Lebens-Wandel. Reflexionen zu Erich Fromm
Lebens-Wandel. Reflexionen zu Erich Fromm
Auf welche – überwiegend unbewusste – Weise formieren Gesellschaften die physischen und psychischen Energien ihrer Mitglieder, um sie gewinnbringend bei der Stange zu halten? Erich Fromm beantwortet diese Frage mithilfe seines Konzepts des Gesellschafts-Charakters. Dieser fungiert als eine Art Transmissionsriemen zwischen den jeweils vorherrschenden sozioökonomischen Anforderungen einer Gesellschaft und den Bedürfnisstrukturen ihrer Mitglieder. Der Gesellschafts-Charakter sorgt dafür, dass die Individuen so fühlen und handeln wollen, wie sie sollen. Mit dem Wandel gesellschaftlicher Ansprüche kommt es früher oder später auch zu Neuorientierungen des Gesellschafts-Charakters. Der Lebenswandel der Menschen bleibt eingelassen in den Wandel des gesellschaftlichen Lebens. Daher wird beispielsweise der ‚autoritäre Charakter’ von ehedem heute zu einer Altlast. An seine Stelle sind längst neue Charakter-Orientierungen getreten: etwa die ‚Marketing-Orientierung’ oder die ‚Ich-Orientierung’.
