Auswirkungen der Lehr-Lernüberzeugungen studentischer Physiktutor*innen auf Lehrqualität, Zufriedenheit und Veranstaltungserfolg
Auswirkungen der Lehr-Lernüberzeugungen studentischer Physiktutor*innen auf Lehrqualität, Zufriedenheit und Veranstaltungserfolg
Von studentischen Tutorinnen geleitete Übungen sind, insbesondere in der Physik, ein wichtiger Baustein der Hochschullehre. Obwohl dieser Bereich empirisch wenig erforscht ist, legen die bisherigen Forschungsergebnisse nahe, dass die Lehr-Lernüberzeugungen von Tutorinnen ihr Lehrhandeln beeinflussen und dadurch auf die Teilnehmenden wirken. Daher wurde in dieser Studie die folgende Mediationshypothese überprüft: Die Lehr-Lernüberzeugungen studentischer Physiktutorinnen beeinflussen, vermittelt über ihr Handeln in der Lernunterstützung, die Zufriedenheit und den Veranstaltungserfolg der Teilnehmenden ihrer Übung. Ergänzend wurden mittels Regressionsanalysen die Einflüsse der Lehrerfahrung und des Studienganges der Tutorinnen auf ihre Lehr-Lernüberzeugungen, direkte Effekte dieser Lehr-Lernüberzeugungen auf Zufriedenheit und Veranstaltungserfolg der Teilnehmenden sowie Effekte der Lehrqualität auf Zufriedenheit und Veranstaltungserfolg untersucht. Zur Erhebung dieser Variablen wurden zunächst Fragebögen entwickelt und pilotiert. Dabei wurde unter anderem auf angepasste Items der COACTIV-Studie zum schulischen Mathematikunterricht zurückgegriffen. Die Lehr-Lernüberzeugungen der Tutorinnen wurden mit zwei Skalen erfasst: eine zur Messung der transmissiven Überzeugungen und eine weitere bezüglich der konstruktivistischen Überzeugungen. Das Lehrhandeln wurde durch die von den Übungsteilnehmenden wahrgenommene Lehrqualität operationalisiert. In der Pilotierung zeigte sich, dass die allgemein-pädagogischen Items aus dem Schulkontext, z. B. bezüglich der Klassenführung, trotz Anpassungen nicht auf die tutorielle Lehre übertragbar waren. Für die fachdidaktische Lehrqualität ergab eine explorative Faktorenanalyse ein Erhebungsinstrument mit den folgenden drei Skalen: Prinzip der minimalen Hilfe, Vergleich von Lösungswegen und fachliches Erklären. Im Anschluss an die Pilotierung fand im Wintersemester 22/23 und im Sommersemester 2023 die Haupterhebung in verschiedenen Physikbachelorveranstaltungen und Physikveranstaltungen für andere Fachbereiche statt. Erhoben wurde dabei mittels Fragebögen direkt in den Übungsgruppen (Tutorinnen: N = 107; Teilnehmende: N = 793). In den Regressionsanalysen zeigte sich unter anderem ein sehr starker positiver Zusammenhang zwischen der Qualität der fachlichen Erklärungen und der Zufriedenheit der Teilnehmenden (Varianzaufklärung ca. 55 %). Gleichzeitig wirkte sich häufigeres Vergleichen von Lösungswegen negativ auf die Zufriedenheit und den Veranstaltungserfolg aus. In der Mediationsanalyse konnte ein über eine Reduktion des fachlichen Erklärens vermittelter negativer Effekt der konstruktivistischen Überzeugungen auf die Zufriedenheit der Teilnehmenden gefunden werden. Gleichzeitig gab es einen direkten positiven Einfluss der transmissiven Überzeugungen auf den Veranstaltungserfolg der Teilnehmenden. Diese Ergebnisse widersprechen der theoretischen Erwartung, dass konstruktivistische Überzeugungen positive und transmissive negative Effekte haben. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen legen diese Ergebnisse nahe, das fachliche Erklären der Tutorinnen zu fördern und den Vergleich von Lösungswegen zurückhaltender in den Übungen einzusetzen. Weitere Forschungsvorhaben bezüglich der Lehr-Lernüberzeugungen und des Lehrhandelns von Tutorinnen sind jedoch notwendig.
Exercise groups led by student tutors are an important component of university teaching, especially in physics. While few empirical studies have been conducted in this area, previous research suggests that tutors’ beliefs about teaching and learning influence their teaching behavior and thus affect the participants. Therefore, this study tests the following mediation hypothesis: Student physics tutors’ beliefs about teaching and learning, mediated by their actions in learning support, influence the satisfaction and course success of their exercise group participants. In addition, regression analyses were used to investigate the influences of the tutors’ teaching experience and degree program on their beliefs about teaching and learning, the direct effects of these beliefs on the satisfaction and course success of the participants, and the effects of teaching quality on satisfaction and course success. These variables were measured via questionnaires, which were initially developed and piloted. Among others, adapted items from the COACTIV study on school mathematics lessons were used for this. The tutors’ beliefs about teaching and learning were recorded using two scales: one to measure transmissive beliefs and one relating to constructivist beliefs. The teaching practice was operationalized as the teaching quality perceived by exercise group participants. The piloting showed that the general pedagogical items derived from the school contexts, e. g. classroom management, were not transferable to tutorial teaching, even with adjustments. An exploratory factor analysis of the subject didactic teaching quality resulted in a survey instrument with the following three scales: principle of minimal help, comparison of solutions, and professional explanation. Following the pilot phase, the main survey took place in winter semester of 2022/2023 and summer semester of 2023 in a range of physics bachelor’s courses as well as physics courses for other departments. The survey was conducted using questionnaires directly in the exercise groups (tutors: N = 107; participants: N = 793). The regression analyses showed, among other things, a very strong positive correlation between the quality of the technical explanations and the satisfaction of the participants (variance explanation approx. 55 %). At the same time, more frequent comparisons of solutions had a negative effect on satisfaction and course success. In the mediation analysis, a negative effect of constructivist beliefs on participant satisfaction was found, mediated by a reduction in instructional explanations. At the same time, there was a direct positive influence of transmissive beliefs on the participants’ success in the course. These results contradict the theoretical expectation that constructivist beliefs have positive effects and transmissive beliefs negative effects. Under the given conditions, these results suggest that the tutors’ instructional explanations should be emphasized, while the comparison of solutions should be used more cautiously. However, further research into tutors’ beliefs about teaching and learning and their teaching behavior is necessary.

