KulturZeitRaum
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Seit Jahren, ja seit Jahrzehnten treiben uns Post-Phänomene um - Postmoderne, Poststrukturalismus, postindustrielle Gesellschaft und, nicht zuletzt: postnationales Zeitalter. Sofern Sie sich schon einmal gefragt haben, ob Sie im Zeitalter der Postnationalität leben, dann bestimmt nicht mehr seit den Volksabstimmungen über die europäische Verfassung, die im Frühjahr 2005 in Frankreich und den Niederlanden stattgefunden haben. Deren Nein ist nicht zuletzt ein sprechender Beleg für die Lebendigkeit der Nationenidee, vielleicht mehr noch eines Nationalgefühls. Viel wichtiger aber: Das Nein ist Ausdruck von Zivilcourage und freier Meinungsäußerung. Wie immer man dazu stehen mag, und ein Franzose sieht das völlig anders als etwa ein Deutscher, Europa ersetzt die Idee der Nation (noch lange) nicht. Einige vermuteten das seit geraumer Zeit, die Volksabstimmungen haben es belegt. Seither ist das Lamento groß, für manch Medium gar ist Europa seither tot. Weit gefehlt. Aber was geschah, vor allem: warum geschah das Unerwartete? Das geschah: Verdiente Politiker aus vielen europäischen Ländern haben in einem ehrwürdigen Gremium, dem Verfassungsrat, genau gesagt, dem "Konvent zur Zukunft der Europäischen Union" unter dem Vorsitz von Valéry Giscard d'Estaing, bestehende Länderverfassungen gesichtet, sich über Bewährtes verständigt und dieses mehr oder weniger aneinandergereiht, versehen mit einer schönen Vorrede, als europäische Verfassung herausgegeben (http://www.eu-kommission.de/).

