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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/zif.3960</article-id>
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<subject>Aufsatz zum themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>&#8222;Ich muss perfekt sein&#8220; &#8211; Sprachliche Bildungsherausforderungen und Strategien von Neuzugewanderten im Fachunterricht der beruflichen Bildung</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Institut f&#252;r Berufliche Lehrerbildung</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-02-24">
<day>24</day>
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<year>2025</year>
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<abstract>
<p>Sprachliche Bildung ist ein zentrales Bildungsziel im deutschen Schulsystem, dem bisher nur unzureichend Rechnung getragen wird. Im Kontext aktueller Migration ist dieser Umstand besonders problematisch, da neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen neben den inhaltlichen auch die bildungs- und fachsprachlichen Anforderungen im Deutschen parallel bew&#228;ltigen m&#252;ssen, da sie die deutsche Sprache noch erlernen. Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende empirische Untersuchung auf der Grundlage von sechs leitfadengest&#252;tzten Interviews mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen an berufsbildenden Schulen in Nordrhein-Westfalen der Frage, mit welchen sprachlichen Herausforderungen sie im schulischen Berufsbildungskontext konfrontiert sind, welche Auswirkungen dies auf sie und ihr Lernen hat und welcher Strategien sie sich im Fachunterricht bedienen, um den (fach-)sprachlichen Anforderungen im Unterricht sprachlich und inhaltlich folgen zu k&#246;nnen. Gleichzeitig zeigt diese Untersuchung die Notwendigkeit sprachsensiblen Unterrichts auf, welche sich durch die Anwesenheit neu zugewanderter Sch&#252;ler*innen verst&#228;rkt, und m&#252;ndet auf Grundlage der gewonnenen Daten in Implikationen f&#252;r die Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie f&#252;r (angehende) Lehrer*innen.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>&#8222;I have to be perfect&#8221; &#8211; Language learning challenges and strategies of new immigrants in vocational education subject lessons</bold></p>
<p>Language education is a central educational goal in the German school system, which is not sufficiently taken into account. In the context of current migration, this situation is particularly problematic, as newly immigrated pupils must simultaneously acquire both the subject matter and the language in which it is taught. Against this background, this empirical study, based on six guided interviews with newly immigrated pupils at vocational schools in North Rhine-Westphalia, is dedicated to the question of what linguistic challenges they are confronted with in the context of vocational education at school, what effects this has on them and their learning and what strategies they use in subject lessons in order to be able to follow the (technical) language requirements in the classroom in terms of language and content. At the same time, this study demonstrates the need for language-sensitive teaching, which is intensified by the presence of newly immigrated pupils and leads to implications for school and lesson development as well as for (beginning) teachers based on the data obtained.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Migration</kwd>
<kwd>Neuzuwanderung</kwd>
<kwd>Sprachbildung</kwd>
<kwd>Berufsbildungssystem</kwd>
</kwd-group>
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<kwd>migration</kwd>
<kwd>new immigration</kwd>
<kwd>language education</kwd>
<kwd>vocational education system</kwd>
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<sec>
<title>1 Einleitung</title>
<p>Sprachliche Bildung ist ein zentrales Bildungsziel an allgemein- sowie berufsbildenden Schulen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">KMK 2019a</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B21">KMK 2019b</xref>), denn fachliches Lernen ist unweigerlich an sprachliches Lernen gekn&#252;pft. So best&#228;tigen Untersuchungen die Verbesserung fachlichen Lernens, wenn der Fachunterricht sprachsensibel gestaltet ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Ahrenholz/H&#246;velbrinks/Schmellentin 2017</xref>). Aus diesem Grund besteht die Notwendigkeit eines sprachsensiblen Unterrichts und das nicht nur im Fach Deutsch, sondern &#252;ber alle F&#228;cher sowie Lernbereiche hinweg. So ist das Beherrschen der deutschen (Bildungs)Sprache zentral, um das deutsche Bildungssystem erfolgreich zu durchlaufen und Schul- sowie Berufsabschl&#252;sse zu erlangen. Diese Anforderung stellt insbesondere f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen, die aufgrund ihrer eigenen Migrationserfahrung erst im Verlauf ihrer Bildungsbiographie ins deutsche Bildungssystem eingestiegen sind und sich noch im Deutscherwerbsprozess befinden, eine Herausforderung dar (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Massumi 2019</xref>).</p>
<p>Unterschiedliche Leistungsvergleichsuntersuchungen, z.B. PISA 2022 (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">OECD 2023</xref>) und der IQB-Bildungstrend 2021 (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Stanat et al. 2022</xref>), verdeutlichen, dass bildungs- und fachsprachliche Kompetenzen im Deutschen bei einer Vielzahl von Sch&#252;ler*innen nicht ausreichend entwickelt sind und dadurch auch fachlich-inhaltliche Kompetenzen, wie in Mathematik, begrenzt entfaltet werden k&#246;nnen. Die Befunde legen auch offen, dass insbesondere Sch&#252;ler*innen, die sozio&#246;konomisch schlechter gestellt sind und v.a. diejenigen, die &#252;ber eine eigene Migrationserfahrung verf&#252;gen, hier besonders schlecht abschneiden.</p>
<p>Zudem sind Klassenzimmer &#8211; nicht zuletzt durch Migration &#8211; durch zunehmende sprachliche Heterogenit&#228;t gepr&#228;gt und erfordern daher ein Umdenken in der didaktischen Konzeption, in welcher durchg&#228;ngige Sprachbildung stets ber&#252;cksichtigt werden muss. Auch wenn sprachliche Bildung f&#252;r den Aufbau der deutschen Bildungs- und Fachsprache grunds&#228;tzlich alle Sch&#252;ler*innen adressiert, ergeben sich f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen besondere Herausforderungen, da sie die deutsche Sprache i.d.R. von Grund auf neu erwerben m&#252;ssen. Je &#228;lter Sch&#252;ler*innen sind, die in das deutsche Schulsystem einm&#252;nden, desto h&#246;her sind die bildungs- und fachsprachlichen sowie gleichzeitig inhaltlichen Anforderungen, die sie bew&#228;ltigen m&#252;ssen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">von Dewitz/Massumi 2023</xref>). Zudem ist die Dauer, die ihnen zur Erlangung eines Schul- und Berufsabschlusses in Anbetracht der zeitlichen (Alters-)Begrenzung im Rahmen der Schulpflicht zur Verf&#252;gung steht, verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig kurz. Auch wenn sie bereits spezifisch eingerichtete Klassen an einer allgemeinbildenden oder berufsbildenden Schule besucht haben, ben&#246;tigen sie noch Zeit f&#252;r den Erwerb der deutschen Bildungs- und Fachsprache, da diese sehr komplex ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Cummins 2008</xref>). Hinzu kommt an berufsbildenden Schulen die spezifische Berufssprache. Vor diesem Hintergrund stehen sowohl neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen an berufsbildenden Schulen, als auch Lehrer*innen vor einer besonderen Herausforderung: Neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen m&#252;ssen in einer relativ kurzen Zeitspanne an die geforderten inhaltlichen und gleichzeitig sprachlichen Anforderungen gef&#252;hrt werden, damit Schul- und Berufsabschl&#252;sse erreicht werden k&#246;nnen.</p>
<p>In den letzten Jahren ist im Zuge des Fachkr&#228;ftemangels und des R&#252;ckgangs der Nachfrage in bestimmten Ausbildungsberufen zu beobachten, dass zahlreiche Anreizsysteme und Rekrutierungsma&#223;nahmen, z.B. von der Bundesregierung oder von den jeweils zust&#228;ndigen Kammern, geschaffen wurden, um gezielt Auszubildende aus dem Ausland zu gewinnen. Dies wirft zus&#228;tzlich die Frage auf, inwieweit sich durch gezielte Anwerbung nicht schon bestehende Probleme im (Berufs-)Bildungssystem versch&#228;rfen, da bereits in Deutschland lebende Personen, die neu zugewandert sind, &#252;berdurchschnittlich h&#228;ufig scheitern und die Schule bzw. der Unterricht nicht in der Lage ist, der migrationsbedingten Vielfalt gerecht zu werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">F&#252;rstenau/Niedrig 2018</xref>). Ebenso stellt sich dar, dass Lehrkr&#228;fte mit Blick auf aktuelle Migration meist nicht ausreichend vorbereitet und qualifiziert sind und Lehrmaterial oft nicht oder nur unzureichend auf den Einbezug von Mehrsprachigkeit ausgerichtet ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Bredthauer/Engfer 2018</xref>).</p>
<p>Vor diesem Hintergrund wird im vorliegenden Beitrag zum einen der erkenntnisleitenden Frage nachgegangen, inwieweit neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen an berufsbildenden Schulen aus ihrer Sicht sich mit sprachlichen Bildungsherausforderungen im Fachunterricht konfrontiert sehen und welche Auswirkungen dies auf sie und ihr Lernen hat. Zum anderen ist erkenntnisleitend herauszufinden, auf welche Strategien sie zur&#252;ckgreifen, um sprachliche sowie inhaltliche Anforderungen im Unterricht zu bew&#228;ltigen. Gleichzeitig kann damit auch erfasst werden, inwieweit (neu zugewanderte) Sch&#252;ler*innen &#252;berhaupt einen sprachsensiblen Fachunterricht erfahren.</p>
<p>Zun&#228;chst wird die aktuelle Situation von Neuzugewanderten im Berufsbildungssystem skizziert, um in einem n&#228;chsten Schritt die empirische Untersuchung auf der Grundlage von Interviews mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen der beruflichen Bildung in Nordrhein-Westfalen darzustellen. Dabei werden nach der kurzen Beschreibung der methodischen Vorgehensweise zentrale Ergebnisse vorgestellt und mit bestehenden Befunden abgeglichen. Diese werden in einem n&#228;chsten Schritt zusammenf&#252;hrend diskutiert. Anschlie&#223;end werden aus den Befunden Implikationen f&#252;r die Schul- und Unterrichtsentwicklung abgeleitet und Schlussfolgerungen gezogen, wie (angehende) Lehrkr&#228;fte auf die Bed&#252;rfnisse der Neuzugewanderten eingehen und sie st&#228;rker im Unterricht unterst&#252;tzen k&#246;nnen. Der Beitrag endet mit einem Ausblick.</p>
<p>Ziel ist es, ein Bewusstsein f&#252;r die herausfordernde Lage von neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen in regul&#228;ren Bildungsg&#228;ngen des Berufsbildungssystems zu schaffen und transparent zu machen, welche Strategien neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen eigenst&#228;ndig im Unterricht entwickeln, um diesem zu folgen. Vor diesem Hintergrund soll (angehenden) Lehrkr&#228;ften die Notwendigkeit aufgezeigt werden, im Sinne eines sprachsensiblen Fachunterrichts grunds&#228;tzlich allen Sch&#252;ler*innen und im Spezifischen Neuzugewanderten gezielt Strategien und Unterst&#252;tzungsm&#246;glichkeiten zum Lernen der deutschen Bildungs-, Fach- und Berufssprache bereitzustellen.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Aktuelle Situation von Neuzugewanderten im Berufsbildungssystem</title>
<p>In den letzten zehn Jahren ist ein deutlicher Anstieg empirischer Untersuchungen im (Berufs)Bildungssystem im Kontext von Migration zu verzeichnen. Die unterschiedlichen disziplin&#228;ren Zug&#228;nge und spezifischen Forschungsfoki zeigen, dass die bildungs- und fachsprachlichen Anforderungen im Deutschen eine zentrale Voraussetzung f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen darstellen, um Bildungs- sowie Berufsabschl&#252;sse zu erreichen; dies l&#228;sst sich sowohl aus der Perspektive der Lehrkr&#228;fte im allgemeinbildenden sowie berufsbildenden Schulsystem (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Eberhard 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Hotarek 2023</xref>), als auch schulform&#252;bergreifend aus der Perspektive der neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen selbst (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Massumi 2019</xref>) sowie aus der Perspektive von Ausbilder*innen in der dualen Ausbildung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Scheiermann 2022</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Tratt 2020</xref>) best&#228;tigen. Vor diesem Hintergrund l&#228;sst sich u.a. auch erkl&#228;ren, dass die Bildungsbeteiligung von neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen deutlich niedriger ist, als von Sch&#252;ler*innen, die von Anfang an ihre Schulbiografie in Deutschland durchlaufen haben, und Neuzugewanderte deutlich h&#228;ufiger eine Hauptschule besuchen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Emmerich/Hormel/Kemper 2020</xref>) und das Bildungssystem ohne einen Schulabschluss verlassen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Will/Becker/Winkler 2022</xref>).<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref></p>
<p>Mit Blick auf eine berufliche Ausbildung (sowohl dual als auch in Vollzeit) liegen weitaus weniger differenzierte Daten vor:<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> So l&#228;sst sich lediglich belegen, dass seit 2015 immer mehr Betriebe gefl&#252;chtete Auszubildende aufnehmen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Gerhards 2022</xref>), auch wenn ihre Einstellungschancen f&#252;r eine betriebliche Ausbildung gegen&#252;ber Nicht-Gefl&#252;chteten nach wie vor geringer sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">BIBB 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B9">Eberhard/Schu&#223; 2021</xref>). Hinzu kommt, dass Gefl&#252;chtete gegen&#252;ber Nicht-Gefl&#252;chteten deutlich h&#228;ufiger ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig l&#246;sen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Kirchh&#246;fer 2022</xref>) und ausl&#228;ndische Staatsangeh&#246;rige im Vergleich zu deutschen Staatsangeh&#246;rigen deutlich seltener die Abschlusspr&#252;fung bestehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">BIBB 2023</xref>). Darunter schlie&#223;en Auszubildende mit Fluchthintergrund ihre Ausbildung seltener erfolgreich ab, als jene ohne Fluchthintergrund (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Granato/Christ 2022</xref>). Insgesamt erlangen &#252;berproportional viele Personen mit eigener Migrationserfahrung keinen Berufsabschluss (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">BIBB 2023</xref>).</p>
<p>Befunde im Rahmen der beruflichen Ausbildung machen deutlich, dass Lehrkr&#228;fte die bildungs- und fachsprachlichen Voraussetzungen von neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen nicht (ad&#228;quat) ber&#252;cksichtigen: Lehrkr&#228;fte selbst geben an, dass sie durch ihre sprachlich heterogene Sch&#252;ler*innenschaft &#252;berfordert sind und sie daher als Reaktion im Unterricht &#252;berwiegend die Sprache im Unterricht vereinfachen und fachliche Inhalte reduzieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Eberhard 2016</xref>). Neu zugewanderte Auszubildende bzw. Sch&#252;ler*innen konstatieren, dass ihre sprachlichen Voraussetzungen im schulischen Teil ihrer Ausbildung im Unterricht nicht ber&#252;cksichtigt werden, weder mit Blick auf die bildungs- und fachsprachlichen Anforderungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Havkic/&#8205;Dohmann/&#8205;Domenech/&#8205;Niederhaus 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B19">Kirchh&#246;fer 2022</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B29">Rusert/&#8205;Stein 2022</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B5">Daase/Fleiner 2024</xref>) noch mit Blick auf ihre mehrsprachigen Ressourcen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Massumi 2019</xref>). Aus der betrieblichen Perspektive hingegen wird selten die Leistungsf&#228;higkeit von Gefl&#252;chteten im Betrieb als herausfordernd bewertet, da vorrangig neben den Lebensbedingungen von Gefl&#252;chteten fehlende Kompetenzen in der deutschen Sprache problematisiert werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Tratt 2020</xref>). Die Motivation und die Leistungsbereitschaft zu lernen, wie oftmals angenommen wird, scheinen folglich kein Hindernis darzustellen. Herausfordernd sind andere Aspekte, deren Auswirkungen sich f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen als ma&#223;gebend darstellen und in dieser Erhebung, ankn&#252;pfend an Havkic et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B16">2018</xref>), herausgestellt werden.</p>
<p>Havkic et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B16">2018</xref>) untersuchen auf der Grundlage von Leitfadeninterviews die Wahrnehmung des Fachunterrichts von neu zugewanderten Schu&#776;ler*innen in Regelklassen an berufsbildenden Schulen. Die Autorinnen identifizieren die sprachbezogenen Anforderungen als besondere Herausforderungen bei den Lernenden und arbeiten Ressourcen sowie Bewa&#776;ltigungsstrategien der untersuchten Schu&#776;ler*innen heraus. Sie kommen zu dem Schluss, dass neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen mediale und soziale Ressourcen nutzen, um die (fach-)sprachlichen Anforderungen im Unterricht eigenst&#228;ndig zu erschlie&#223;en (vgl. ebd.). Kooperatives Arbeiten und eine angenehme Lernatmosph&#228;re werden von neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen als wichtige Unterst&#252;tzung wahrgenommen, wodurch auch ein Lernen in Regelklassen positiv bewertet werden kann (vgl. ebd.). Im Anschluss an die vorliegende Untersuchung sollen ebenfalls sprachliche Bildungsherausforderungen im Fachunterricht von neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen an berufsbildenden Schulen sowie ihre Strategien &#8211; sowohl innerhalb als auch au&#223;erhalb des Unterrichts und ggf. Praxisphasen &#8211; identifiziert werden.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Untersuchungsdesign und Untersuchungsteilnehmende</title>
<p>Erkenntnisleitend f&#252;r die vorliegende empirische Untersuchung im Anschluss an Havcik et al. (2018) ist, herauszufinden, inwieweit neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen der berufsbildenden Schule aus ihrer Perspektive sich mit sprachlichen Bildungsherausforderungen im Fachunterricht &#8211; und ggf. auch in den schulisch eingebetteten Praxisphasen &#8211; auseinandersetzen m&#252;ssen und welche Auswirkungen diese Herausforderungen auf sie und ihr Lernen haben. Ebenso ist erkenntnisleitend herauszufinden, auf welche Strategien sie zur&#252;ckgreifen, um sprachliche sowie inhaltliche Anforderungen im Unterricht und ggf. in Praxisphasen zu bew&#228;ltigen.</p>
<p>Dem Erkenntnisinteresse liegen drei zentrale Fragen zugrunde:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Inwieweit sind neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen in der Lage, angesichts sprachlicher Anforderungen dem Fachunterricht zu folgen und ggf. in schulisch eingebundenen Praxisphasen zurechtzukommen?</p></list-item>
<list-item><p>Welche Aspekte oder Situationen des Fachunterrichts werden von neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen im Unterricht als besonders positiv, welche als besonders herausfordernd erlebt und welche Auswirkungen hat das?</p></list-item>
<list-item><p>Auf welche Ressourcen und Strategien greifen die neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen zur&#252;ck, um genannten Herausforderungen zu begegnen?</p></list-item>
</list>
<p>Um diese Fragen datenbasiert zu beantworten, wurden im Jahr 2023 sechs problemzentrierte Leitfadeninterviews (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Lamnek 2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B38">Witzel 1985</xref>) auf Deutsch in einem Umfang von 30-45 Minuten in einem leeren Klassenraum durchgef&#252;hrt und auf Tonband aufgenommen. Hierzu wurden insgesamt vier Auszubildende von Berufsschulen mit dem Schwerpunkt Pflege und zwei Sch&#252;ler*innen von Berufskollegs mit dem Schwerpunkt Gesundheit und Soziales innerhalb eines Regierungsbezirks in Nordrhein-Westfalen befragt.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> Es wurden Untersuchungsteilnehmer*innen aus drei verschiedenen Bildungsg&#228;ngen und vier verschiedenen berufsbildenden Schulen gew&#228;hlt (<xref ref-type="table" rid="T1">Tab. 1</xref>). Die Namen der Interviewpersonen wurden pseudonymisiert.</p>
<p>Alle Befragten befanden sich zum Zeitpunkt der Erhebung seit weniger als acht Jahren, aber seit mindestens 16 Monaten in Deutschland. Sie stammen aus Syrien, Usbekistan, der T&#252;rkei (2), Aserbaidschan und dem Iran und waren zum Zeitpunkt der Interviews zwischen 22 und 42 Jahren alt. Die H&#228;lfte der Untersuchungsteilnehmer*innen hatte bereits vor ihrer Einreise nach Deutschland mit dem Erlernen der deutschen Sprache begonnen. Vier Personen haben bereits eine abgeschlossene Ausbildung bzw. ein Studium absolviert.</p>
<table-wrap id="T1">
<caption>
<p>Tabelle 1: &#220;bersicht &#252;ber ausgew&#228;hlte Informationen der Interviewteilnehmer*innen</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Befragte (Alter)</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Zeitpunkt der Migration</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Sprache(n) neben Deutsch</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Bisherige berufliche T&#228;tigkeiten und Ausbildung</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Erlernen der deutschen Sprache</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Aktuell besuchter Bildungsgang</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>(Berufs-)Abschluss</bold></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Milena (42 Jahre)</td>
<td align="left" valign="top">(Ende) 2015</td>
<td align="left" valign="top">Arabisch Armenisch Englisch</td>
<td align="left" valign="top">Lehramt (Englisch) in Syrien</td>
<td align="left" valign="top">Deutschkurs in Deutschland (bis B2)</td>
<td align="left" valign="top">Zweij&#228;hrige Berufsfachschule</td>
<td align="left" valign="top">Staatl. anerkannt*e Kinderpfleger*in</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Alena (22 Jahre)</td>
<td align="left" valign="top">2020</td>
<td align="left" valign="top">T&#252;rkisch</td>
<td align="left" valign="top">Di&#228;tassistentin</td>
<td align="left" valign="top">Deutschkurs in der T&#252;rkei (bis A1) Deutschkurs in Deutschland (bis B1)</td>
<td align="left" valign="top">Zweij&#228;hrige Fachhochschulreife</td>
<td align="left" valign="top">keine, &#220;bungsleiterschein Breitensport Trainer C</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Aziza (23 Jahre)</td>
<td align="left" valign="top">2018</td>
<td align="left" valign="top">Usbekisch</td>
<td align="left" valign="top">Studium (keine n&#228;heren Angaben)</td>
<td align="left" valign="top">Au-Pair in Deutschland</td>
<td align="left" valign="middle" rowspan="4">Dreij&#228;hrige Berufsschule zum Pflegefachmann/ zur Pflegefachfrau</td>
<td align="left" valign="middle" rowspan="4">Pflegefachmann/ Pflegefachfrau</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Elin (28 Jahre)</td>
<td align="left" valign="top">2018</td>
<td align="left" valign="top">T&#252;rkisch Englisch</td>
<td align="left" valign="top">keine</td>
<td align="left" valign="top">Privatsprachkurs in der T&#252;rkei</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Leyla (35 Jahre)</td>
<td align="left" valign="top">2018</td>
<td align="left" valign="top">Aserbaidschanisch Russisch T&#252;rkisch</td>
<td align="left" valign="top">keine</td>
<td align="left" valign="top">Deutschkurs in Deutschland (bis B2)</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Masud (28 Jahre)</td>
<td align="left" valign="top">2021</td>
<td align="left" valign="top">Farsi Englisch</td>
<td align="left" valign="top">Pfleget&#228;tigkeit im Iran Informatikstudium (B.Sc.) in Deutschland Pflegepraktikum in Deutschland</td>
<td align="left" valign="top">selbstst&#228;ndig im Iran</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Die als Tonaufnahmen aufgezeichneten Interviews wurden vollst&#228;ndig in Anlehnung an Kuckartz (<xref ref-type="bibr" rid="B23">2010</xref>) transkribiert und mit Hilfe von MAXQDA inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Entwicklung der Analysekategorien folgte einem deduktiv-induktiv gemischten Vorgehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Kuckartz/R&#228;diker 2022</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B31">Schreier 2014</xref>): Die Oberkategorien (sprachlicher Einbezug in den Unterricht und ggf. in Praxisphasen, sprachliche Herausforderungen, Auswirkungen und Strategien) wurden theoriegeleitet ermittelt, w&#228;hrend die Unterkategorien, wie die Unterst&#252;tzung von Mitsch&#252;ler*innen und Lehrenden sowie die multiplen Auswirkungen zun&#228;chst datenbasiert entwickelt und mit Befunden vorliegender Studien abgeglichen wurden. Ausschnitte der Interviews, die im Folgenden unter Angabe der Passagenzahl zitiert werden, sind zur besseren Lesbarkeit grammatikalisch gegl&#228;ttet.</p>
</sec>
<sec>
<title>4 Sprachliche Bildung bei Neuzugewanderten in der beruflichen Bildung: sprachlicher Einbezug, Bildungsherausforderungen, Auswirkungen und Strategien</title>
<p>Im Folgenden wird aus der Perspektive der befragten neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen aufgezeigt, inwieweit sie in den Fachunterricht der berufsbildenden Schule sprachlich einbezogen werden, sich sprachlichen Bildungsherausforderungen im Fachunterricht konfrontiert sehen, welche Auswirkungen dies auf sie und ihr Lernen hat und wie sie mit m&#246;glichen Herausforderungen umgehen. Sofern die Untersuchungsteilnehmer*innen ihre schulisch eingebundenen Praxisphasen thematisieren, werden diese in die Analyse einbezogen.</p>
<sec>
<title>4.1 Sprachlicher Einbezug in den Fachunterricht durch Lehrkr&#228;fte und in Praxisphasen durch Anleiter*innen</title>
<p>Keine der Untersuchungspersonen berichtet mit Blick auf den sprachlichen Einbezug von positiven Erfahrungen im Fachunterricht, da niemand einen an ihre individuellen Sprachvoraussetzungen angepassten Unterricht erf&#228;hrt. Der Unterricht der Befragten orientiert sich an der Mehrheit der Mitsch&#252;ler*innen, die in Deutschland sozialisiert sind und sich nicht im Deutschspracherwerb befinden und so auch nicht auf Englisch als potentielle &#8222;Br&#252;ckensprache&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B28">Roth 2018: 198</xref>), welche einige Untersuchungspersonen beherrschen, zur&#252;ckgreifen. Lediglich eine Lehrkraft teilt einer Untersuchungsteilnehmerin manchmal (aber nicht immer) einen sog. <italic>Hilfszettel</italic> in deutscher Sprache aus, auf dem die Unterrichtsinhalte zusammengefasst sind und mit dem diese zu Hause nachgearbeitet werden k&#246;nnen.</p>
<p><monospace>Das ist f&#252;r mich ein bisschen leichter, also besser, weil manchmal verstehe ich die Lehrerin nicht. Aber wenn ich lese und &#252;bersetze, hilft mir das. (Alena: 180-185).</monospace></p>
<p>Alena erlebt die von der Lehrkraft ausgeteilte Zusammenfassung als Erleichterung, um &#8211; wenngleich nicht im Unterricht, aber zumindest zu Hause &#8211; schneller die Inhalte aus dem Fachunterricht nachzuarbeiten und zu verstehen. F&#252;r den unmittelbaren Unterrichtsverlauf bieten diese Hilfszettel jedoch keine Unterst&#252;tzung.</p>
<p>Im Gegensatz zum Fachunterricht in der beruflichen Schule erleben einige Untersuchungspersonen in der Praxis, die im Rahmen ihrer Ausbildung einen obligaten Bestandteil zur Professionalisierung darstellt und in dieser Erhebung im Krankenhaus stattfindet, mehr Orientierungs- und Unterst&#252;tzungshilfen in Bezug auf ihre (noch) unzureichenden Deutschkenntnisse. So nutzen einige neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen erfahrene Kolleg*innen in fachlich anspruchsvollen Situationen als sprachliche Vorbilder:</p>
<p><monospace>Ich kann immer mit ihr [der Praxisanleiterin; Anm. A.K./M.M.] zusammen sein. Ich wollte immer h&#246;ren, in welcher Situation sie was sagt. Oder wenn sie ins Zimmer geht, wie sie die Kommunikation anf&#228;ngt. Dann habe ich das gelernt. Danach habe ich ganz alleine viel gemacht. Ich habe in meinem Praktikum immer sehr gute oder gute Noten bekommen. (Leyla: 140).</monospace></p>
<p>Gleichzeitig hilft es den Befragten in der Praxis auch, wenn durch visuelle Unterst&#252;tzung oder handlungsorientiert unbekannte Fachbegriffe, Ausdr&#252;cke oder Zusammenh&#228;nge erkl&#228;rt oder veranschaulicht werden. So berichtet Leyla begeistert von ihrer Praxiserfahrung:</p>
<p><monospace>In der Praxis war es total super! Ja, ich bin TOTAL zufrieden! Mein erster Einsatz war super, super gut. Und meine Kolleginnen, ich w&#252;rde so sagen 80 % der Kolleginnen, waren super verst&#228;ndlich. Sie waren immer empathisch. [&#8230;] Ich nenne jetzt ein Beispiel: Bettpfanne. Ich habe auf Deutsch nur eine Pfanne gelernt. Ja, diese Pfanne, mit der wir kochen, etwas braten. Und bei Bettpfanne, ich wusste nicht, was das bedeutet. Und eine Kollegin sagte: &#8218;Das ist gar kein Problem. Wir zeigen es dir.&#8216; Das war super nett. [&#8230;] Toll! Richtig supertoll. Ich habe nur in der Schule Probleme. Leider. (Leyla: 113-120).</monospace></p>
<p>Das Verst&#228;ndnis der Kolleg*innen in der Praxis f&#252;r die (noch) unzureichenden Deutschkenntnisse und die situationsbezogene Unterst&#252;tzung empfinden auch andere befragte Neuzugewanderte als entlastend und positiv, da sie Zusammenh&#228;nge besser verstehen und bessere Noten in den Praxisteilen ihrer Ausbildung erhalten. Das hat f&#252;r die Untersuchungsteilnehmer*innen zur Folge, dass ihr Wohlbefinden und ihre Motivation in der betrieblichen Praxis h&#246;her als im Schulunterricht sind.</p>
<p>Insgesamt l&#228;sst sich &#8211; wie auch <xref ref-type="bibr" rid="B8">Eberhardt 2016</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B16">Havkic et al. 2018</xref> &#8211; festhalten, dass die befragten neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen in der berufsbildenden Schule keinen sprachsensiblen Fachunterricht erfahren, der ihre individuellen bildungs- und fachsprachlichen Voraussetzungen im Deutschen sowie ihre mehrsprachigen Ressourcen einbezieht. Aus diesem Grund werden die Neuzugewanderten mit zahlreichen sprachlichen Bildungsherausforderungen im Fachunterricht konfrontiert (vgl. Kap. 4.2).</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Sprachliche Bildungsherausforderungen im Fachunterricht</title>
<p>Alle Untersuchungsteilnehmer*innen &#228;u&#223;ern, dass sie die sprachlichen Anforderungen im Unterricht ihrer Ausbildung als herausfordernd erleben und sie dadurch dem Fachunterricht schlechter folgen und Fachinhalte schlechter erschlie&#223;en k&#246;nnen als ihre Mitsch&#252;ler*innen, die in Deutschland sozialisiert sind und ihren Spracherwerbsprozess im Deutschen von Anfang an bzw. zu Beginn ihrer formalen Bildungsbiographie in Deutschland durchlaufen haben. Die befragten Neuzugewanderten thematisieren, dass sie sich diesen Mitsch&#252;ler*innen gegen&#252;ber benachteiligt f&#252;hlen. Aziza (96&#8211;99) sagt dazu:</p>
<p><monospace>Die verstehen ganz anders die deutsche Sprache als wir [neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen; Anm. A.K./M.M.]. [&#8230;] Das ist echt/ irgendwie// Also da kann man f&#252;hlen, dass du anders bist, als die Anderen. Ja, deswegen ist das f&#252;r mich diskriminierend.</monospace></p>
<p>Die Untersuchungspersonen bemerken ihre noch unzureichenden Kenntnisse in der deutschen Bildungs- und Fachsprache und halten fest, dass ihnen die Voraussetzungen des jeweiligen Bildungsgangs z.T. nicht bzw. nicht vollst&#228;ndig deutlich sind. Ohne Ausnahme berichten die Untersuchungsteilnehmer*innen, dass ihre individuellen Voraussetzungen in Bezug auf die deutsche Sprache im Fachunterricht von den Lehrkr&#228;ften nicht ber&#252;cksichtigt w&#252;rden und sie daher Fachinhalte im Unterricht verz&#246;gert verstehen. So berichtet Leyla:</p>
<p><monospace>Ja, nat&#252;rlich, sie [die Lehrkr&#228;fte; Anm. A.K./M.M.] m&#252;ssen nichts machen, aber &#8211; ich finde &#8211; Material k&#246;nnen sie auch f&#252;r unser Sprachniveau w&#228;hlen. Oder Pr&#252;fungen, Klausuren zum Beispiel: Sie denken nur, dass Muttersprachler das verstehen. Aber das ist unterschiedlich. Ich besch&#228;ftige mich nach dem Unterricht den ganzen Tag mit diesen Aufgaben. Aber sie gibt nur 15/20 Minuten Zeit.</monospace> (Leyla: 62&#8211;65).</p>
<p>Weiter stellt sie fest, dass die fehlende binnendifferenzierte Vorgehensweise der Lehrkr&#228;fte mit der geringen Anzahl an Sch&#252;ler*innen, die nicht &#252;ber hinreichende Deutschkenntnisse verf&#252;gen, erkl&#228;rbar ist:</p>
<p><monospace>Ich habe gedacht, diese Ausbildung wird f&#252;r mich gut, aber sie ist nicht gut. Ich finde sie total schwierig. In meiner Klasse sind vier Teilnehmer, die nicht gut Deutsch sprechen k&#246;nnen. Au&#223;er uns sind fast alle Deutsche oder hier Geborene. Deshalb haben sie keine deutschen Sprachprobleme. [&#8230;] Die Themen oder Erkl&#228;rung sind fast /&#228;hm/ meistens oder ich w&#252;rde so sagen meistens auf ihrem Niveau. (Leyla: 54&#8211;57).</monospace></p>
<p>Unzureichende Zeit, um Fachinhalte, z.B. Fachtexte oder Aufgabenstellungen, zu verstehen, wird von allen Befragten problematisiert und dies z.T. auch im Vergleich zu ihren Mitsch&#252;ler*innen, die in Deutschland ihre Bildungsbiographie durchlaufen haben:</p>
<p><monospace>Ich brauche ein bisschen Zeit. Mehr als all die Anderen. Ich brauche Zeit zum Verstehen, welches Thema das ist und so. (Milena: 48&#8211;49).</monospace></p>
<p>Das hat zur Folge, dass die Untersuchungsteilnehmer*innen den Anschluss an den Unterricht verlieren, was sich negativ auf das weitere Verst&#228;ndnis und ihre Benotung auswirkt.</p>
<p>Einige Untersuchungsteilnehmende berichten, dass W&#246;rterb&#252;cher, wie z.B. deutsch-arabisch/arabisch-deutsch, zur Verf&#252;gung stehen, im Unterricht jedoch nicht benutzt werden (k&#246;nnen), da das Nachschlagen zum einen zu zeitaufw&#228;ndig und zum anderen zu ungenau sei. Des Weiteren wird die Verwendung einsprachig deutscher W&#246;rterb&#252;cher nicht erkl&#228;rt, englische W&#246;rterb&#252;cher werden von keinem/keiner der Befragten erw&#228;hnt. Zum Teil werden einigen Untersuchungsteilnehmer*innen in Klassenarbeiten W&#246;rterb&#252;cher jedoch ohne zus&#228;tzliche Bearbeitungszeit bereitgestellt, sodass sie diese selten benutzen (k&#246;nnen), auch wenn sie sie ben&#246;tigen:</p>
<p><monospace>In der Klausur habe ich meistens Probleme. [&#8230;] Im W&#246;rterbuch alles zu suchen, das alles dauert Zeit. (Leyla: 354).</monospace></p>
<p>Dass die Nutzung von W&#246;rterb&#252;chern im Unterricht oder in Klassenarbeiten f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen nicht effektiv ist, belegen auch <xref ref-type="bibr" rid="B16">Havkic et al. 2018</xref>.</p>
<p>Selten wird Anschauungsmaterial in der Schule genutzt, das den neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen erm&#246;glichen w&#252;rde, Fachinhalte besser nachzuvollziehen. Neben dem erschwerten Verst&#228;ndnis der Fachinhalte aufgrund der bildungs- und fachsprachlichen Anforderungen berichten Untersuchungsteilnehmer*innen auch davon, dass sie sich nicht gut bzw. verst&#228;ndlich auf Deutsch ausdr&#252;cken k&#246;nnen, auch wenn sie einen Fachinhalt verstanden haben:</p>
<p><monospace>Und wenn ich mitmache, kann ich nicht so lange sprechen. Ich sage zum Beispiel einen Satz oder zwei S&#228;tze, aber die Lehrer verstehen nicht, was ich sage oder was ich meine. (Milena: 48-50).</monospace></p>
<p>Die Untersuchungsteilnehmer*innen stehen folglich vor der Herausforderung nicht nur Fachinhalte zu erschlie&#223;en, sondern parallel eine neue Sprache zu verstehen und zu lernen; darunter auch Begriffe, Ausdr&#252;cke, Satzstrukturen, die es in ihrer Erstsprache (und weiteren beherrschten Sprachen) m&#246;glicherweise so nicht gibt (vgl. hierzu auch <xref ref-type="bibr" rid="B35">Weis 2013</xref>), da im Deutschen viele Begrifflichkeiten existieren, die kontextuell unterschiedlich gebraucht werden oder nicht eins zu eins &#252;bersetzbar sind:</p>
<p><monospace>Ich nenne jetzt ein Beispiel: Bettpfanne. Ich habe auf Deutsch nur eine Pfanne gelernt. Ja, in dieser Pfanne kochen wir, braten wir etwas. Und wenn ich Bettpfanne, was bedeutet das? Das ich wusste nicht. (Leyla: 115&#8211;117).</monospace></p>
<p>Als herausfordernd erleben die Befragten h&#228;ufig auch den Kontakt zu ihren Mitsch&#252;ler*innen, auf die sie im Unterricht oftmals nicht als Unterst&#252;tzung zur&#252;ckgreifen (k&#246;nnen) (vgl. hierzu auch <xref ref-type="bibr" rid="B36">Wernicke 2019</xref>). Einige berichten von einer Distanz der bzw. zu Klassenkamerad*innen und differenzieren zwischen neu zugewanderten und in Deutschland sozialisierten Sch&#252;ler*innen:</p>
<p><monospace>In der Schule ist das so zweigeteilt. Gegenseitiges Vertrauen ist nicht aufgebaut worden. Denn die vertrauen uns nicht und wir vertrauen denen nicht. Ich f&#252;hle das immer so. [&#8230;] Jetzt ist es mir ganz egal, ob die im Privaten etwas ohne mich machen. [&#8230;] Aber ich denke es w&#228;re wirklich besser, wenn wir allt&#228;gliche Gespr&#228;che mit denen f&#252;hren k&#246;nnten. (Elin: 108&#8211;112).</monospace></p>
<p>Eine Befragte problematisiert zus&#228;tzlich, dass sie mit 35 Jahren deutlich &#228;lter ist als ihre Mitsch&#252;ler*innen und ihr dadurch der soziale Anschluss in der Klasse fehlt und sie auch aufgrund des Altersunterschieds den Eindruck hat, dass ihre Mitsch&#252;ler*innen sie im Unterricht nicht unterst&#252;tzen:</p>
<p><monospace>Wegen meinem Alter wahrscheinlich. Ich bin 35 Jahre alt und meine Mitsch&#252;lerinnen sind sehr jung und akzeptieren mich nicht. Sie sind nicht empathisch. (Leyla: 83&#8211;85).</monospace></p>
<p>Sie begr&#252;ndet die <monospace>&#8222;Distanz&#8220;</monospace> (Leyla: 261) ihrer Mitsch&#252;ler*innen nicht nur mit ihrem Alter, sondern auch mit ihrer Mutterrolle und ihren dadurch begrenzten Freizeitm&#246;glichkeiten:</p>
<p><monospace>Ich habe ein ganz anderes Leben. Einmal hat unsere Klasse besprochen, dass wir nach der Klausur etwas Essen und Trinken gehen. Aber ich hatte daf&#252;r keine Zeit. Ich musste nach Hause gehen und mich um meine Kinder k&#252;mmern. Ich habe keine Zeit trinken oder tanzen zu gehen. Aber daher habe ich zu allen schon mehr Distanz. Sie machen zusammen was, aber sagen mir nichts. (Leyla: 263&#8211;267).</monospace></p>
<p>Auch wenn ein vom Altersdurchschnitt der Klasse abweichendes Alter sowie eine Elternschaft grunds&#228;tzlich bei allen Sch&#252;ler*innen unabh&#228;ngig einer Migrationserfahrung dazu f&#252;hren kann, dass es schwerer ist, Anschluss an die Mitsch&#252;ler*innen bzw. Klassengemeinschaft zu bekommen, so kommen f&#252;r Neuzugewanderte erschwerend die noch unzureichenden Deutschkenntnisse und die dadurch erh&#246;hte au&#223;erschulische Belastung hinzu, z.B. weil Unterrichtsinhalte in der Freizeit nachgeholt werden m&#252;ssen, und/oder weil sie h&#228;ufiger au&#223;erhalb der Schule weniger soziale Kontakte haben (vgl. hierzu auch <xref ref-type="bibr" rid="B25">Massumi 2019</xref>).</p>
<p>Deutlich wird, dass der Fachunterricht f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen h&#228;ufig unverst&#228;ndlich ist. In NRW wird ihnen zudem offiziell kein Nachteilsausgleich gew&#228;hrt wird, damit sie in ihrem Tempo und unter R&#252;ckgriff auf Hilfsmittel die Inhalte erfassen (vgl. hierzu auch <xref ref-type="bibr" rid="B16">Havkic et al. 2018</xref>). Folglich k&#246;nnen sie dem Unterricht schwerer folgen. Dar&#252;ber hinaus zeigt sich, dass neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen in regul&#228;ren Klassen vor der Schwierigkeit stehen, von ihren Mitsch&#252;ler*innen, die in Deutschland sozialisiert sind, akzeptiert und unterst&#252;tzt zu werden (vgl. hierzu auch <xref ref-type="bibr" rid="B25">Massumi 2019</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>4.3 Emotionale und soziale Auswirkungen</title>
<p>Die Herausforderungen im Fachunterricht wirken sich auf die Untersuchungsteilnehmenden &#228;u&#223;erst belastend aus, so dass dieser als <monospace>&#8222;wirklich anstrengend&#8220; (Elin: 94)</monospace> empfunden wird. Ausnahmslos hat das f&#252;r alle Untersuchungspersonen zur Folge, dass sie im Allgemeinen Angst vor dem Unterricht und im Spezifischen davor haben, ausgegrenzt und/oder ausgelacht zu werden: <monospace>Ich habe nur Angst in meinem Unterricht (Leyla: 184)</monospace>. Viele sch&#228;men sich daher, sich am Unterricht aktiv zu beteiligen, weil sie Sorge haben, Fehler im Deutschen zu machen oder aufgrund der bereits erw&#228;hnten Schwierigkeiten im Fachunterricht, Fachinhalte nicht richtig zu verstehen bzw. wiederzugeben (vgl. hierzu auch <xref ref-type="bibr" rid="B25">Massumi 2019</xref>). Angst und Scham empfinden die Befragten auch, wenn sie nicht von konkreten negativen Erfahrungen im schulischen oder sozialen Kontext erz&#228;hlen. Ein Gro&#223;teil der Befragten f&#252;hlt sich aber von ihren Mitsch&#252;ler*innen ausgeschlossen und aufgrund ihrer unzureichenden Deutschkenntnisse stigmatisiert, was Einsamkeit und Traurigkeit zur Folge hat, wie Elin verdeutlicht:</p>
<p><monospace>So viele [neu zugewanderte; Anm. A.K./M.M] Mitsch&#252;ler haben aufgeh&#246;rt, weil die keine Sprechpartner haben. Und wir vereinsamen auch. [&#8230;] Deswegen w&#252;rde ich mir w&#252;nschen, dass es ein bisschen professioneller gehalten wird, in Gruppenarbeiten zum Beispiel. [&#8230;] Das [Ausschlie&#223;en; Anm. A.K./M.M.] macht mich traurig und beleidigt mich. [&#8230;]. Man muss ja immer teilen. Wenn man verurteilt wird, macht mich das echt traurig. (Elin: 108&#8211;127)</monospace>.</p>
<p>Die emotionalen Belastungen f&#252;hren folglich zu sozialem R&#252;ckzug in der Schule. Die Mehrheit der Befragten schr&#228;nkt die Beteiligung im Unterricht ein und meidet soziale Kontakte zu Mitsch&#252;ler*innen. Gleichzeitig berichten einige Untersuchungsteilnehmende davon, sich im schulischen Kontext <monospace>&#8222;diskriminiert&#8220;</monospace> (Elin: 118; Leyla 21) zu f&#252;hlen, wodurch sich Leyla <monospace>&#8222;richtig alleine&#8220;</monospace> (Leyla: 99) f&#252;hlt und Elin anmerkt, <monospace>&#8222;dass du anders bist&#8220; (Elin: 28)</monospace>. Sie berichten von dem aufkommenden Gef&#252;hl, anders zu sein und nicht dazuzugeh&#246;ren.</p>
<p>Die Befragten berichten, dass ihre Situation auch w&#228;hrend des Unterrichts nicht beachtet wird, wodurch sie sich gezwungen f&#252;hlen, eigenst&#228;ndig vieles nachzuarbeiten, um den Anschluss nicht zu verlieren. Folglich stehen sie unter enormem Druck und haben kaum bis keine Frei- und Erholungszeit, wie Leyla (304&#8211;307) verdeutlicht:</p>
<p><monospace>Ich arbeite auch in der Urlaubzeit, in der Freizeit, am Wochenende auch. Ich habe kein Wochenende, keine Urlaubszeit. Ich muss jeden Tag, jede Stunde etwas lernen, sonst geht es nicht.</monospace></p>
<p>Sie betont, dass <monospace>die anderen [Mitsch&#252;ler*innen; Anm. A.K./M.M.] [&#8230;] mehr Zeit f&#252;r sich [haben]. Ich habe keine Zeit f&#252;r mich. (62-66).</monospace></p>
<p>Dies betont auch Elin (12): <monospace>Ich [lerne] alles am Wochenende [nach]</monospace>.</p>
<p>Gleichzeitig fehlt den Untersuchungsteilnehmer*innen neben der Regeneration auch Zeit f&#252;r au&#223;erschulische soziale Beziehungen. Dies hat zur Folge, dass deutschsprachige Kontakte &#8211; insbesondere zu Mitsch&#252;ler*innen &#8211; h&#228;ufig begrenzt bleiben. Obwohl die Befragten z.T. versuchen, Kontakt zu ihren Mitsch&#252;ler*innen aufzubauen und auf sie zuzugehen, wenn sie etwas nicht verstehen oder Nachfragen zu den Unterrichtsinhalten haben, berichten sie von Ablehnung, welche Angst- sowie Schamgef&#252;hle und R&#252;ckzug seitens der neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen verst&#228;rken:</p>
<p><monospace>Anfangs habe ich meine Mitsch&#252;lerinnen gefragt. Danach habe ich gesehen, dass sie nicht so gerne antworten. Deshalb w&#252;rde ich nicht wieder fragen. Ich sch&#228;me mich. Und ich f&#252;hle mich unwohl, wenn ich jemandem eine Frage stelle und sie antwortet ungern. (Leyla: 82-84).</monospace></p>
<p>Die eintretende Resignation: <monospace>Ja, ich sagte, okay. Keiner, also niemand muss mir das zeigen oder mit mir lernen. Ich muss das selber machen (Masud: 189-190)</monospace>, verst&#228;rkt die Einsamkeit.</p>
<p>Die empirischen Daten verdeutlichen, dass Neuzugewanderte von einem hohen Assimilationsdruck in Form eines starken Leistungsdrucks und eines starken Willens, die deutsche Sprache zu erlernen, getrieben sind.</p>
<p><monospace>Alle Leute sagen: &#8218;Du sprichst gut.&#8216; Aber ich bin nicht zufrieden mit meiner Sprache. [&#8230;] Ich muss perfekt sein. (Milena: 97-102)</monospace>.</p>
<p>Sowohl durch den inneren Antrieb als auch durch externe Herausforderungen, sei es die Aufgabenstellungen der Lehrpersonen, der Zeitmangel, als auch die Anforderungen der Leistungs- und Bewertungsnormen oder Hemmungen gegen&#252;ber Mitsch&#252;ler*innen, nehmen sie sich bei der aktiven Beteiligung im Unterricht oft zur&#252;ck:</p>
<p><monospace>Ich sch&#228;me mich einfach. [&#8230;] Das kann ich nicht ver&#228;ndern. Ich versuche es immer wieder, aber das geht nicht, (Aziza: 37&#8211;39)</monospace>.</p>
<p>Der von ihnen ausgehende und geforderte Perfektionismus l&#228;sst ihnen kaum die M&#246;glichkeit durch Fehler zu lernen und ihre Deutschkenntnisse implizit zu st&#228;rken. Aziza (24-25) betont zudem:</p>
<p><monospace>Ich versuche immer wie die Deutschen zu sprechen [&#8230;] ich will, wie die Leute hier sein</monospace>.</p>
<p>Zu betonen ist, dass diese Gef&#252;hle bei allen Befragten auftreten und auch einen Grund liefern, weshalb sich neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen belastet und unter Druck gesetzt oder isoliert f&#252;hlen bzw. sich isolieren und die m&#252;ndliche Beteiligung gering ist bzw. geringer ist, als sie potenziell sein k&#246;nnte. Erschreckend ist, dass &#8211; im Gegensatz zu bereits skizzierten Praxisphasen in der Ausbildung &#8211; keine befragte Person positive Gef&#252;hle in Bezug auf den Fachunterricht erw&#228;hnt und dieser somit schwerlich ein Entfaltungsraum sein kann.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.4 Strategien zur Erschlie&#223;ung der fachlichen und sprachlichen Anforderungen</title>
<p>Da die befragten Neuzugewanderten keinen sprachsensiblen Fachunterricht erleben und den Anschluss an den Unterricht nicht verpassen m&#246;chten, wenden sie unterschiedliche Strategien an, um den genannten Herausforderungen zu begegnen. Das Datenmaterial offenbart, dass diese Strategien zwischen Schule und zu Hause differieren (<xref ref-type="table" rid="T2">Tab. 2</xref>). Anzumerken ist, dass niemand auf au&#223;erschulische Bildungseinrichtung oder ehrenamtliche Strukturen zur&#252;ckgreift, um fachliche Inhalte aufzuarbeiten oder die deutsche Sprache zu verbessern.</p>
<table-wrap id="T2">
<caption>
<p>Tab. 2: &#220;bersicht &#252;ber Strategien der Befragten</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Befragte</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Strategien in der Schule</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Strategien zu Hause</bold></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Milena</td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>arabischsprachige Erkl&#228;rungen einer Mitsch&#252;lerin einfordern</p></list-item>
<list-item><p>mit Hilfe einer App &#252;bersetzen</p></list-item>
<list-item><p>googeln</p></list-item>
</list></td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>mit Hilfe einer App &#252;bersetzen</p></list-item>
<list-item><p>googeln</p></list-item>
<list-item><p>Online-Videos sehen und h&#246;ren</p></list-item>
</list></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Alena</td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>mit Hilfe einer App &#252;bersetzen</p></list-item>
<list-item><p>intensiv lesen und eigenst&#228;ndig &#252;bersetzen</p></list-item>
</list></td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>mit Hilfe einer App &#252;bersetzen</p></list-item>
<list-item><p>YouTube-Videos (z.T. mit Untertitel) sehen und h&#246;ren</p></list-item>
<list-item><p>lesen</p></list-item>
</list></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Aziza</td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>googeln</p></list-item>
<list-item><p>deutschsprachige Erkl&#228;rungen von Mitsch&#252;ler*innen einfordern</p></list-item>
</list></td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>Tonaufnahmen aus dem Unterricht nacharbeiten</p></list-item>
<list-item><p>Unverstandenes aufschreiben und googeln</p></list-item>
<list-item><p>abschreiben und auswendig lernen</p></list-item>
</list></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Elin</td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>Lehrkr&#228;fte fragen</p></list-item>
</list></td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>lesen und &#252;bersetzen (unbekannte W&#246;rter im t&#252;rkischen W&#246;rterbuch nachschlagen)</p></list-item>
<list-item><p>W&#246;rter aus dem T&#252;rkischen ableiten</p></list-item>
<list-item><p>schreiben</p></list-item>
<list-item><p>Synonyme bilden</p></list-item>
<list-item><p>eigene S&#228;tze formulieren</p></list-item>
</list></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Leyla</td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>zuh&#246;ren</p></list-item>
<list-item><p>lesen und eigenst&#228;ndig &#252;bersetzen</p></list-item>
<list-item><p>Lehrkr&#228;fte fragen</p></list-item>
</list></td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>mit Hilfe einer App &#252;bersetzen</p></list-item>
<list-item><p>schreiben und &#252;bersetzen</p></list-item>
<list-item><p>laut lesen und &#252;bersetzen</p></list-item>
<list-item><p>t&#228;glich wiederholen</p></list-item>
</list></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Masud</td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>mit Hilfe einer App &#252;bersetzen</p></list-item>
</list></td>
<td align="left" valign="top"><list list-type="bullet">
<list-item><p>Grammatik- und W&#246;rterb&#252;cher (deutsch-farsi und deutsch-englisch) nutzen</p></list-item>
<list-item><p>googeln</p></list-item>
<list-item><p>t&#228;glich wiederholen</p></list-item>
<list-item><p>Podcasts zu Fachthemen h&#246;ren</p></list-item>
<list-item><p>Serien mit Untertiteln schauen</p></list-item>
</list></td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<sec>
<title>4.4.1 Strategien im Unterricht</title>
<p>Die markanteste und meistgenannte Lernstrategie der befragten neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen im Unterricht ist die Nutzung von internetgebundenen &#220;bersetzer-Apps auf dem Handy. &#220;ber diese k&#246;nnen einzelne W&#246;rter oder ganze Texte eingegeben und &#252;bersetzt werden, wodurch ein schnelleres Verst&#228;ndnis der zu bearbeitenden Fachinhalte erhofft wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Havkic et al. 2018</xref>). Manche Befragte finden eigenst&#228;ndig eine App, w&#228;hrend einige von anderen Neuzugewanderten eine App-Empfehlung erhalten. Auch die Suchmaschine Google dient z.T. als &#220;bersetzungsmedium, aber auch um visuelle Darstellungen von unbekannten Begriffen bzw. Zusammenh&#228;ngen zu erhalten. Gleichzeitig hat die Nutzung der Apps bzw. der Suchmaschine zur Folge, dass zus&#228;tzliche Zeit w&#228;hrend des Unterrichts beansprucht wird, die den Untersuchungsteilnehmenden jedoch nicht zur Verf&#252;gung gestellt wird, und sie folglich den weiteren Unterrichtsanschluss verpassen (s. Kap. 4.2). So berichtet Leyla (225): <monospace>&#8222;Im Unterricht kann ich nicht arbeiten mit dieser App&#8220;</monospace>. Manchmal versuchen einige auch Fachtexte und Aufgabenstellungen eigenst&#228;ndig ohne Hilfsmittel im Unterricht, h&#228;ufig mit Hilfe von freien &#220;bersetzungen, zu verstehen, was jedoch ebenso zeitaufw&#228;ndig ist. Eine Befragte nutzt heimlich Tonaufnahmen ihrer Lehrkr&#228;fte, um das Gesagte nach dem Unterricht besser nacharbeiten zu k&#246;nnen:</p>
<p><monospace>Manchmal wenn die Lehrer etwas erkl&#228;ren, dann schalte ich meine Aufnahme auf meinem Handy ein. Das ist mein Geheimnis. So kann ich das auch zu Hause einfach f&#252;r mich h&#246;ren. Aber das habe ich bisher niemandem gesagt wegen Datenschutz. Ich teile mit niemandem diese Sachen. Die sind nur f&#252;r mich. Manchmal verstehe ich nicht so gut, was die sprechen und wenn ich es noch einmal h&#246;re, dann es geht besser. (Aziza: 55&#8211;60)</monospace>.</p>
<p>Im Gegensatz zu der mehrheitlich fehlenden Unterst&#252;tzung der Fachlehrkr&#228;fte erleben einige Befragte Unterst&#252;tzung durch einzelne Mitsch&#252;ler*innen im Unterricht. Dabei fordern die Neuzugewanderten die Unterst&#252;tzung aktiv ein, wenn sie im Unterricht etwas nicht verstehen oder nicht mitkommen. Dies f&#228;llt ihnen einfacher, wenn sie jenseits der deutschen Sprache eine weitere Sprache teilen, in der die Befragten sich sicherer f&#252;hlen:</p>
<p><monospace>Zum Gl&#252;ck hat mir Rana geholfen. [&#8230;] Ich habe Rana hier kennengelernt. Ich wusste nicht, dass Rana Arabisch spricht. Sie hilft mir immer, wenn ein Wort oder Thema nicht hundert Prozent verstehe. (Milena: 38&#8211;40)</monospace>.</p>
<p>Fehlen Mitsch&#252;ler*innen derselben Sprache (jenseits des Deutschen), geben die Untersuchungsteilnehmenden an, dass es schwierig sei, Mehrsprachigkeit im Unterricht miteinzubeziehen. Sie versuchen ihre Mehrsprachigkeit mit selbstst&#228;ndiger Recherche zum Verst&#228;ndnis und zur Kl&#228;rung einzelner W&#246;rter und Begriffe zu nutzen. Von den Lehrkr&#228;ften werden die mehrsprachigen Ressourcen der befragten Sch&#252;ler*innen jedoch nicht eingebunden; auch nicht Englisch, obwohl ein Teil der Untersuchungsteilnehmer*innen diese Sprache gut beherrscht. Nutzen die Befragten ihre Mehrsprachigkeit zur Erschlie&#223;ung der Fachinhalte, z.B. durch &#220;bersetzungstools oder im Austausch mit Mitsch&#252;ler*innen, lassen die Lehrkr&#228;fte sie gew&#228;hren. Das Zulassen von Mehrsprachigkeit durch Lehrkr&#228;fte im Unterricht steht entgegen bisherigen Befunden aus dem allgemeinbildenden Schulsystem, in denen die Nutzung von Mehrsprachigkeit &#252;berwiegend verboten wird (vgl. hierzu <xref ref-type="bibr" rid="B27">Panagiotopoulou/Rosen/Strzykala 2018</xref>).</p>
<p>Eine Befragte berichtet auch, dass sie sich im Unterricht die Unterst&#252;tzung deutschsprachiger Mitsch&#252;ler*innen einholt und diese als sprachliches Vorbild ansieht, um die eigenen Deutschkenntnisse zu verbessern und Kraft zu sch&#246;pfen; auch wenn oder gerade weil sie sich zwingen muss, Deutsch zu sprechen und damit ihr Deutsch zu &#252;ben:</p>
<p><monospace>Ich versuche immer wie Deutsche zu sprechen. [&#8230;] Ich kann auch so sprechen, wie ich will, aber ich will wie die Leute, die ich hier sind, sein. Also ich wei&#223; nicht, warum ich das immer machen muss, aber das kommt aus mir, also aus meinem Inneren. Die sind irgendwie f&#252;r mich einfach ein Vorbild. Das gibt mir Kraft zu lernen, um besser zu sprechen. (Aziza: 77&#8211;82)</monospace>.</p>
<p>Das Einbinden von Mitsch&#252;ler*innen, mit denen Neuzugewanderte nur die deutsche Sprache teilen, wird jedoch au&#223;er bei Aziza durch das Gef&#252;hl begleitet, eine Belastung zu sein (vgl. Kap. 4.2.1), weshalb diese Mitsch&#252;ler*innen nur selten als Ressource hinzugezogen werden.</p>
<p>Zwei Befragte nutzen die Strategie, ihre Lehrkr&#228;fte zu Rate ziehen, wenn sie einzelne Fachbegriffe oder ganze Fachtexte nicht verstehen. In beiden F&#228;llen erweist sich diese Strategie jedoch als problematisch, da die Worterl&#228;uterung meist nicht verstanden wird:</p>
<p><monospace>Ich frage alles ohne mich zu sch&#228;men. Ich frage die Lehrer, was hei&#223;t zum Beispiel Pr&#228;vention? [&#8230;] Also/ dann kommt eine Erkl&#228;rung. [&#8230;] Da sag ich mal ist die Erkl&#228;rung selbst schwerer als das Wort.&#8220; (Elin: 28-30)</monospace>.</p>
<p>Ebenfalls problematisch wird es, wenn sich m&#252;ndliche Erkl&#228;rungen der Lehrenden stark am Fachtext orientieren:</p>
<p><monospace>Obwohl ich ein Wort &#252;bersetze, wei&#223; ich trotzdem nicht, was ich machen soll. Und ich frage nach. Und die Lehrerin erkl&#228;rt, was ich schon gelesen habe. M&#252;ndlich. Das hilft mir nicht und ich sch&#228;me mich, wieder zu fragen. (Leyla: 249&#8211;251)</monospace>.</p>
<p>Es zeigt sich, dass die Strategie, Lehrkr&#228;fte oder Mitsch&#252;ler*innen aktiv um Unterst&#252;tzung zu bitten, sich als wenig hilfreich erweist.</p>
<p>Auff&#228;llig ist, dass die genannten Strategien von den Untersuchungsteilnehmenden selbst erarbeitet oder mitgebracht werden. Keine Untersuchungsperson gibt an, dass Lehrpersonen im Unterricht Strategien thematisiert bzw. sie ihnen an die Hand gegeben haben, wie sie Fachinhalte (sprachlich) erschlie&#223;en k&#246;nnen, beispielsweise Strategien der Text&#252;berarbeitung oder Hinweise auf empfehlenswerte &#220;bersetzungs-Apps.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.4.2 Strategien zu Hause</title>
<p>Wie bereits dargestellt, werden die befragten neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen in die Lage versetzt, die bearbeiteten Fachinhalte aus dem Unterricht selbstst&#228;ndig zu Hause nacharbeiten zu m&#252;ssen, damit sie den Unterrichtsinhalten folgen k&#246;nnen. So berichten alle von aktivem, selbstreflexivem und verantwortungsbewusstem Lernen, also von selbstgesteuertem Lernen, welches bereits bekannt war (vgl. hierzu auch <xref ref-type="bibr" rid="B17">Holz-Ebeling: 2017</xref>) oder situativ entwickelt wurde. Sie &#252;ben Deutsch durch lautes Lesen: <monospace>&#8222;Wenn ich nach Hause gehe, mache ich mein Zimmer zu und lese laut.&#8220; (Leyla: 154)</monospace>, durch Auswendiglernen und Abschreiben von Texten, um hierbei Wortverkn&#252;pfungen zu lernen, die ihnen &#220;bersetzer-Apps nicht nachhaltig bieten k&#246;nnen:</p>
<p><monospace>Ich schreib so viel, weil ich es sonst nicht lerne. Weil es ist nicht nur inhaltliches Lernen, ne?! (Elin: 57&#8211;58)</monospace></p>
<p>Dabei bilden sie Synonyme, um ihren Sprachwortschatz zu erweitern oder &#252;bersetzen einzelne W&#246;rter oder Textbausteine in ihre Erstsprache oder manchmal ins Englische. Auch audio-visuelle Medien, z.B. Videos auf YouTube oder das wiederholte H&#246;ren spezifischer Lernpodcasts, werden herangezogen, um (Sprach-)Routinen auf Deutsch zu entwickeln und langfristig die deutsche Bildungs- sowie Fachsprache zu lernen und Fachwissen aufzubauen:</p>
<p><monospace>Die [Podcasts; Anm. A.K./M.M] sind echt gut und haben einen positiven Einfluss auf unser H&#246;ren. [&#8230;] Vielleicht habe ich 20 Podcasts zu IT und Medizin geh&#246;rt. [&#8230;] Das ist gut f&#252;r das Allgemeine und diese Fachsprache. (Masud: 166&#8211;169)</monospace>.</p>
<p>Ebenso berichtet Masud (37&#8211;41), dass er sich durch seine Englischkenntnisse Strategien zur Erweiterung des Wortschatzes der deutschen Sprachen aneignen konnte:</p>
<p><monospace>Englisch habe ich f&#252;nf, sechs Jahre, bevor ich mit Deutsch zu lernen angefangen habe, habe ich Englisch gelernt. Kurse, ich habe besucht Englischkurse besucht und den Rest habe ich selbst gemacht</monospace>.</p>
<p>Die Untersuchungsteilnehmer*innen machen deutlich, dass sie &#252;ber Ressourcen in Form von verschiedenen Lernstrategien verf&#252;gen, auf die sie im Unterricht und insbesondere zu Hause zur&#252;ckgreifen, um Fachinhalte (verz&#246;gert) zu verstehen, sprachliche Anforderungen zu bew&#228;ltigen und ihre bildungs- und fachsprachlichen F&#228;higkeiten im Deutschen zu verbessern. Es zeigt sich, dass nicht nur diejenigen, die bereits studiert oder eine Ausbildung abgeschlossen haben, differenzierte Lernstrategien beherrschen, sondern auch diejenigen, die sich erstmalig in einer Ausbildung befinden. Es ist davon auszugehen, dass viele bereits aus ihren bisherigen Bildungskontexten diese Lernstrategien kannten oder zur Bew&#228;ltigung der vorliegenden schulischen Herausforderungen entwickelt bzw. angepasst haben und auf ihre Resilienz zur&#252;ckgreifen k&#246;nnen. Sie erweisen sich damit als handlungsf&#228;hig und trotzen den widrigen Schulbedingungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Seukwa 2006</xref>).</p>
</sec>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5 Ergebnisdiskussion: Individualisierung von Problemen statt Problematisierung struktureller Unzul&#228;nglichkeit</title>
<p>Insgesamt best&#228;tigt die vorliegende empirische Untersuchung ebenso wie bereits genannte Studien, dass die befragten neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen im Unterricht einer Regelklasse (der beruflichen Bildung), keinen sprachsensiblen Fachunterricht erfahren und ihre Mehrsprachigkeit keine Ber&#252;cksichtigung findet; auch wenn alle Lehrkr&#228;fte &#8211; wie einleitend dargestellt &#8211; dazu aufgefordert sind, die differenzierten bildungs- und fachsprachlichen Voraussetzungen der Sch&#252;ler*innen im Unterricht zu ber&#252;cksichtigen, ggf. um Deutschf&#246;rderung zu erg&#228;nzen und Mehrsprachigkeit gezielt zu nutzen.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus verweist die vorliegende Untersuchung darauf, dass neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen im Unterricht keine (Sprach)Lernstrategien an die Hand gegeben werden, mit denen sie eigenst&#228;ndig Fachinhalte und/oder bildungs- sowie fachsprachliche Strukturen verstehen, anwenden und &#252;berpr&#252;fen k&#246;nnen, sondern sie sich stattdessen eigenst&#228;ndig passende Lernstrategien erarbeiten. In der beruflichen Bildung &#8211; aber auch grunds&#228;tzlich im Bildungssystem &#8211; erweist sich dieser Umstand prinzipiell f&#252;r alle Sch&#252;ler*innen, die noch nicht &#252;ber hinreichende bildungs- und fachsprachliche F&#228;higkeiten im Deutschen verf&#252;gen, als Nachteil; f&#252;r Neuzugewanderte erweist sich dies als besonders nachteilig, da sie aufgrund ihrer Migrationserfahrung und ihres sp&#228;teren Einstiegs ins deutschen Bildungssystems die deutsche Sprache erst k&#252;rzer lernen als Mitsch&#252;ler*innen, die von Beginn an das deutsche Bildungssystem durchlaufen.</p>
<p>Die Sch&#252;ler*innen bleiben damit auf sich allein gestellt, die bildungs- und fachsprachlichen Anforderungen im Deutschen selbstst&#228;ndig zu bew&#228;ltigen. Viele greifen selbstst&#228;ndig auf bereits erlernte Strategien zur&#252;ck oder entwickeln neue Strategien, um dem Fachunterricht zu folgen, Fachinhalte zu verstehen und fachsprachliche Anforderungen zu bew&#228;ltigen. Teilweise nutzen sie aber auch Strategien, die weniger zielf&#252;hrend sind. Dies zeigt sich beispielsweise, wenn ein Gro&#223;teil der Befragten die Suchmaschine Google auch f&#252;r &#220;bersetzungen nutzt, diese jedoch ungenau und h&#228;ufig fehlerhaft sind.</p>
<p>Als problematisch erweist sich, dass die strukturellen Bedingungen im Unterricht hinderlich sind, um Lernstrategien erfolgreich anzuwenden, z.B. weil den Befragten nicht die notwendige Zeit zur Verf&#252;gung gestellt wird, sodass sie entweder den Anschluss an den folgenden Unterrichtsverlauf verpassen und/oder ihre Lernstrategien auf die selbstst&#228;ndige Arbeit zu Hause verlagern m&#252;ssen. Das wiederum hat zur Folge, dass sie erh&#246;htem Druck ausgesetzt sind, ihnen wenig Freizeit bleibt, beispielsweise zur Regeneration oder f&#252;r den Kontakt zu Mitsch&#252;ler*innen, oder diese au&#223;erschulische Nachbearbeitungszeit aufgrund famili&#228;rer Verpflichtungen, z.B. Kinder, nicht aufwenden k&#246;nnen.</p>
<p>Die Untersuchung macht deutlich, dass Sch&#252;ler*innen, die in Deutschland sozialisiert sind, von den Lehrkr&#228;ften nicht aktiv eingebunden werden, um neu zugewanderte Mitsch&#252;ler*innen im Sinne eines Lerntandems zu unterst&#252;tzen. Das Prinzip der gegenseitigen Unterst&#252;tzung h&#228;ngt eher vom Zufall ab (vgl. dazu kritisch <xref ref-type="bibr" rid="B25">Massumi 2019</xref>), wodurch sich neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen oftmals selbst um soziale Anschl&#252;sse und Unterst&#252;tzung k&#252;mmern und dabei h&#228;ufig auf Abweisung sto&#223;en. Das Potenzial, das durch Mitsch&#252;ler*innen in Regelklassen existiert, kommt faktisch nicht zum Tragen. Denn auch innerhalb von Regelklassen wirken weiterhin ausschlie&#223;ende Faktoren f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen, insbesondere aufgrund ihrer (noch) unzureichenden Deutschkenntnisse, welche eher sozialen R&#252;ckzug und Einsamkeit im Unterricht verst&#228;rken und Entfaltungsr&#228;ume hemmen.</p>
<p>Dies kann negative Auswirkungen auf das emotionale, motivationale und kognitive Befinden haben, wodurch das Lernen gehemmt wird (vgl. hierzu ebd.). Gleichzeitig zeigt sich dadurch ein erh&#246;htes Bestreben dazuzugeh&#246;ren, den deutschsprachlichen Anforderungen gerecht zu werden und keine Fehler im Deutschen zu machen. Dieser Umstand verdeutlicht, dass neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen die monolingual-deutsche Orientierung der deutschen Schulen internalisiert haben, was dazu f&#252;hrt, dass sie erh&#246;hten Assimilationsdruck versp&#252;ren und sich Gef&#252;hle wie Frustration, Scham und Angst vor Fehlern manifestieren.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus wird die fehlende sprachliche, fachliche, didaktische und soziale Ber&#252;cksichtigung von neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen durch Lehrkr&#228;fte im Fachunterricht sowie die unzureichenden Rahmenbedingungen im Unterricht, z.B. durch die begrenzte Zeit, der (migrationsbedingten) Heterogenit&#228;t der Sch&#252;ler*innenschaft nicht gerecht. Stattdessen m&#252;ssen sich die Sch&#252;ler*innen selbst im Unterricht organisieren, um diesem folgen zu k&#246;nnen, wodurch sich die negativen Gef&#252;hle erneut manifestieren. Folglich werden sie durch soziale Ausschl&#252;sse und schlechtere Schulleistungen bestraft, was bis zum Scheitern in der Schule bzw. in der Ausbildung f&#252;hren kann (vgl. hierzu ebd.), sodass sie selbst f&#252;r ihre nicht ausreichende Unterrichtsbeteiligung und geringeren Bildungserfolge verantwortlich gemacht werden. Auf diese Weise werden durch die Verlagerung auf die Neuzugewanderten strukturelle Unzul&#228;nglichkeiten individualisiert. Denn sie werden vorrangig aufgrund ihres Unverm&#246;gens die deutsche Sprache in einer begrenzt vorgegebenen Zeit in all ihren schulisch geforderten Registern zu erlernen, als Problem identifiziert, anstatt die strukturellen Bedingungen im Bildungssystem zu problematisieren. Vor diesem Hintergrund scheint das deutsche Bildungssystem &#8211; wie verschiedene quantitative sowie qualitative Befunde belegen &#8211; nicht in der Lage, auf die migrationsbedingte Heterogenit&#228;t der Sch&#252;ler*innenschaft ad&#228;quat zu reagieren und Bildungsteilhabe sowie -erfolge auch f&#252;r jene zu erm&#246;glichen, die erst sp&#228;ter ins deutsche Bildungssystem einm&#252;nden und die deutsche Sprache von Grund auf neu erlernen m&#252;ssen.</p>
</sec>
<sec>
<title>6 Implikationen f&#252;r Schul- und Unterrichtsentwicklung und f&#252;r (angehende) Lehrer*innen</title>
<p>Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung zeigen, dass kein sprachsensibler Fachunterricht stattfindet und dass damit erhebliche Nachteile f&#252;r die Sch&#252;ler*innen verbunden sind. Ein sprachsensibler Fachunterricht beinhaltet inhaltliche sowie methodisch-didaktische Anpassungen und impliziert Binnendifferenzierung sowie den systematischen Einbezug mehrsprachiger Ressourcen (inkl. Englisch).</p>
<p>Durch Aus-, Weiter- und Fortbildungen sollten alle (angehenden) Lehrpersonen bef&#228;higt werden, sprachsensiblen Fachunterricht zu planen, durchzuf&#252;hren und zu reflektieren. Es kann also nicht darum gehen, sich mit spezifischen Deutschf&#246;rderma&#223;nahmen ausschlie&#223;lich auf neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen zu beziehen, sondern grunds&#228;tzlich alle Sch&#252;ler*innen individuell zu adressieren und die Bew&#228;ltigung sprachlicher Anforderungen nicht in die Eigenverantwortung der Sch&#252;ler*innen &#8211; au&#223;erhalb der Schule &#8211; oder auf ein singul&#228;res Unterrichtsfach zu verlagern. Die Basis ist dabei, sprachliche Bildung im Rahmen der Schul- und Unterrichtsentwicklung im Gesamtkonzept einer (berufsbildenden) Schule zu verankern und als gemeinschaftliche Aufgabe f&#252;r alle Akteur*innen des (Berufs&#8209;)Bildungssystems &#8211; nicht nur der Sprachlehrkr&#228;fte &#8211; zu verstehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Gogolin/Lange 2010</xref>), welche in der Bildungsgangarbeit gemeinsam konkretisiert werden kann. Bereits bestehende Konzepte und Modelle, wie beispielsweise das Scaffolding nach Gibbons (<xref ref-type="bibr" rid="B13">2015</xref>), sind wichtiger Bestandteil schulischer (Fach-)Ausbildung, um sprachlicher Diversit&#228;t im Unterricht professionell begegnen zu k&#246;nnen und Sch&#252;ler*innen Hilfestellungen an die Hand zu geben, damit sie Fachinhalte sprachlich bew&#228;ltigen k&#246;nnen. Zugleich sind auch die Rahmenbedingungen, z.B. ausreichende Unterrichtszeit, vielf&#228;ltige Methoden, die einen Austausch der Lernenden erm&#246;glichen sowie die materielle Verf&#252;gbarkeit, z.B. Ausstattung von digitalen Endger&#228;ten sowie eine Internetverbindung, eine wichtige Voraussetzung f&#252;r das Gelingen sprachsensiblen Fachunterrichts.</p>
<p>Die Befragten berichteten von einem positiven Sprachlernerfolg im Deutschen und hoher Lernmotivation in der beruflichen Praxis, was noch einmal Hinweise f&#252;r die Relevanz des didaktischen Prinzips der Handlungsorientierung in der beruflichen Bildung liefert, welches idealerweise auch f&#252;r Sprachbildungsprozesse im Fachunterricht herangezogen werden sollte. Ebenfalls ist es zwingend erforderlich, tradierte Pr&#252;fungsstrukturen zu modifizieren und auch hier sprachliche H&#252;rden, insbesondere in schriftlichen und m&#252;ndlichen Pr&#252;fungen, zu verringern und ggf. um zus&#228;tzliche spezifische Unterst&#252;tzungsangebote zu erg&#228;nzen. Gerade in der beruflichen Bildung zeigt sich immer wieder, dass neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen an den bildungs- und fachsprachlichen H&#252;rden in Abschlusspr&#252;fungen scheitern, obwohl sie fachpraktisch die geforderte Leistung erbringen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Tratt 2020</xref>). An dieser Stelle sind insbesondere die jeweils zust&#228;ndigen Schulbeh&#246;rden und Kammern gefragt, Abschlusspr&#252;fungen anzupassen, welche die tats&#228;chlich geforderten beruflichen Handlungskompetenzen erfassen.</p>
<p>Neben der sprachsensiblen Unterrichtsgestaltung sind Lehrkr&#228;fte zudem gefordert, (neu zugewanderten) Sch&#252;ler*innen Lernstrategien zur Verf&#252;gung zu stellen, damit sie Fachinhalte und daran gekn&#252;pfte sprachliche Anforderungen auch selbstst&#228;ndig &#8211; und lebenslang &#8211; bew&#228;ltigen k&#246;nnen. Dar&#252;ber hinaus ist es bedeutsam, dass (angehende) Lehrer*innen sich selbstreflexiv mit der bestehenden Heterogenit&#228;t im Kontext von Neuzuwanderung auseinandersetzen, um die zus&#228;tzlichen Anforderungen und Belastungen neu zugewanderter Sch&#252;ler*innen &#252;berhaupt zu erfassen und sensibilisiert f&#252;r die spezifischen Bedarfe, aber auch migrationsbedingten Ressourcen zu sein. Auf diese Weise k&#246;nnen Lehrkr&#228;fte bef&#228;higt werden, eine Lernatmosph&#228;re des Wohlbefindens, des Vertrauens und der Entfaltung aufzubauen und damit gleichzeitig Gef&#252;hlen der Angst und Scham entgegenzuwirken. Dazu geh&#246;rt, eine konstruktive wertsch&#228;tzende Fehlerkultur zu erschaffen, die ein angstfreies und diskriminierungsfreies Lernen erm&#246;glicht.</p>
<p>Die Untersuchung hat ebenso aufgezeigt, wie bedeutsam soziale Stabilit&#228;t, z.B. durch positive Beziehungen zu Mitsch&#252;ler*innen, f&#252;r das fachliche sowie sprachliche Lernen sind und die Entfaltungsm&#246;glichkeiten von Sch&#252;ler*innen beeinflussen. Mitsch&#252;ler*innen k&#246;nnen f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen zwar als unterst&#252;tzende Ressource, z.B. Erkl&#228;ren in einer anderen Sprache oder visuelle Veranschaulichung, wirken, jedoch muss das soziale Potenzial systematisch im Unterricht aufgebaut werden. Dazu ist es nicht ausreichend, gezielte Arbeitsauftr&#228;ge zu erteilen oder kooperative Arbeitsformen zu etablieren (vgl. hierzu <xref ref-type="bibr" rid="B25">Massumi 2019</xref>). Die Voraussetzung daf&#252;r ist, die Klassengemeinschaft von Anfang an zu st&#228;rken, damit eine Lernatmosph&#228;re des sozialen Wohlbefindens, gegenseitigen Verantwortung und Unterst&#252;tzung entwickelt werden kann (vgl. ebd.).</p>
<p>Die Daten haben au&#223;erdem gezeigt, dass neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen auf Medien, wie &#220;bersetzer-Apps, Erkl&#228;rvideos und Podcasts zur&#252;ckgreifen, um sprachliche Sicherheit bzw. ein sprachliches Verst&#228;ndnis f&#252;r die geforderten Inhalte zu generieren. Bei der derzeitigen Pr&#252;fungskultur besteht hierbei das Hindernis der Abh&#228;ngigkeit durch internetf&#228;hige Ger&#228;te, welche im Unterricht wirksam sind, in Pr&#252;fungssituation jedoch ausgeschlossen werden. Hinsichtlich geforderter digitaler Skills in der Lern- und Arbeitswelt stellt dieser Ausschluss jedoch eine weitere Herausforderung dar.</p>
</sec>
<sec>
<title>7 Ausblick</title>
<p>Neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen werden im Fachunterricht an berufsbildenden Schulen kaum adressiert, wodurch der Erwerb ihrer bildungs- und fachsprachlichen Kompetenzen im Deutschen in ihre Verantwortung gelegt wird, w&#228;hrend sich gleichzeitig Lehrkr&#228;fte der Verantwortung entziehen oder sich &#252;berfordert f&#252;hlen, auch ihnen gerecht zu werden. Dies ist auf sozialer, kognitiver, motivationaler sowie emotionaler Ebene f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen folgenreich und erschwert den erfolgreichen Verlauf ihrer Bildungsbiographien. Vor diesem Hintergrund lassen sich ihre quantifizierbaren Misserfolge, z.B. gemessen an vorzeitigen Ausbildungsvertragsl&#246;sungen, Ausbildungsabbr&#252;chen, schlechteren Leistungsergebnissen oder gescheiterten Abschl&#252;ssen, erkl&#228;ren, ohne dass dabei transparent wird, dass die strukturellen Bedingungen diese Schlechterstellung und das Scheitern evozieren und nicht urs&#228;chlich auf die Individuen zur&#252;ckzuf&#252;hren sind.</p>
<p>Erst wenn die Schulen bzw. die dort t&#228;tigen professionellen Fachkr&#228;fte die (migrationsbedingte) Vielfalt ihrer Sch&#252;ler*innen als Ausgangslage nehmen und Schul- sowie Unterrichtsstrukturen und -angebote auch die individuellen Bedarfe aller Sch&#252;ler*innen sowie sozialen Zusammenh&#228;nge ber&#252;cksichtigen, haben auch Neuzugewanderte eine reale M&#246;glichkeit bildungserfolgreich zu sein und sich in der Schule wohlzuf&#252;hlen. Daf&#252;r m&#252;ssen Rahmenbedingungen, z.B. Vorgaben und Ressourcen, von schulbeh&#246;rdlicher Seite bereitgestellt und bildungspolitisch gest&#228;rkt werden. Gerade mit Blick auf duale Ausbildungsberufe kommt den Kammern auch eine tragende Rolle, z.B. mit Blick auf die Zwischen- und Abschlusspr&#252;fungen, zu. Dabei ist zu betonen, dass von allen vorgeschlagenen Ma&#223;nahmen nicht nur neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen, sondern alle Sch&#252;ler*innen davon profitieren und ein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit geleistet werden kann.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Neben den Anforderungen im Deutschen lassen sich auf der strukturellen, interaktionalen sowie individuellen Ebene noch weitere Barrieren identifizieren, die sich hinderlich auf die Bildungsbeteiligung und -teilhabe auswirken k&#246;nnen (vgl. weiterf&#252;hrend <xref ref-type="bibr" rid="B25">Massumi 2019</xref>).</p></fn>
<fn id="n2"><p>Diese Daten bilden allerdings nicht ab, wie lange die fluchtbedingte Migrationserfahrung zur&#252;ckliegt. Ebenso werden in den Datens&#228;tzen keine weiteren Personen mit eigener Migrationserfahrung erfasst. Um statistische Aussagen &#252;ber migrierte Personen treffen zu k&#246;nnen, wird daher im Folgenden &#8211; sofern verf&#252;gbar &#8211; das Kriterium <italic>gefl&#252;chtet</italic> bzw. <italic>mit Fluchthintergrund</italic> herangezogen. Alternativ erfolgt ein R&#252;ckgriff auf das Kriterium <italic>ausl&#228;ndische Staatsangeh&#246;rigkeit</italic>, um N&#228;herungswerte zu neu zugewanderten Personen zu erhalten.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Im Folgenden wird aus Gr&#252;nden der besseren Lesbarkeit nur noch von Sch&#252;ler*innen gesprochen, da auch Auszubildende aus der Perspektive der Schule als Sch&#252;ler*innen wahrgenommen werden und in der vorliegenden Untersuchung vorrangig die schulische Seite beleuchtet wird.</p></fn>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>StR&#8217; Anna-Katharina Kla&#223;en</bold> ist gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Berufsbegleitend nahm sie das Lehramtsstudium in M&#252;nster mit den F&#228;chern Gesundheitswissenschaften/Pflege und Deutsch auf. Ihre Masterarbeit verfasste sie zur Thematik des sprachsensiblen Unterrichts an beruflichen Schulen. Inzwischen arbeitet sie am Berufskolleg Canisiusstift in Ahaus als Studienr&#228;tin i.E. und bildet dort u.a. Erzieher*innen und Kinderpfleger*innen aus.</p>
<p><bold>Prof.&#8216; Dr.&#8216; Mona Massumi</bold> ist Professorin f&#252;r Berufsp&#228;dagogik am Institut f&#252;r Berufliche Lehrerbildung (IBL) des M&#252;nster Centrums f&#252;r Interdisziplinarit&#228;t (MCI) an der FH M&#252;nster. Arbeitsschwerpunkte: Professionalisierung und Bildung im Kontext von Heterogenit&#228;t und Bildungsbenachteiligung, erziehungswissenschaftliche Migrationsforschung.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:anna-katharina.klassen@smmp-bkc.de">anna-katharina.klassen@smmp-bkc.de</ext-link></styled-content></p>
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