Rezension: HILLER, GUNDULA GWENN (2007), Interkulturelle Kommunikation zwischen Deutschen und Polen an der Europa-Universität Viadrina. Eine empirische Analyse von Critical Incidents
Rezension: HILLER, GUNDULA GWENN (2007), Interkulturelle Kommunikation zwischen Deutschen und Polen an der Europa-Universität Viadrina. Eine empirische Analyse von Critical Incidents
In ihrer kulturkontrastiven Untersuchung stellt Gundula Gwenn Hiller die Frage, wie die Kommunikation zwischen Deutschen und Polen im Alltagsleben einer deutsch-polnischen Institution verläuft. Das Quellenkorpus bilden zwanzig Interviews mit deutschen und polnischen Studierenden der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, die sich selbst als eine „Schnittstelle zwischen Ost und West“ bezeichnet. Kritische Beobachter der Viadrina- Universität heben die tiefe Diskrepanz zwischen dem politischen Auftrag bzw. dem Selbstverständnis der Hochschule und dem Alltag in Frankfurt/Oder hervor. Hillers Doktorarbeit basiert auf der Hypothese, dass das Scheitern der interkulturellen Kommunikation (IK) oft auf subtile kulturelle Unterschiede zurückzuführen ist, derer sich die Interaktionspartner nicht bewusst sind. Hierzu gehören vor allem Werte, Normen, Verhaltensstandards oder auch Kommunikationsstile. Die Arbeit konzentriert sich auf die bekannten kritischen Interaktionssituationen (‚critical incidents’), die sich auf sieben Themenbereiche beziehen: Religion, Moralvorstellungen, Familie, soziale Netzwerke/Gruppensolidarität, Rollenverständnis der Geschlechter, Witze – Tabus – Fettnäpfchen – gemeinsame Themen und den Umgang mit Hierarchien. An diesen Beispielen wird die Kommunikation zwischen einer ‚Low-Context-’ und einer ‚High-Kontext-Culture’ – um sich der Kategorien von Edward Hall zu bedienen – veranschaulicht und anschließend werden „zehn Thesen zu interkulturellen Konfliktsituationen zwischen deutschen und polnischen Studierenden“ formuliert. Die Autorin stellt zum Beispiel die These auf, dass Moralvorstellungen in Polen überwiegend als konservativ wahrgenommen würden oder dass der Stellenwert der Familie in Polen höher als in Deutschland sei. Des Weiteren sei das „Denken und Agieren in Gruppen/Netzwerken“ für polnische Studierende selbstverständlicher als für deutsche und Professoren seien für Polen anders als für Deutsche Respektpersonen auch außerhalb der Universität. Andere Thesen beschränken sich leider auf reine Feststellungen der Unterschiede, ohne zu versuchen, diese inhaltlich zu füllen.

