Die Saanehochwasser von Freiburg i. Ü. 1387-1570. Kommunale Schadensabwehr, Wasserbau und Wasserstände anhand der Chroniken und Stadtrechnungen
Die Saanehochwasser von Freiburg i. Ü. 1387-1570. Kommunale Schadensabwehr, Wasserbau und Wasserstände anhand der Chroniken und Stadtrechnungen
Die Hochwasser von 1977, 1978, 1999, 2005 und 2007 betrafen weite Teile der Schweiz sowie Mitteleuropas und schienen im Vergleich mit den vergangenen Jahrzehnten plötzlich in kürzeren Abständen und in grösserem Ausmass aufzutreten.¹ Die Ereignisse der 1990er- und 2000er-Jahre forderten insgesamt 155 Menschenleben und verursachten einen Sachschaden von 35 Mio. EUR.² Insbesondere AnrainerInnen, WasserbauingenieurInnen, Raumplanung, Versicherungswesen und Regierungen haben ein konkretes Interesse, solche Risiken besser kennenzulernen. So veranlassten die Überschwemmungen der Saane 1999, 2005 und 2007 das Tiefbauamt des Kantons Freiburg dazu, eine effizientere Hochwasserregulierung über die Stauseen durch das Labor für Wasserbau der ETH Lausanne prüfen zu lassen und in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Ingenieurbüros Gefahrenkarten für den Hochwasserschutz anzufertigen, welche bei der Bauplanung und der Bodennutzung zu berücksichtigen sind.³ Im Rahmen der Klimaforschung, welche sich in jenen Jahren mit der Anerkennung des Klimawandels als ökopolitisches Problem zunehmend etablierte, begannen auch internationale Projekte, interdisziplinär Hochwasser von Flüssen genauer zu untersuchen.⁴ Im Fokus stehen bis heute ihr räumlich-zeitliches Auftreten, Saisonalität und Ablauf im Zusammenhang mit Gerinneund Landnutzungsveränderungen im Einzugsgebiet, mit atmosphärischer Zirkulation, Druckfeldern und Sonnenaktivität sowie Interaktionen dazwischen.⁵ Das Hauptproblem dabei ist, dass die statistischen Grundlagen, d. h. die instrumentellen Messreihen von Luftdruck, Temperatur, Niederschlag und Abfluss von Flüssen, in der Regel höchstens 100 bis 150 Jahre zurückreichen.⁶ In Freiburg i. Ü. wurden Hochwassermarken erst 1852 bis 1910 an der St. Johannbrücke angebracht und 1911 von hydrologischen Abflussmessungen bei der Bernbrücke abgelöst.⁷ Einerseits lässt sich das Ausmass von Hochwasserereignissen mit einer statistischen Wiederkehrperiode von mehr als 200 Jahren bei einer solchen Datengrundlage nicht zuverlässig bestimmen,⁸ andererseits beinhaltet diese nicht die längerfristige, v. a. klimatisch bedingte Variabilität von Abflussregimes. Extremereignisse mit einer Auftretenswahrscheinlichkeit von Hunderten bis Tausenden von Jahren könnten auch heute noch bedeutende Auswirkungen haben.⁹

