Flucht und Vertreibung als Phänomen der Moderne. Das Beispiel Indien.
Flucht und Vertreibung als Phänomen der Moderne. Das Beispiel Indien.
Flucht und Vertreibung gehören zu den großen Themen des 20. Jahrhunderts. Sie werden als Folge von Nationalstaatsbildungen und als Signum der Moderne be¬trachtet. Der geogra¬phi¬sche und zeitliche Fokus ist jedoch meist auf Europa ge¬richtet. Kaum in den Blick rücken Vertreibungsvor¬gänge, die außerhalb Europas stattge¬fun¬den haben. Diese werden häufig als Aus¬druck einer vormodernen Barbarei verstanden und auf Differenzen zwischen ver¬schiedenen Ethnien oder religiösen Glaubensge¬meinschaften zurückgeführt, deren Feind¬schaft vermeintlich schon immer besteht. Die Ursachen von Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert sind jedoch als Aus¬druck der Moderne zu verstehen, die sich nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Teilen der Welt manifestiert hat. An exponier¬ter Stelle steht wegen des außerordent¬lichen Umfangs und der weit¬rei¬chenden Konsequenzen für die gesamte Region die Unab¬hängigkeit und Teilung Indiens 1947. Aus diesem Grund wird Indien in den Mittelpunkt der vorliegenden Magisterarbeit gestellt. Denn ob¬wohl für Indien in der Forschung die Ansicht inzwi¬schen als überholt gilt, dass die Vertrei¬bungen die Fortschreibung jahrhundertealter Konflikte sind, fehlt bislang die konsequente Zuschreibung der Vertrei¬bungen in Indien als Prozesse der Moderne.

