Geheimnis – Herrschaft – Wissen. Theoretisches und praktisches Wissen in der frühneuzeitlichen Hofkultur am Beispiel von Beständen der Darmstädter Universitäts- und Landesbibliothek
Geheimnis – Herrschaft – Wissen. Theoretisches und praktisches Wissen in der frühneuzeitlichen Hofkultur am Beispiel von Beständen der Darmstädter Universitäts- und Landesbibliothek
Der Beitrag versucht eine Rekonstruktion der Gründungsphase der späteren Darmstädter Hof- und heutigen Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt seit dem Spätmittelalter bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dafür wird die spezifische Hofkultur in Darmstadt und Butzbach als mitbestimmendes Element für die Sammelinteressen vorgestellt, die sich dank erhaltener Bestände, Inventare, Bucheinbände und Besitzvermerke in Ansätzen skizzieren lassen. Namentlich betrifft dies die Interessensfelder der Landgrafen (Georg I. und Georg II. von Hessen-Darmstadt, Philipp III. von Hessen-Butzbach, Sophia Eleonora von Hessen-Darmstadt) und der Gesellschaft bei Hofe, die zwischen theoretischen und praktischen Interessen oszillierte. Ein besonderes Augenmerk gilt der Rolle Philipps III. und seines Hofmedicus und –mathematicus Daniel Mögling für die Entstehung eines Sammelschwerpunkts im Bereich naturkundlichen und esoterischen Wissens (Astronomie, Astrologie, Alchemie, Botanik, Medizin, Architektur) und bei der Förderung von Experten wie Johannes Kepler. Dadurch wird zugleich die allmähliche Veränderung von diskursiven Feldern, die wachsende Multimodalität von Fachliteratur und die Rolle der Büchersammlungen als Wissensspeicher, Macht- und Repräsentationsmittel deutlich.

