KulturZeitRaum - Das Feuilleton der ZiF
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Kleider machen Leute und Wörter machen alles: sie machen glücklich, unglücklich, sie schaffen Identität, Abgrenzung, sie führen zu Verständnis, Harmonie wie zu Missverständnissen und sogar zu Krieg. In einem finanzkrisengeschüttelten Europa zu Beginn der zehner Jahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts entzweit der Gebrauch von Wörtern, ein Land misstraut dem anderen, der finanznotleidende Süden (Portugal, Spanien, Italien, Griechenland) fühlt sich vom Norden, insbesondere der Koalitionsachse weitgehender ökonomischer Stabilität (Frankreich und Deutschland) bevormundet, gegängelt, auch entwürdigt. Ein Beispiel: Im Moment schwieriger Verhandlungen über Geldtransfers aus der Europäischen Union an Griechenland wird der Schriftzug an der griechischen Nationalbank „Bank of Greece“ übersprüht zu „Bank of Berlin“, es hätte auch lauten können „Bank of Paris“. Doch dürfen wir nicht vergessen: Das ist politische Aktualität, das ist in gewisser Weise Oberfläche. In der Tiefe geeint ist Europa durch seine Werte wie Freiheit, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Solidarität. Dies so lange, wie das jeweilige Volk seine politische Führung, die mit immer neuen Zahlungsverpflichtungen, Sparmaßnahmen von europäischen Gipfeltreffen zurückkehrend, nicht stürzt. Ganz offensichtlich vermögen es die politischen Führungen in den meisten Ländern, den Menschen die jeweils gerade notwendigen Einschränkungen zu erklären. Auch dies geschieht mittels Wörtern. Welche Wörter in dieser Zeit neu, variiert oder anders als in früheren Zusammenhängen in der deutschen Sprache gebraucht werden und welche Wörter daneben auch gerade aktuell sind, davon handelt dieses Feuilleton.

