Schlaf, Traum und sportliche Leistung
Schlaf, Traum und sportliche Leistung
Sport und Schlaf scheinen auf den ersten Blick zwei Themen zu sein, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Körperliche und geistige Höchstleistungen auf der einen Seite – Untätigkeit und Bewusstlosigkeit auf der anderen. Tatsächlich gibt es allerdings zahlreiche Anknüpfungspunkte, die sowohl für die Schlafforschung als auch für die Sportwissenschaft von großem Interesse sein dürften: das Schlafverhalten von Sportlerinnen und Sportlern, Jetlag im Sport und Schlafmangel vor sportlichen Wettkämpfen – um nur einige Bereiche aufzuzählen. Für einen kompakten Überblick über die angewandte Schlafforschung für die Sportwissenschaft sei auf das Buch „Sport und Schlaf“ verwiesen, welches auch eine umfassende Einführung in die Schlaf- und Traumforschung liefert (Erlacher, 2019). In dem vorliegenden Beitrag soll auf einen dieser Schlaf-Sport-Verknüpfungen näher eingegangen werden: Das motorische Lernen im Klartraum.
Die Vorstellung, die motorische Leistung zu verbessern, während man körperlich nicht in der Lage ist, sich zu bewegen, mag unrealistisch und sogar widersprüchlich erscheinen. Doch frühere Forschungen haben bereits gezeigt, dass allein durch mentales Training die physische motorische Leistung verbessert werden kann (Erlacher, 2010). Eine interessante und vielversprechende Erweiterung dieses Ansatzes ist das Phänomen des Klarträumens. In beiden Zuständen werden motorische Aufgaben simuliert, um eine Verbesserung zu erzielen. Beim Klarträumen kann jedoch eine immersive, VR-ähnliche Umgebung geschaffen werden, die genau auf die Bedürfnisse des Träumers abgestimmt ist (Erlacher, 2005).
Im Folgenden sollen deshalb die theoretischen Grundlagen und die Wirksamkeit dieses innovativen Ansatzes skizziert werden. Dazu wird zunächst das Phänomen Klartraum näher vorgestellt. Danach werden experimentelle Studien diskutiert, die eine Leistungssteigerung nach dem Klartraumtraining aufweisen. Anschließend werden verschiedene Untersuchungen dargestellt, die Ähnlichkeiten in der Gehirnaktivität, Augenbewegungen, Muskelaktivität und den autonomen Reaktionen im Vergleich zum physischen Training nachweisen und damit einen potenziellen Wirkmechanismus des Klartraumtrainings anbieten. Abschließend sollen in der Diskussion einige Herausforderungen diskutiert werden.

