Steffen Pappert, Melanie Schröter & Ulla Fix (Hg.). 2008. Verschlüsseln, Verbergen, Verdecken in öffentlicher und institutioneller Kommunikation
Steffen Pappert, Melanie Schröter & Ulla Fix (Hg.). 2008. Verschlüsseln, Verbergen, Verdecken in öffentlicher und institutioneller Kommunikation
Der weitaus größte Teil der Forschungsliteratur, die sich um die kommunikativen Kontextbedingungen sprachlicher Bedeutung bemüht, basiert in Nachfolge der Konzeptionen von Jürgen Habermas (1981) und Paul Grice (1975) auf der Annahme, dass sich die Kommunikationspartner um möglichst vollständige, schnelle und direkte Offenlegung ihrer Äußerungsabsichten bemühen. Dabei wird von einer irgendwie zu beschreibenden Korrelation zwischen einem Sprachdatum und einer positiv auf den Kommunikationspartner gerichteten Handlungsintention ausgegangen. Nicht gelingende Kommunikation, z.B. Missverstehen, wird dementsprechend in aller Regel als bilaterales Scheitern gedeutet, zum Beispiel in der Kontextualisierungstheorie Gumperz’ (1982) und in den Missverstehenslinguistiken Wolfgang Falkners (1997), Deborah Tannens (1994) oder Margret Seltings (1987). Ausnahmen von der Prämisse der verständigungswilligen Kommunikationspartner gibt es wenige, darunter Gabriel Falkenbergs Linguistik der Lüge (1982). In dem auf der Interaktionalen Soziolinguistik aufbauenden Modell Volker Hinnenkamps zu Missverständnissen in der sprachlichen Interaktion (1998) gibt es einige Passagen, die in diese Richtung weisen, so diskutiert Hinnenkamp bewusstes Missverstehen aus kommunikationsstrategischen Gründen (1998: 271-301).

