r den &#220;bertritt in den Regelunterricht gesehen werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Cinar/Hardy 2017: 115</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B41">Reichert/Rick/Gill/Marx 2020</xref>), legt das Auswahlverfahren im SPRINT-Konzept andere Schwerpunkte fest (FF1). Die Studie zeigt, dass f&#252;r die Entscheidung &#252;ber die Aufnahme in den Regelunterricht an einer Realschule ein breiterer Blick notwendig ist. Im SPRINT-Projekt wurden, ebenso wie in einigen anderen L&#228;ndern Europas (siehe Kap. 2, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Eurydice 2019</xref>), Kriterien zur Einsch&#228;tzung der Sozialkompetenz als relevant eingestuft. So werden nicht in erster Linie die sprachlichen Kompetenzen der neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler im Deutschen f&#252;r die weiteren Lernprozesse als ausschlaggebend erachtet, sondern vielmehr stellen ihr Arbeits- und Lernverhalten, ihre kognitiven und sozialen F&#228;higkeiten die Basis f&#252;r zukunftsorientierte Einsch&#228;tzungen dar. Wie die identifizierten Lernpotenziale in den einzelnen Kompetenzbereichen zusammenwirken sollen bzw. welche Bereiche f&#252;r die Aufnahme in die F&#246;rderma&#223;nahme entscheidend sind, konnte durch die Evaluation nicht ermittelt werden. Zwar werden auch einige wenige sprachliche Aspekte fokussiert, diese konzentrieren sich aber u.a. auf sprachliches Handeln und den Einsatz von Strategien. Weder eine Testung noch eine Zuordnung zu bestimmten sprachlichen Niveaus findet statt. Die erw&#228;hnten Entwicklungspotenziale der Lernenden werden vor der Aufnahme in die F&#246;rderma&#223;nahme SPRINT von den Lehrkr&#228;ften an den Mittelschulen mithilfe eines von ihnen entwickelten und auf ihren bisherigen Lehrerfahrungen basierenden Kriterienkatalogs festgestellt.</p>
<p>Die Vielfalt der Kompetenzen von neu zugewanderten Lernenden wird in SPRINT durch das Auswahlverfahren insofern potenziert, als dass an der F&#246;rderma&#223;nahme auch Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler teilnehmen, die zu Schuljahresanfang zwar noch &#252;ber geringe Deutschkenntnisse verf&#252;gen und nur kurz in einer Deutschklasse verweilt haben, bei denen aber die Mittelschullehrkr&#228;fte ihr Leistungsverm&#246;gen und ihre Entfaltungsm&#246;glichkeiten als vielversprechend werten. Die Aussagen der Fokusgruppe Lehrkr&#228;fte best&#228;tigen, dass dieses kriteriengeleitete Auswahlverfahren sich bew&#228;hrt hat: Die dem SPRINT-Konzept zugrunde liegenden Aufnahmekriterien haben sich als verl&#228;ssliche Pr&#228;diktoren f&#252;r den schulischen Erfolg von ausgew&#228;hlten Neuzugewanderten erwiesen, die ihren Bildungsweg in einer Realschule fortsetzen k&#246;nnen. Im Verlauf der F&#246;rderma&#223;nahme bauen die Lernenden ihre sprachlichen Kompetenzen deutlich aus und finden in der Realschule Anschluss (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak et al. 2023</xref>). Die Daten geben aber keine Hinweise darauf, ob durch derartige Auswahlstrategien einige Jugendliche mit &#228;hnlich gutem Lernpotenzial von den Mittelschullehrkr&#228;ften &#252;bersehen werden konnten.</p>
<p>Die Empfehlungen der Mittelschullehrkr&#228;fte werden als zutreffend wahrgenommen. Weder ihre Entscheidungen noch die festgesetzten Kriterien werden in Frage gestellt. Ma&#223;geblich tragen die Transparenz des Auswahlverfahrens sowie enge Kooperationen und der stetige Austausch zwischen den Mittelschullehrkr&#228;ften und den Lehrkr&#228;ften in SPRINT zum Erfolg bei (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Michalak/Lotter/Grimm 2020</xref>), was Vertrauen und zeitliches Engagement erfordert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Gr&#228;sel/Fu&#223;angel/Pr&#246;bstel 2006: 210</xref>).</p>
<p>In den Fokusgruppeninterviews formulieren die Lehrkr&#228;fte an keiner Stelle Anforderungen bez&#252;glich der Kompetenzen, &#252;ber die die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bei Eintritt in die Regelklasse verf&#252;gen sollten. Auch die ForEST-Daten zeigen keinen Anhaltspunkt daf&#252;r, dass die Lehrkr&#228;fte an den SPRINT-Schulen innerhalb eines Schuljahres der F&#246;rderma&#223;nahme selbst Sprachdiagnose mithilfe von g&#228;ngigen Diagnoseinstrumenten durchf&#252;hren, obwohl ihnen das gro&#223;e Spektrum der sprachlichen Kenntnisse und auch anderer F&#228;higkeiten der ausgew&#228;hlten Lernenden auffallen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak et al. 2023: 24&#8211;48</xref>). Diese Ergebnisse decken sich mit Beobachtungen von Reichert et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B41">2020</xref>), dass erreichte Kompetenzniveaus im Deutschen in den Vorbereitungsklassen nicht durchgehend attestiert werden. Die Lehrkr&#228;fte in SPRINT scheinen sich im schulischen Alltag vielmehr auf eigene Erfahrungen zu st&#252;tzen und die Entwicklungsverl&#228;ufe von Neuzugewanderten im Vergleich zu den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern in den Regelklassen einzusch&#228;tzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak et al. 2023: 95</xref>).</p>
<p>Die beiden Fokusgruppen der neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler thematisieren in den Interviews das Auswahlverfahren nicht. Dies ist damit zu begr&#252;nden, dass w&#228;hrend der Evaluation ausschlie&#223;lich Lernende befragt wurden, die an der F&#246;rderma&#223;nahme teilnahmen, d.h. das Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen haben. Sie nehmen aber zum einen die gro&#223;e Heterogenit&#228;t der SPRINT-Gruppe wahr. Zum anderen empfinden sie den Unterricht zu Beginn der SPRINT-F&#246;rderma&#223;nahme als intensiv und herausfordernd aufgrund der sprachlichen Anforderungen, aber sie bemerken auch, dass sie sich im Laufe der Zeit Strategien aneignen, mit derartigen Herausforderungen umzugehen. So scheint gerade die Anfangsphase an einer neuen Schule f&#252;r das Ankommen entscheidend, worauf bereits Montanari (<xref ref-type="bibr" rid="B35">2017</xref>) verwies.</p>
</sec>
<sec>
<title>5.2 Umsetzung des F&#246;rderkonzeptes</title>
<p>Das organisatorisch-didaktische Konzept der F&#246;rderma&#223;nahme SPRINT ist f&#252;r alle beteiligten Schule eine gemeinsame und verbindliche Grundlage, die als Pr&#228;misse f&#252;r Aufbau professioneller Lerngemeinschaften gilt (vgl. dazu <xref ref-type="bibr" rid="B13">F&#246;rMig-Transfer Berlin 2009: 12</xref>). Das SPRINT-Konzept legt einen Rahmen f&#252;r die Beschulung von Neuzugewanderten fest, bietet aber gleichzeitig durch seine Offenheit verschiedene Ausgestaltungsm&#246;glichkeiten (FF2). Diese Gestaltungsfreiheit und Flexibilit&#228;t der Schulen sind ein wichtiger Erfolgsfaktor f&#252;r derartige F&#246;rderprogramme (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Montanari 2017: 38</xref>), da die Schulen die bestehenden Freir&#228;ume ausprobieren bzw. nutzen, indem sie die Vorgaben sowohl an die Ressourcen und Rahmenbedingungen der Standorte als auch an die Entwicklungspotenziale und den Bedarf der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler anpassen k&#246;nnen. So zeigt die Auswertung, dass das organisatorisch-didaktische SPRINT-&#220;bergang: Basismodell in verschiedenen Variationen vorhanden ist, in denen separierende und inkludierende Unterrichtsanteile miteinander kombiniert werden. Durch die Erg&#228;nzung mit Nachmittagsangeboten kann eine st&#228;rkere Differenzierung variabel eingef&#252;hrt werden, indem die Neuzugewanderten im Sinne des Alternativen <italic>Teaching</italic> nach Johnson (<xref ref-type="bibr" rid="B21">2015</xref>), d.h. in Kleingruppen je nach Leistungsniveau bzw. Bedarf aufgeteilt und beim selbstst&#228;ndigen Arbeiten, Wiederholen und bei Hausaufgaben m&#246;glichst individuell unterst&#252;tzt werden.</p>
<p>Bis auf die Sonderform D (<xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>) sind alle identifizierten Beschulungsmodelle der teilintegrativen Form (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Fuchs et al. 2017</xref>) zuzuordnen, die jedoch in verschiedenen Kombinationen auftreten, zugleich teilweise von Schuljahr zu Schuljahr je nach vorhandenen Kapazit&#228;ten und je nach Erfahrungen der Lehrkr&#228;fte weiterentwickelt werden. Hierbei sind ebenso die Zwischenergebnisse aus der ForEST-Evaluation eingeflossen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak et al. 2023</xref>). Die vorgenommenen Anpassungen des Konzeptes an die Bed&#252;rfnisse und M&#246;glichkeiten der Standorte f&#252;hren dazu, dass die Effektivit&#228;t der einzelnen Beschulungsmodelle empirisch kaum &#252;berpr&#252;fbar ist. Zudem profitieren die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler von der F&#246;rderma&#223;nahme gerade im sprachlichen Bereich unterschiedlich stark, beispielsweise abh&#228;ngig von ihren Vorerfahrungen, Voraussetzungen oder der Deutschlernzeit. Durch die damit verbundene Notwendigkeit der Clusterung der Sch&#252;lergruppen f&#252;r die Auswertung w&#228;re eine zu geringe Samplegr&#246;&#223;e zu vergleichen, wodurch eine stichhaltige Aussage nicht m&#246;glich w&#228;re. Des Weiteren wurden in der ForEST-Studie affektive Faktoren wie das Stressempfinden beim Ankommen in einer Regelklasse mit nur geringen Deutschkenntnissen, das Aufbauen neuer Kontakte, das Einfinden in einer neuen Schulfamilie etc. nicht erhoben (vgl. ebda.: 54).</p>
<p>Analysiert man die Aussagen der Fokusgruppen, wird die Wichtigkeit der vorgeschalteten Vorbereitungsklassen bzw. der intensiven Sprachf&#246;rderung vor der vollst&#228;ndigen Aufnahme in den Regelklassen best&#228;tigt. Das schlie&#223;t an Ergebnisse aus der Evaluationsstudie von Montanari (<xref ref-type="bibr" rid="B35">2017</xref>) an, in der alle befragten Lehrkr&#228;fte die Sprachlernklassen als positiv und wichtig wahrnehmen. Die ForEST-Daten erweitern diesen Blick um die Perspektive der teilnehmenden und ehemaligen SPRINT-Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler. Sie weisen in den Interviews darauf hin, dass ihnen eine SPRINT-Klasse zuerst einen langsameren Einstieg in den Regelunterricht erlaubt und zugleich eine gewisse Sicherheit bietet, in einer Gruppe mit &#228;hnlichen Zielen und Bed&#252;rfnissen voranzukommen. Zugleich wird von allen Fokusgruppen die Notwendigkeit einer m&#246;glichst fr&#252;h beginnenden Begegnung mit allen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern und der Einbindung in die schulische Gemeinschaft betont (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">von Dewitz/Bredthauer 2020: 433</xref>). Die soziale Integration wird in SPRINT durch den Besuch von Unterricht in einzelnen F&#228;chern in den Stammklassen ab Beginn der F&#246;rderma&#223;nahme angestrebt und unterst&#252;tzt.</p>
<p>Eine weitere Gemeinsamkeit in den Aussagen aller befragten Fokusgruppen besteht in der durchg&#228;ngig individualisierten F&#246;rderung und in dem individuell ausgestalteten, sukzessiven &#220;bergang in den Regelunterricht. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden individuell beobachtet und begutachtet; &#252;ber ihre Lernwege wird bedarfsorientiert entschieden. Dieser Befund geht mit Forderungen in der Literatur einher, die auf die Notwendigkeit der Orientierung an den Potenzialen einzelner Lernender hindeuten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Amrhein/Veber/Fischer 2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B19">Henrichs 2016</xref>). Die Wahrnehmung und Behandlung der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler als individuelle Akteurinnen und Akteure ist ausschlaggebend f&#252;r die Ausgestaltung der Beschulungsmodelle (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Erichsen 2020</xref>). Im Projekt ForEST wurden Absprachen und der Austausch unter den Lehrkr&#228;ften als eine wesentliche Voraussetzung f&#252;r eine individuelle Gestaltung der Lernwege identifiziert. Die Lehrkr&#228;fte sehen dies als festen Bestandteil der F&#246;rderma&#223;nahme an. Daher ist es sinnvoll, solche Rahmenbedingungen verbindlich festzulegen, um sicherzustellen, dass diese wichtigen Ressourcen auch nach Abschluss einer Projektphase an den Schulen erhalten bleiben.</p>
<p>Die F&#246;rderung der neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ist mit dem &#220;bergang in den Regelunterricht nicht abgeschlossen. Wie dies Nilsson und Axelsson (<xref ref-type="bibr" rid="B37">2013</xref>) vorschlagen, werden in SPRINT daf&#252;r p&#228;dagogische Strukturen zum einen durch den Nachmittagsunterricht (s.o.), zum anderen durch verschiedene Kooperationsformen unter den Lehrkr&#228;ften geschaffen. Diese entsprechen den drei Formen nach Gr&#228;sel, Fu&#223;angel und Pr&#246;bstel (<xref ref-type="bibr" rid="B17">2006</xref>): Austausch, Arbeitsteilung und Kokonstruktion. Bei der arbeitsteiligen Kooperation k&#246;nnen die Lehrkr&#228;fte gelegentlich in Form des <italic>Co-Teachings</italic> zusammenarbeiten, d.h., dass eine Lehrkraft den Unterricht leitend durchf&#252;hrt, w&#228;hrend eine weitere Lehrperson assistiert und bei Bedarf einzelne Lernende unterst&#252;tzt. Kokonstruktion, die sich durch einen intensiven Austausch zwischen den Lehrpersonen auszeichnet, ist die am weitesten fortgeschrittene Form der Zusammenarbeit. Hierbei teilen sich die Lehrkr&#228;fte die Verantwortung f&#252;r den Unterricht, den sie gemeinsam im <italic>Teamteaching</italic> planen, gestalten und evaluieren. Sie erg&#228;nzen sich gegenseitig und arbeiten stetig an einer gemeinsamen Aufgabe (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Halfhide 2009: 109</xref>). <italic>Teamteaching</italic> wird in der aktuellen Debatte um den inklusiven Unterricht als besonders f&#246;rderlich angesehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Geiling/Hinz 2005</xref>). W&#228;hrend <italic>Teamteaching</italic> in den evaluierten SPRINT-Schulen selten vorkommt, sind fast alle identifizierten SPRINT-Beschulungsmodelle von <italic>Co-Teaching</italic> im Regelunterricht gekennzeichnet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Michalak et al. 2023: 58&#8211;59</xref>). Beim <italic>Co-Teaching</italic> wird die Lehrperson von einer SPRINT-Lehrkraft unterst&#252;tzt, die beispielsweise den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern beratend zur Seite steht, Impulse gibt, ihnen durch Differenzierungsm&#246;glichkeiten nach Bedarf helfen kann oder sie zur Partizipation am Unterricht motiviert. Die Ergebnisse stimmen mit der Forschung &#252;berein, dass &#8222;ressourcenarme Kooperationsformen&#8220; wie Austausch oder <italic>Co-Teaching</italic> regelm&#228;&#223;ig, aufw&#228;ndigere Kooperationen dagegen eher selten stattfinden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B42">Richter/Pant 2016: 35</xref>). Trotzdem empfinden die Lehrkr&#228;fte die Kooperationen als positiv und bewerten sie in den Gruppeninterviews als wichtige Ma&#223;nahme. So bekommen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler reichhaltigere Lernerfahrungen und schnellere Hilfen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Mari&#235;n/Vandelinde/Struyf 2023</xref>). Das best&#228;tigt zugleich, dass Kooperationen f&#252;r inklusiv ausgerichtete Didaktik notwendig sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Kricke/Reich 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B1">Abegglen/Schwab/Hessels 2017</xref>). In der Literatur wird zudem der Vorteil f&#252;r Lehrkr&#228;fte hervorgehoben, der durch die enge Zusammenarbeit entsteht: Lehrkr&#228;fte erreichen eine Steigerung ihres Professionalisierungsgrades, wenn sie als partizipierende Lehrpersonen eingesetzt werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Bauer 2012</xref>).</p>
<p>Die Auswertung der ForEST-Daten zeigt, wie komplex das Ankommen der neu zugewanderten Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in der Regelklasse bzw. im Regelunterricht ist. Die Ausgestaltung der Sprachf&#246;rderungsangebote und deren Erfolg lassen sich nicht allein auf der Grundlage des sprachlichen Lernzuwachses untersuchen, sondern sind differenzierter zu betrachten und verlangen die Ber&#252;cksichtigung unterschiedlicher Faktoren, die auch die Perspektive aller Akteurinnen und Akteure einschlie&#223;en.</p>
</sec>
</sec>
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<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Ab Schuljahr 2024/25 werden derartige Vorbereitungsklassen als schulartunabh&#228;ngige Deutschklassen an allen Schulformen der Sekundarstufe I in Bayern, d.h. an Mittel-, Realschulen und Gymnasien, eingerichtet. Zur &#220;bersicht der schulischen Ma&#223;nahmen f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in Bayern siehe StMUK (<xref ref-type="bibr" rid="B46">2024: 15</xref>).</p></fn>
<fn id="n2"><p>Zum bayerischen Bildungssystem siehe <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.km.bayern.de/lernen/ubertritt-und-bildungswege/das-bayerische-schulsystem">https://www.km.bayern.de/lernen/ubertritt-und-bildungswege/das-bayerische-schulsystem</ext-link> (Zugriff am 12.12.2024).</p></fn>
</fn-group>
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<title>Literatur</title>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Magdalena Michalak</bold> ist Professorin f&#252;r Didaktik des Deutschen als Zweitsprache an der Friedrich-Alexander-Universit&#228;t Erlangen-N&#252;rnberg (FAU). Zu ihren Forschungsschwerpunkten geh&#246;ren Zweitsprachenerwerb und Zweitsprachendidaktik, Sprachf&#246;rderung von Neuzugewanderten, sprachliche Bildung, Lernen in der Zweitsprache und sprachbewusster Unterricht.</p>
<p><bold>Kirstin Ulrich</bold> ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl f&#252;r Didaktik des Deutschen als Zweitsprache an der Friedrich-Alexander-Universit&#228;t Erlangen-N&#252;rnberg (FAU). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Zweitsprachendidaktik, Sprachf&#246;rderung, f&#228;cher&#252;bergreifende Ans&#228;tze der Sprachf&#246;rderung in der Sekundarstufe I und Digitalit&#228;t sowie Lehrerprofessionalisierung im Kontext DaZ.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
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