<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Publishing DTD v1.2 20120330//EN" "http://jats.nlm.nih.gov/publishing/1.2/JATS-journalpublishing1.dtd">
<!--<?xml-stylesheet type="text/xsl" href="article.xsl"?>-->
<article article-type="research-article" dtd-version="1.2" xml:lang="de" xmlns:mml="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance">
<front>
<journal-meta>
<journal-id journal-id-type="issn">1205-6545</journal-id>
<journal-title-group>
<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
</journal-title-group>
<issn pub-type="epub">1205-6545</issn>
<publisher>
<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
</publisher>
</journal-meta>
<article-meta>
<article-id pub-id-type="doi">10.48694/zif.3899</article-id>
<article-categories>
<subj-group>
<subject>Rezensionen</subject>
</subj-group>
</article-categories>
<title-group>
<article-title>Aufgebauer, Marlene (2023): <italic>Die fremdsprachliche Textproduktion. Schreibprozesse und -produkte von DaF-Lernenden</italic>. Berlin: Erich Schmid Verlag. ISBN: 978-3-503-21134-0. (Band 16: Studien Deutsch als Fremd- und Zweitsprache). 95,00 &#8364; (auch als eBook verf&#252;gbar, 86,90 &#8364;).</article-title>
</title-group>
<contrib-group>
<contrib contrib-type="author">
<name>
<surname>Vykoupil</surname>
<given-names>Susanna</given-names>
</name>
<email>susanna.vykoupil@gmx.de</email>
<xref ref-type="aff" rid="aff-1">1</xref>
</contrib>
</contrib-group>
<aff id="aff-1"><label>1</label>Goethe-Institut Dresden DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-02-20">
<day>27</day>
<month>03</month>
<year>2024</year>
</pub-date>
<pub-date pub-type="collection">
<year>2024</year>
</pub-date>
<volume>29</volume>
<issue>1</issue>
<fpage>443</fpage>
<lpage>449</lpage>
<permissions>
<copyright-statement>Copyright: &#x00A9; 2024 The Author(s)</copyright-statement>
<copyright-year>2024</copyright-year>
<license license-type="open-access" xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">
<license-p>CC BY 4.0 International - Creative Commons, Namensnennung. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
</license>
</permissions>
<self-uri xlink:href="https://zif.tujournals.ulb.tu-darmstadt.de/articles/10.48694/zif.3899/"/>
</article-meta>
</front>
<body>
<p>Die wissenschaftliche Forschung im Bereich der Schrift und des Schreibens betrifft zahlreiche Disziplinen und gerade diese Vielfalt tr&#228;gt dazu bei, das Verst&#228;ndnis f&#252;r Schreibprozesse und Schreibprodukte zu erweitern, neue p&#228;dagogische Ans&#228;tze zu entwickeln und den Einsatz von Schreibwerkzeugen sowie -techniken zu f&#246;rdern. Folgerichtig haben sich in den beteiligten Forschungsrichtungen, von denen die Schreibwissenschaft mit ihren Grundpfeilern Schreibforschung und angewandte Schreibwissenschaft zentral sind, bei der Untersuchung von Schreibpraxis und ihren Produkten Bezeichnungen, Konzepte und Forschungsans&#228;tze parallel entwickelt. Diese Parallelit&#228;t bereitet einerseits Schwierigkeiten f&#252;r die Verst&#228;ndigung &#252;ber das Schreiben, wird andererseits aber auch als Gewinn gesehen, da sich aus ihr diverse methodische und theoretische Zug&#228;nge ergeben, die einander erg&#228;nzen und die voneinander profitieren k&#246;nnen.</p>
<p>Diese Tendenzen aufgreifend unternimmt Marlene Aufgebauer eine Zusammenf&#252;hrung gezielt ausgew&#228;hlter Forschungsans&#228;tze und entwickelt daraus eine komplexe Untersuchungs-methodik zur Analyse von Schreibprozessen und Schreibprodukten in ihrer Dissertation (Wien: 2021), die unter dem Titel <italic>Die fremdsprachliche Textproduktion. Schreibprozesse und -produkte von DaF-Lernenden</italic>, 2023 im Erich Schmid Verlag (Berlin) erschienen ist. Die Autorin untersucht 48 Schreibprozesse und -produkte von zw&#246;lf Probanden*innen mit italienischer Muttersprache, die zum Untersuchungszeitpunkt die 5. Matura-Klasse (13. Klasse, Sekundarstufe II) an einem neusprachlichen Gymnasium in Italien besuchten.</p>
<p>Die 494 Seiten umfassende Studie ist in acht Hauptkapitel mit zahlreichen Unterkapiteln gegliedert; vorangestellt sind die Danksagung, das Inhaltsverzeichnis sowie das Tabellen-, Abbildungs-, Abk&#252;rzungsverzeichnis. Die 146 Tabellen und 54 Abbildungen dokumentieren die Zugrundelegung von Statistik- und Computerdaten bei der Bearbeitung der verfolgten Fragestellungen und Forschungsziele. Das Literaturverzeichnis, die Auflistung der Internetquellen und der verwendeten Computerprogramme runden den Band ab. Dar&#252;ber hinaus ist &#252;ber einen externen Link beim Verlag (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://textproduktion-anhang.esv.info">https://textproduktion-anhang.esv.info</ext-link>) ein zus&#228;tzlicher ausf&#252;hrlicher Anhang von 61 Seiten mit weiteren Untersuchungsdetails aufrufbar.</p>
<p>Jedes der acht Hauptkapitel leitet eine kurze, bei der umfangreichen Datenmenge hilfreiche Standortbestimmung der Analysen und eine Vorschau auf die jeweils folgenden Fragestellungen ein; auch in den Unterkapiteln bieten pr&#228;gnant formulierte &#220;berg&#228;nge vorausweisende In-formationen. Innerhalb der Kapitel dienen h&#228;ufig Querverweise auf erg&#228;nzende Informatio-nen in einem fr&#252;heren oder sp&#228;teren Abschnitt der &#220;bersichtlichkeit. Die acht Kapitel haben die folgenden Schwerpunkte: In Kapitel 1 werden das Forschungsinteresse und der Aufbau der Arbeit vorgestellt, Kapitel 2 enth&#228;lt einen Forschungs&#252;berblick &#252;ber die theoretischen Konzepte zum Schreiben in der Erst- und in der Zweitsprache, Kapitel 3 stellt das Untersuchungsdesign und methodische und forschungsethische Aspekte vor, Kapitel 4 die <italic>keystroke</italic>-Analyse und ihre Ergebnisse, Kapitel 5 die Textqualit&#228;tsbewertungen der Schreibprodukte, Kapitel 6 die Ergebnisse der Laut-Denk- und <italic>screencapture</italic>-Daten, Kapitel 7 die Zusammen-f&#252;hrung von Schreibprozess- und Schreibproduktdaten und Kapitel 8 schlie&#223;t mit der Zusam-menfassung der Forschungsergebnisse.</p>
<p>Anlass und Ausgangspunkt der Studie ist f&#252;r Marlene Aufgebauer die lange vernachl&#228;ssigte Rolle der schriftsprachlichen Kompetenz in der Fremdsprachendidaktik bis zur kommunikativen Wende Ende der 1970er Jahre. Erst in den 1980er Jahren erfolgte ein Anstieg der Studien zum Schreiben in der L2, der ersten Fremdsprache; jedoch &#252;berwog in diesen Untersuchungen bis ca. 2000 das Interesse vorwiegend am Schreibprodukt, w&#228;hrend es sich dann erst zunehmend auf den Schreibprozess verschob. In den bis in die 2010er Jahre erschienenen Studien sind zudem bis dahin haupts&#228;chlich Untersuchungen f&#252;r die Fremdsprache Englisch ausgewiesen, von denen die meisten im universit&#228;ren Bereich angesiedelt sind. Hieraus resultiert f&#252;r die Autorin das &#8222;deutliche[s] Desiderat der verst&#228;rkten Untersuchung von Schreibprozessen in der Fremdsprache Deutsch in der Sekundarstufe&#8220; (S. 28).</p>
<p>Im Forschungs&#252;berblick setzt sie sich mit der gro&#223;en Anzahl von theoretischen Konzepten zum Schreiben in der Erst- und Zweitsprache auseinander und weist dabei auf ihre teilweise freieren Entscheidungen im Umgang mit den f&#252;r die Studie relevanten Schreibmodellen hin, da &#8222;oft eine trennscharfe Abgrenzung der einzelnen Theorien voneinander weder m&#246;glich noch zielf&#252;hrend ist&#8220;. (S. 37) Sie hebt hervor, dass &#8222;sich die vorliegende Arbeit, wenn auch gro&#223;teils, nicht ausschlie&#223;lich an den Konzeptionen der kognitiven Theorie orientiert&#8220; (S. 47). Es w&#252;rden auch theoretische Ans&#228;tze in die Analysen integriert, die &#8222;mit anderweitigem theoretischen Hintergrund f&#252;r die Schreibforschung relevante Desiderata bearbeitet [haben] sowie wertvolle Beitr&#228;ge zum Verst&#228;ndnis unterschiedlichster Aspekte des erst- und fremdsprachlichen Schreibens leisten konnten&#8220; (ebd.).</p>
<p>Zu den in der Studie n&#228;her vorgestellten kognitiv orientierten Modellen geh&#246;rt das Modell von Hayes (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Hayes/Flower 1980</xref>). Es stellt einen wichtigen Meilenstein in der Schreibforschung als das erste an der Kognitionspsychologie orientierte <italic>Prozess</italic>modell der erstsprachlichen Textproduktion zur Abgrenzung von den bis dahin vorherrschenden <italic>Phasen</italic>modellen dar (vgl. S. 55&#8211;56). Allerdings werde in diesem Modell noch von ge&#252;bten Schreiber*innen und von einer planvollen, partnerbezogenen kommunikativen Handlung ausgegangen, w&#228;hrend in sp&#228;teren Studien bereits vermehrt die Schreibentwicklung und Progression eine gr&#246;&#223;ere Rolle spielen (vgl. S. 57&#8211;58)</p>
<p>Die beiden weiteren f&#252;r die Studie besonders relevanten Modelle der fremdsprachlichen Schreibproduktion stammen von B&#246;rner (<xref ref-type="bibr" rid="B2">1989</xref>) und Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B3">1989</xref>). In dem Modell von B&#246;rner zeigen sich wichtige Erg&#228;nzungen und Anpassungen an das Modell von Hayes/Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B1">1980</xref>), und hier werden zudem mit L2-Studierenden des Franz&#246;sischen Prozessdaten mithilfe eines Computerprogramms erhoben und &#8222;&#8217;[&#8230;] nach erfolgter Textproduk-tion alle Teilschritte vollst&#228;ndig und systematisch in ihrer originalen Reihenfolge rekonstruiert und am Bildschirm erneut sichtbar gemacht [&#8230;] (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Krings 1989: 383&#8211;384</xref>)&#8217;&#8220; (S. 70&#8211;71).</p>
<p>Die Bedeutung des Modells von Krings liege vor allem in dem Nachweis, dass im fremdsprachlichen Schreibprozess Unterbrechungen typisch sind, die durch &#8222;fremdsprachliche Kompetenzdefizite hervorgerufen werden&#8220; (vgl. S. 74). Krings&#8216; Modell wurde daher in der Studie f&#252;r die Bildung der Subkategorien des Planens und Formulierens w&#228;hrend der Textproduktion in der Analyse der Laut-Denk-Daten sinnvoll eingesetzt, die als eine wichtige introspektive Methode ein zentraler Bestandteil der Studie waren. Abschlie&#223;end erfolgt in diesem Kapitel ein Exkurs zu Lerntheorien und ihrer Relevanz f&#252;r die Textproduktion.</p>
<p>In dem umfangreichsten, dritten Kapitel der Studie werden die forschungsmethodischen Entscheidungen zum Erhebungskontext mit den Details zum Feldzugang, zur Auswahl der Teilnehmer*innen und zum Setting der Datenerhebung vorgestellt, die folgenderma&#223;en skizziert werden k&#246;nnen:</p>
<p>An der Studie nahmen zw&#246;lf Proband*innen mit der Muttersprache Italienisch teil, die die Maturaklasse an einem neusprachlichen Gymnasium in Italien besuchten und Deutsch im 5. Jahr als dritte Fremdsprache (in der Studie L2) nach Englisch und Franz&#246;sisch lernten. Vor Versuchsbeginn wurden u.a. ein Fragebogen zu ihrem sprachlichen Hintergrund erhoben sowie bei allen Proband*innen ein standardisierter C-Test durchgef&#252;hrt, um ihre Sprachkenntnisse einordnen zu k&#246;nnen, die dem A2- bis B1-Niveau nach dem GER entsprechen sollten. Ferner wurde eine Copy-Task zur allgemeinen Tippgeschwindigkeit und vor jeder einzelnen Erhebung ein kurzes Training zum Lauten Denken durchgef&#252;hrt.</p>
<p>Die Teilnehmer*innen erhielten vier Schreibaufgaben zu je zwei argumentativen und deskriptiven Texten. In den argumentativen Texten sollten Stellungnahmen zum Gebrauch des Mobiltelefons in der Schule (AT1) und zu Computerspielen (AT2) geschrieben werden, in den deskriptiven Texten waren ein Tagesablauf und die Wohnsituation zu Hause (DT1) und sowie eine im Urlaub (DT2) zu beschreiben. Die insgesamt 48 Schreibprozesse wurden innerhalb von drei Wochen aufgenommen und ergaben ca. 30 Stunden Untersuchungsmaterial. W&#228;hrend der Aufzeichnungen wurden vier parallel laufende computergest&#252;tzte Datenerhebungsmethoden eingesetzt:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Mit <italic>inputlog</italic>, einem <italic>keystroke-logging</italic>-Programm, das mit Word arbeitet, wurden alle Tastenanschl&#228;ge, Cursor-Bewegungen und jede Pause im Schreibprozess, die &#8805; 2 Sekunden lang war, aufgezeichnet. Diese so erhobenen quantitativen Daten wurden vor allem dazu genutzt, das Pausenverhalten aller Teilnehmer*innen zu analysieren sowie um Aussagen &#252;ber ihre Computerschreibfertigkeit und Tippgeschwindigkeit zu machen.</p></list-item>
<list-item><p>In Kombination dazu wurden mithilfe des <italic>screencapture</italic>-Programms <italic>Snagit</italic> Videoaufnahmen des Computerbildschirms w&#228;hrend der Textproduktion angefertigt.</p></list-item>
<list-item><p>Es wurden auch Videoaufnahmen der Teilnehmer*innen aus zwei Perspektiven mit <italic>Movavi Video Suite</italic> aufgezeichnet, die herangezogen wurden, wenn &#8222;beispielsweise weder laut gedacht noch am Computer gearbeitet wurde, um diese Pausen interpretieren zu k&#246;nnen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Verlagsanhang, S. 59</xref>).</p></list-item>
</list>
<p>Schlie&#223;lich wurden Laut-Denk-Protokolle (4.) zu den Schreibprozessen erstellt, die anhand eines zuvor theoriegeleitet mit dem Transkriptionseditor EXMARaLDA entwickelten Kodierleitfadens festgehalten wurden (vgl. S. 92&#8211;95).</p>
<p>Diese Verfahren wurden mit einer Vierfachtriangulation, einer Methode, die es erm&#246;glicht, den Forschungsgegenstand aus verschiedenen Perspektiven ganzheitlich zu betrachten, in zahlreichen statistischen Untersuchungsschritten ausgewertet.</p>
<p>Die Datenbasis bildeten hierbei die <italic>keystroke-logging</italic>-Daten, die zun&#228;chst quantitativ analysiert wurden und in der Folge auch einem inter- und (sp&#228;ter) intrapersonalen Vergleich unterzogen wurden. Unter Einbeziehung dieser Analysen wurden die Schreibprodukte auch auf ihre Textqualit&#228;t hin untersucht. Als Orientierung f&#252;r die Erstellung der Bewertungskriterien f&#252;r die Ermittlung von Textqualit&#228;t wurden die Begriffe Texthandlungstyp, Kommunikationsanlass und Prozeduren eingef&#252;hrt und definiert. Die Kriterien selbst basierten auf einem Punktesystem, das in Hinblick auf die Besonderheiten der beiden Textsorten jeweils gesondert erstellt wurde (S. 181&#8211;189).</p>
<p>Anhand dieser Ergebnisse wurden sieben der zw&#246;lf Teilnehmer*innen f&#252;r die qualitative Analyse im Sinne eines Samplings ausgew&#228;hlt. Da bei der geringen Teilnehmer*innenzahl keine statistisch repr&#228;sentativen Ergebnisse angestrebt wurden, fiel bei der Datenreduktion die Wahl auf die Teilnehmer*innen mit extrem hohen oder niedrigen Werten in der <italic>keystroke-logging</italic>-Analyse (vgl. S. 301&#8211;302).</p>
<p>Anschlie&#223;end wurden die Daten der sieben Proband*innen im Hinblick auf den zeitlichen Verlauf des Schreibprozesses ausgewertet, um das Auftreten kognitiver und metakognitiver Aktivit&#228;ten in drei Schreibintervallen beschreiben zu k&#246;nnen. Mit der Transkription nach der HIAT-Konvention wurden in den festgestellten Pausen unterschiedliche Verbalisierungsformen aufgezeichnet, und die qualitative Datenanalyse erm&#246;glichte es, einen Kodierleitfaden zu erstellen, in dem die einzelnen Handlungen der Proband*innen w&#228;hrend des Schreibprozesses nachvollziehbar wurden. Ihre Aktivit&#228;ten waren z.B. Metakommentare, Selbstinstruktionen, Planungsprozesse, instrumentelles, aufgabenorientiertes Lesen (anderer Texte) oder Formulierungsaktivit&#228;ten (vgl. S. 139&#8211;152). Hierbei konnte auch festgestellt werden, dass die L1, also die Erstsprache, eine wichtige Rolle bei der fremdsprachlichen Textproduktion spielte, da sie in den kognitiven und metakognitiven Prozessen h&#228;ufig eingesetzt wurde.</p>
<p>In dem letzten Untersuchungsabschnitt in Kapitel 7 wurden die vorliegenden Schreibprozess- und -produktdaten zusammengef&#252;hrt und auf eine m&#246;gliche Korrelation von Schreibprozess, L2-Kompetenz und Textqualit&#228;t gepr&#252;ft. Hierbei wurde die qualitative Analyse der P-bursts, <italic>production bursts</italic>, die &#8222;die Textproduktion bezeichnen, die ohne Unterbrechung von mehr als 2 Sekunden zwischen zwei Pausen &#8805; 2 Sekunden stattfindet&#8220; (S. 25), vorgenommen, da davon auszugehen sei, dass &#8222;w&#228;hrend einer durchg&#228;ngigen Textproduktion vordergr&#252;ndig bereits internalisierte textsortentypische Strukturen&#8220; (S. 415), also literale Prozeduren, verwendet werden. Der Grund daf&#252;r sei, dass erfahrene Schreiber*innen</p>
<disp-quote>
<p>&#252;ber ein gr&#246;&#223;eres Repertoire an Text- und Formulierungsmustern ebenso wie &#252;ber grammatische und orthographische Regelwerke [verf&#252;gen], die sie zum Zweck der Probleml&#246;sung in unterschiedlichen Schreib- oder Formulierungshandlungen einsetzen k&#246;nnen und die ihnen eine fl&#252;ssigere Textproduktion erm&#246;glichen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Weisberg 2012: 161</xref>). (S. 416)</p></disp-quote>
<p>Diese Annahme wurde, so Marlene Aufgebauer, in den Analysen best&#228;tigt, da in den</p>
<disp-quote>
<p>Untersuchten Schreibprozess- und Schreibproduktdaten [&#8230;] ansatzweise der Gebrauch texthandlungstypischer Prozedurausdr&#252;cke erkannt werden [konnte], die teilweise auch bereits verinnerlicht wurden und somit zu einer (an diesen Stellen) fl&#252;ssigeren Textpro-duktion vor allem bei den Positionierungsprozeduren f&#252;hrten. (S. 422)</p>
</disp-quote>
<p>In ihrer Zusammenfassung h&#228;lt die Autorin zun&#228;chst fest, dass die Erhebung der <italic>keystroke-logging</italic>-Daten eine Vielzahl interessanter quantitativer Daten zu Schreibprozessen liefern konnte, die nicht nur einen vielschichtigen und umfassenden Einblick in das individuelle Schreibverhalten der zw&#246;lf bzw. sieben Proband*innen geben konnten, sondern auch deutliche Unterschiede bei den Schreibprozessen zwischen den argumentativen und den deskriptiven Texten zeigten: Die argumentativen Texte wiesen im Vergleich zu den deskriptiven einen durchschnittlich h&#246;heren Pausenanteil und l&#228;ngere Pausen auf und in den deskriptiven Texten wurde entsprechend eine h&#246;here Wortanzahl erreicht. Diese mit den Erkenntnissen anderer Studien &#252;bereinstimmenden Ergebnisse verdeutlichen, dass die Produktion deskriptiver Texte kognitiv weniger herausfordernd ist als die Produktion argumentativer Texte (vgl. S. 440).</p>
<p>Im didaktischen Kontext werde aus den Analysen ferner die Bedeutung der Beherrschung von Textprozeduren beim Fremdsprachenlernen f&#252;r eine h&#246;here Textqualit&#228;t deutlich. In ihren abschlie&#223;enden Worten weist die Autorin auf die Notwendigkeit f&#252;r den fremdsprachlichen Schreibunterricht hin, &#8222;Prozesswissen, Produktwissen im Sinne von Textsortenwissen, sprachliches Wissen und Weltwissen integrativ zu thematisieren und zu trainieren, vermehrt Texthandlungsschemata und Prozedurausdr&#252;cke bewusst zu machen und in die unterrichtliche Praxis des fremd- und zweitsprachlichen Schreibunterrichts zu implementieren&#8220; (S. 453).</p>
<p>Die in Design, Durchf&#252;hrung und ihren Schlussfolgerungen beeindruckend fundierte Studie richtet sich an einen breit gef&#228;cherten wissenschaftlichen Leserkreis und stellt f&#252;r diesen zweifellos eine gro&#223;e Bereicherung dar. Konkret kann sie insbesondere f&#252;r die fremdsprachliche Schreibforschung als solide und inspirierende Grundlage dazu dienen, das Untersuchungsdesign auf gr&#246;&#223;ere Proband*innengruppen und weitere Fragestellungen auszuweiten oder auch Schreibprozesse sprachen&#252;bergreifend oder sprachenvergleichend zu untersuchen. Dadurch erhielte auch die Fremdsprachendidaktik weitere hilfreiche Impulse, was wiederum den Fremdsprachenlerner*innen zugutek&#228;me.</p>
</body>
<back>
<ref-list>
<title>Literatur</title>
<ref id="B1"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Hayes</surname>, <given-names>John R</given-names></string-name>. &amp; <string-name><surname>Flower</surname>, <given-names>Linda S.</given-names></string-name> (<year>1980</year>): <chapter-title>Identifying the Organisation of Writing Processes</chapter-title>. In: <string-name><surname>Gregg</surname>, <given-names>Lee W.</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Steinberg</surname>, <given-names>Erwin R.</given-names></string-name> (Hrsg.): <source>Cognitiv processes in writing</source>. <publisher-loc>Hillsdale</publisher-loc>: <publisher-name>Lawrence Erlbaum Associates</publisher-name>, <fpage>3</fpage>&#8211;<lpage>30</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B2"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>B&#246;rner</surname>, <given-names>Wolfgang</given-names></string-name> (<year>1989</year>): <chapter-title>Didaktik schriftlicher Textproduktion in der Fremdsprache</chapter-title>. In: <string-name><surname>Antos</surname>, <given-names>Gerd</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Krings</surname>, <given-names>Hans P.</given-names></string-name> (Hrsg.): <source>Textproduktion. Ein interdisziplin&#228;rer Forschungs&#252;berblick</source>. <publisher-loc>T&#252;bingen</publisher-loc>. <publisher-name>Niemeyer</publisher-name>, <fpage>348</fpage>&#8211;<lpage>376</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B3"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Krings</surname>, <given-names>Hans Peter</given-names></string-name> (<year>1989</year>): <chapter-title>Schreiben in der Fredmdsprache &#8211; Proze&#223;analysen zum &#8218;vierten Skill&#8217;</chapter-title>. In: <string-name><surname>Antos</surname>, <given-names>Gerd</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Krings</surname>, <given-names>Hans Peter</given-names></string-name> (Hrsg.): <source>Textproduktion. Ein interdisziplin&#228;rer Forschungs&#252;berblick</source>. <publisher-loc>T&#252;bingen</publisher-loc>: <publisher-name>Niemeyer</publisher-name>, <fpage>377</fpage>&#8211;<lpage>436</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B4"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Weisberg</surname>, <given-names>Jan</given-names></string-name>: (<year>2012</year>): <chapter-title>If Routine THEN Fluss ELSE Problem - &#220;berlegungen zu Schreibfl&#252;ssigkeit und Schreibroutine</chapter-title>. In: <string-name><surname>Feilke</surname>, <given-names>Helmuth</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Lehnen</surname>, <given-names>Karin</given-names></string-name> (Hrsg.): <source>Schreib- und Textroutinen</source>. <publisher-loc>Frankfurt/Main</publisher-loc>: <publisher-name>Peter Lang (=Forum Angewandte Linguistik 52)</publisher-name>, <fpage>155</fpage>&#8211;<lpage>193</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref-list>
<title>Internet:</title>
<ref id="B5"><mixed-citation publication-type="webpage"><collab>Verlagsanhang zum Buch</collab>: <uri>https://textproduktion-anhang.esv.info</uri></mixed-citation></ref>
</ref-list>
</ref-list>
<sec>
<title/>
<p><bold>Susanna Vykoupil</bold>, Goethe-Institut Dresden</p>
<p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:susanna.vykoupil@gmx.de">susanna.vykoupil@gmx.de</ext-link></p>
</sec>
</back>
</article>
