Jung, Theo (Hrsg.): Zwischen Handeln und Nichthandeln. Unterlassungspraktiken in der europäischen Moderne, 322 S., Campus, Frankfurt a. M./New York 2019.
Jung, Theo (Hrsg.): Zwischen Handeln und Nichthandeln. Unterlassungspraktiken in der europäischen Moderne, 322 S., Campus, Frankfurt a. M./New York 2019.
Die Abwesenheit von Handeln sei „keine konturlose Leere, sondern vielmehr eine scharf umrissene Leerstelle“ (S. 9). Mit dieser prägnanten These eröffnet der Freiburger Historiker Theo Jung den von ihm herausgegebenen, auf einer Tagung aus dem Jahr 2017 beruhenden, hier zu besprechenden Sammelband. Unter Rückgriff auf Melvilles Bartleby und dessen berühmten Satz „I prefer not to“ sowie unter Verweis auf die Bedeutung von Nichthandeln in Rechtstexten im Sinne von „Unterlassung“ nähert sich Jung dem Konzept, das er und seine Mitstreiter_innen in diesem Band populär machen wollen: eine pointierte, inspirierende Praxistheorie des „Nicht/Handelns“. Der Neologismus deutet an, dass der Begriff eine Fülle von Praktiken jenseits bloßen Nichthandelns beinhaltet, die jedoch „eine Reihe von gemeinsamen und spezifischen Logiken“ (S. 10) zusammenhält. Angeleitet durch einen praxeologischen Ansatz im Sinne Pierre Bourdieus skizziert der Band in acht Beiträgen, die auf Jungs Einleitung folgen, dieses Feld des „Nicht/Handelns“ historisch und beispielhaft. Dies geschieht unter den drei Schlagworten „Verzichten“ (S. 43–128), „Innehalten“ (S. 129–214) und „Aussetzen“ (S. 215–292). Schließlich folgt ein neunter Beitrag als „Ausblick“, der den Begriff des „Nicht/Handelns“ philosophisch ausleuchtet.

