Andreas Göller Auf dem richtigen Gleis. 175 Jahre Eisenbahn in Deutschland - 150 Jahre Eisenbahnwesen an der TU Darmstadt Zeitmaschine – Beiträge aus dem Universitätsarchiv Impressum Schriftenreihe „Zeitmaschine – Beiträge aus dem Universitätsarchiv“ Band 1 Technische Universität Darmstadt Universitätsarchiv (Hrsg.) Karolinenplatz 3 64289 Darmstadt Website: www.ulb.tu-darmstadt.de/universitaetsarchiv Email: universitaetsarchiv@ulb.tu-darmstadt.de Zitierhinweis: Göller, Andreas (2010): Auf dem richtigen Gleis. 175 Jahre Eisenbahn in Deutschland - 150 Jahre Eisenbahnwesen an der TU Darmstadt. In: Zeitmaschine – Beiträge aus dem Universitätsarchiv 2025. Darmstadt: TUPrints, 2025 Urheberrechtlich geschützt / In Copyright: https://rightsstatements.org/page/InC/1.0/ http://www.ulb.tu-darmstadt.de/universitaetsarchiv mailto:universitaetsarchiv@ulb.tu-darmstadt.de https://rightsstatements.org/page/InC/1.0/ Auf dem richtigen Gleis. 175 Jahre Eisenbahn in Deutschland - 150 Jahre Eisenbahnwesen an der TU Darmstadt Vor 175 Jahren begann mit der Eröffnung der Strecke Nürnberg–Fürth die Erfolgsgeschichte der Eisenbahn in Deutschland. Vor 150 Jahren wurde mit der Berufung von Friedrich Heinzerling zum Leiter der Ingenieurklasse an der Höheren Gewerbeschule das wissenschaftliche Eisenbahnwesen in Darmstadt begründet. Die Eisenbahn revolutionierte das Verkehrswesen im 19. Jahrhundert. Neue Dimensionen der Mobilität waren erreichbar, allerdings zum Preis hoher Investitionen in Infrastruktur und Bildung. Experten waren gefragt, Ausbildungsstätten für die noch jungen Verkehrswissenschaften dagegen nur sehr dünn gesät. Nach kleineren Anfängen erhielt 1860 der Unterricht des Faches Straßen- und Eisenbahnwesen mit der Berufung von Friedrich Heinzerling an die Höhere Gewerbeschule, einem Praktiker aus der Eisenbahnverwaltung, auch in Darmstadt einen neuen Impuls. Lehrinhalte wie Eisenbahnoberbau, Abteilungszeichen und Telegrafen, Lokomotiven und Wagen, Betrieb der Eisenbahnen, Vorarbeiten einschließlich der geodätischen Operationen unterstreichen von Beginn an das breite Spektrum des Faches. „Ingenieurfach IV“ Nach dem Weggang Heinzerlings und einigen Jahren der Umorganisation der Schule wurde das Eisenbahnwesen seit 1868 in den Disziplinen Bauingenieurwesen, Maschinenbau und später auch Elektrotechnik neu belebt. Nachdem sich der Eisenbahnbau als ein Schwerpunkt herausgebildet hatte, erfolgte 1900 für dieses Fachgebiet die Einrichtung des neuen Lehrstuhls „Ingenieurfach IV“, auf den 1901 mit Hans Wegele (1901–1926) abermals ein erfahrener Beamter aus der Eisenbahnverwaltung berufen wurde. Unter seinem Nachfolger Erich Reuleaux (1926–1952), der von 1934 bis 1937 als Dekan der Technischen Fakultät der Tongji-Universität in Schanghai und Berater der chinesischen Regierung amtierte und während dieser Zeit von Reichsbahnoberrat Wilhelm Richard vertreten wurde, entstand 1936 ein neues Signaltechnisches Labor, das über die obligatorischen Praktika und Exkursionen hinaus den Praxisbezug des Hochschulstudiums unterstrich. Bahn-Stiftungsprofessur Nach dem Krieg stellte Professor Dr.-Ing. Rudolf Klein (1953–1974) das Fachgebiet unter Einbeziehung des Straßenwesens auf eine breitere verkehrswissenschaftliche Basis. Zwischen 1977 und 1997 führte Professor Dr.-Ing. Edmund Mühlhans den Lehrstuhl für Eisenbahnwesen einschließlich baulicher und betrieblicher Gestaltung des spurgebundenen Nahverkehrs. Nach einer Phase des Übergangs leitet Professor Dr.-Ing. Andreas Oetting seit 2008 als Inhaber einer Stiftungsprofessur der Deutschen Bahn das Fachgebiet Bahnsysteme und Bahntechnik. Mit den Kooperationspartnern Deutsche Bahn und dem Akademischen Arbeitskreis Schienenverkehr (AKA Bahn) wurde 2006 ein neues Eisenbahnbetriebsfeld eröffnet, das Studierenden und Wissenschaftlern moderne verkehrswissenschaftliche Simulationen ermöglicht. 2009 wurde die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn in Form einer strategischen Allianz ausgebaut. Ausstellung zum Jubiläum Anlässlich des Doppeljubiläums präsentiert das Universitätsarchiv der TU Darmstadt vom 14. Dezember bis Ende Januar 2011 eine Ausstellung in den Räumen der Universitäts- und Landesbibliothek im Darmstädter Residenzschloss. Gezeigt werden Fotos und Dokumente zur Entwicklung der eisenbahntechnischen Lehrstühle von den Anfängen an der Höheren Gewerbeschule bis zur Gegenwart. Neben historischen Fotos von Bahnanlagen in Darmstadt werden einige Beispiele aus dem früher an der TH Darmstadt ansässigen Deutschen Lokomotivbildarchiv vorgestellt. Historische Bücher und Druckwerke zur Geschichte der Eisenbahn, darunter eine Serie von Lithografien zum Bau der berühmten Britannia Bridge in Wales (1845–1850), gewähren zudem einen Einblick in den jeweiligen Wissensstand des Eisenbahnwesens. Zweitveröffentlichung. Ersterschienen in : hoch3, Jg. 6, 2010, Heft 7, S. 24