Einsam oder gemeinsam? : Verstehen und Erklären in der digitalen Linguistik
Einsam oder gemeinsam? : Verstehen und Erklären in der digitalen Linguistik
Der Beitrag untersucht die Bedeutung der Unterscheidung zwischen Verstehen und Erklären für die digitale Linguistik. Es wird gezeigt, dass Verstehen und Erklären nicht als isolierte Praktiken betrachtet werden sollten, sondern eng miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig ergänzen. Er setzt dazu bei der bekannten Begriffsdichotomie aus der romantischen Hermeneutik an und bezieht neuere Beträge zu einem einheitswissenschaftlichen Begriff des Erklärens wie auch zu einer pragmatischen Verstehenstheorie ein. Das Verstehen wird in der digitalen Linguistik als eine unreflektierte Nebenbei-Praxis behandelt, während das Erklären in seinen verschiedenen Typen gut methodologisiert ist. Der in verschiedenen Bereichen der Linguistik eingeführte Kontextualisierungsbegriff scheint geeignet, um korpuslinguistisches Verstehen methodologisch zu fassen. Auch wenn die Bedeutung statistischer Erklärungen bei wachsenden Beständen an quantifizierbaren Daten wächst, darf das Verstehen im Kontext nicht unreflektiert bleiben und bedarf einer methodischen Basis. Auf der Ebene des praktischen Zugriffs hebt der Beitrag Annotation als Methode hervor, die Verstehen und Erklären integriert. Dabei spielt insbesondere das kollaborative Verstehen in Annotationsprozessen eine Schlüsselrolle. Der Beitrag endet mit zwei Anwendungsbeispielen.
This paper examines the significance of the distinction between understanding and explanation for digital linguistics. It argues that understanding and explanation should not be regarded as isolated practices, but are closely linked and complement each other. To this end, it starts with the well-known conceptual dichotomy from Romantic hermeneutics and incorporates more recent contributions to a unified scientific concept of explanation as well as to a pragmatic theory of understanding. Understanding is treated in digital linguistics as an unreflective incidental practice, while explanations are well-methodologised in their various types. The notion of contextualisation, established in various linguistics fields, seems suitable to methodologically grasp corpus linguistic understanding. Even if the importance of statistical explanations grows with increasing stocks of quantifiable data, understanding in context must not remain unreflective and requires a methodological basis. On the level of practical access, the article highlights annotation as a method that integrates understanding and explanation. In particular, collaborative understanding plays a key role in annotation processes. The article ends with two examples of application.

