...bin ich Euch wieder recht nahe gekommen : der wiedergelesene Brief als "Ereignis" zwischen Kunst und Leben
...bin ich Euch wieder recht nahe gekommen : der wiedergelesene Brief als "Ereignis" zwischen Kunst und Leben
Spätestens mit Georg Steinhausens Charakterisierung in seinem „Handbuch Brief“ aus dem Jahre 1891 ist der Brief mit dem Begriff Ereignis belegt (Steinhausen 1891, 405). Steinhausen freilich verbindet diesen mit einer früheren Epoche, die mit den 1848er Vor- und Nachwehen zu Ende gegangen sei, einer Zeit, als „ernste Männer ihre Freude an langen, geist- und empfindungsreichen Episteln“ hatten und Frauen die „Briefleidenschaft“ pflegten und bewahrten (Steinhausen 1891, 406f.). Doch die Ereignisse der Jahrhundertmitte hätten, so der Autor weiter, „unsere Denk- und Gefühlsweise mächtig verwandelt“ (Steinhausen 1891, 408). „Nüchterner“ sei die Zeit geworden und der „materielle Zeitgeist“ habe die Ideale verdrängt. „Unsere Zeit charakterisiert viel eher die Postkarte mit ihrer Kürze und Bequemlichkeit“, übertroffen nur noch vom Telegramm (Steinhausen 1891, 409).

