Von der Reproduktion zur Produktion. Deutsch-italienische Kulturübungen
Von der Reproduktion zur Produktion. Deutsch-italienische Kulturübungen
"Die Frauen machen gerade die Hütte sauber. Nackt springen ein paar verwahrloste Kinder herum. Die Männer sitzen, nachlässig in Felle gekleidet, leicht angetrunken unter einem Baum. Früher oder später wird es eine Schlägerei geben. Die Männer langweilen sich, wie immer in Friedenszeiten." So beschreibt Tacitus das Leben der Germanen. Er führt der Kulturwelt die Barbaren vor. Er vergleicht, und er mahnt. Primitiv und ein bisschen lächerlich, haben die Germanen den kultivierten Römern doch etwas, vielleicht gar altrömische Tugenden, voraus: Diese Barbaren sind stark, sie sind frei und sittenstreng zugleich; zäh verteidigen sie ihre Freiheit. In dieser Hinsicht sind die Germanen Prototyp des reinen und freien Wilden, der sehr viel später die Phantasie der Leser und Leserinnen beschäftigen wird. Der jüngere Wilde trinkt freilich nicht.

